Interview

Wie Freiburger Schülerinnen und Schüler die Pandemie erlebt haben

Elisa Rijntjes

Welche Corona-Regeln galten an Freiburger Schulen? Und wie kamen die Schülerinnen und Schüler damit klar? Vier Freiburger Schüler erzählen, wie der Unterricht bei ihnen zu Pandemie-Zeiten abgelaufen ist.

Schon seit einiger Zeit gibt es wieder mehr Präsenzunterricht an den Schulen. Vier Freiburger Schülerinnen und Schüler haben uns erzählt, wie es bei ihnen läuft: Hugo Hinze vom Droste-Hülshoff-Gymnasium, Konstantinos Giagkidis vom Friedrich-Gymnasium, Malin Beißwenger vom Angell-Gymnasium, und Jannis Döling vom Wentzinger-Gymnasium.

Ab wann hattet ihr wieder Präsenzunterricht?

Hugo: "Für uns als Kursstufe hat der Präsenzunterricht nach den Fasnetferien wieder angefangen. Die anderen Klassen durften zwei Wochen nach den Osterferien in halber Klassenstärke wieder in die Schule, also zum Wechselunterricht. Allerdings dürfen seit nach den Pfingstferien alle Klassen in voller Klassenstärke zum Präsenzunterricht erscheinen."
Konstantinos: "Wir als Kursstufe durften in die Schule, sobald diese wieder geöffnet wurde: Wir hatten keinen Wechselunterricht, da unsere Leistungskurse die Maximalanzahl von zehn Schülerinnen und Schüler in keinem Fall überschritten haben."
Malin: "Wir als 10. Klasse durften nach den Osterferien wieder in die Schule, allerdings nur zum Wechselunterricht. Erst nach den Pfingstferien hatten wir Präsenzunterricht in voller Klassenstärke."
Jannis: "Die Kursstufe war bereits seit März im Wechselunterricht. Wir als 10. Klasse durften kurz nach den Osterferien wieder die Schule besuchen, allerdings ebenfalls nur zum Wechselunterricht. Ab dem 7. Juni hat der reguläre Präsenzunterricht für alle Klassen wiederbegonnen."

Welche Corona-Sicherheitsmaßnahmen gibt es bei euch?

Hugo: "Die Maskenpflicht draußen auf dem Schulhof und in den Klassenzimmern wurde ab dem 21. Juni wegen der sinkenden Fallzahlen aufgehoben. Dennoch gilt diese weiterhin auf den Gängen im Schulhaus. Außerdem wird nun auch nicht mehr nach Zeitplan in regelmäßigen Abständen gelüftet."
Konstantinos: "Die meisten Sicherheitsmaßnahmen wurden aufgehoben: Die Maskenpflicht im Unterricht und das Abstandsgebot in den Klassenzimmern gelten nicht mehr. Nur in den Gängen müssen die Masken weiterhin getragen werden. Auch das regelmäßige Lüften ist nicht mehr obligatorisch."
Malin: "Obwohl die Maskenpflicht auf den Gängen und dem Pausenhof noch gilt, wurde sie in den Klassenzimmern seit dem 21. Juni abgeschafft, selbst wenn mancher Unterricht klassenübergreifend stattfindet und sich daher verschiedene Klassen mischen. Außerdem werden wir zweimal in der Woche getestet. Anfangs hatten wir die Antigen-Schnelltests. Da diese aber als nicht sonderlich zuverlässig gelten, werden bei uns seit rund zwei Wochen Pooltests eingeführt. Das bedeutet, dass alle Testproben zusammengeworfen werden und ein PCR-Test durchgeführt wird. Sollte dieser kollektive PCR-Test positiv sein, müssen alle Schüler dieser Klasse einen individuellen PCR-Test machen."
Jannis: "Wir führen zweimal die Woche Antigen-Schnelltest durch, die Maskenpflicht wurde am 21. Juni aufgehoben und ist seit dem 15. Juli wieder eingeführt, da es im Haus einen Corona-Fall gegeben hat. Wir haben immer noch die sogenannte ’Kohorten-Trennung’: eine Stufe darf sich beispielsweise im Religions-, oder Fremdsprachenunterricht mischen, aber das ist nur innerhalb einer Stufe erlaubt. Infolgedessen wurde jeder Stufe ein eigener Gang zugewiesen. Des Weiteren haben wir aktuell verschiedene Ein- und Ausgänge, sodass sich die Stufen nicht mischen. Es gibt bei uns auch eine Wegtrennung auf den Treppen, was bedeutet, dass eine Treppe nur nach oben und eine andere nur nach unten führt. Durch den "Lüftegong" ist regelmäßiges Stoßlüften gewährleistet, wobei jetzt, wo es wärmer ist, die Fenster auch mal länger offenstehen."

Fühlt ihr euch sicher, oder habt ihr Angst, ihr könntet euch anstecken?

Hugo: "Ich persönlich habe keine Angst. Ich bin bereits geimpft, und so geht es auch den meisten aus meiner Stufe. Einige sind schon genesen und haben dadurch eine gewisse Immunität aufgebaut. Trotz allem finden viele Schülerinnen und Schüler, dass die Maskenpflicht zu früh aufgehoben wurde. Die Unannehmlichkeiten, die durch die Maske entstehen, stehen in keinem Verhältnis zu dem Nutzen. Ich habe für mich entschieden, die Maske trotzdem zu tragen, vor allem wenn ich neben Leuten sitze, die ich nicht kenne oder denen ich selten begegne, denn ich weiß nicht, wie verantwortungsvoll sie sich verhalten. So fühle ich mich sicherer."
Konstantinos: "Nein, ich kann nicht sagen, dass ich Angst vor einer Infektion habe. Um ehrlich zu sein, spüre ich diese Angst eher außerhalb der Schule. Dadurch, dass in der Schule alles sehr gut geregelt ist, fühle ich mich auch jetzt nach der Abschaffung der Maskenpflicht absolut sicher. Ich empfinde es eher als eine Erleichterung, dass die Maske nicht mehr durchgängig getragen werden muss."
Malin: "Anfangs hatte ich schon etwas Angst, aber mittlerweile bin ich vollständig geimpft. Dadurch fühle ich mich viel sicherer. Und wenn man die aktuelle Situation mit der vor einem Jahr vergleicht lässt sich eine deutliche Verbesserung feststellen. Damals war niemand geimpft, aber die Maskenpflicht wurde trotzdem aufgehoben, bevor sie dann später wieder eingeführt wurde. Das war viel heikler. Im Moment sind viele einfach oder doppelt geimpft."
Jannis: "Ich fühle mich durch die regelmäßigen Tests relativ sicher. Experten sagen, dass man auch bei den Antigen-Schnelltests auf kurz oder lang positive Fälle mit großer Wahrscheinlichkeit entdeckt. Die Inzidenz ist momentan so niedrig, dass das Infektionsrisiko in meinen Augen sehr gering ist."

Was meint ihr sollte man verändern?

Hugo: "Auf den Gängen ist es meistens schwierig, die Regeln einzuhalten. Wenn sich alle Schüler vor und nach der Pause auf den Gängen befinden, sind viele noch dabei zu essen. Daher tragen sie die Maske nicht. Das ist sicherlich ein großes Problem, da es sich auf den Gängen oftmals staut und verschiedene Klassenstufen sich mischen. Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass man uns besser informiert hätte, wie man sich als potentielle Kontaktperson zu verhalten hat. Ich finde es wurde uns nicht ausreichend erklärt, was man tun sollte, wenn eine Schülerin oder ein Schüler in der Klasse positiv ist."
Konstantinos: "Diese Pandemie ist eine beispiellose und eine noch nie dagewesene Situation. Deswegen glaube ich nicht unbedingt, dass man sagen kann, man hätte etwas ’besser’ machen können. Solange man den Umständen entsprechend die bestmöglichen Entscheidungen trifft und aus seinen Fehlern lernt, finde ich es schwierig Kritik auszuüben."
Malin: "Ich hatte anfangs Zweifel, ob das mit der Abschaffung der Maskenpflicht so eine gute Idee war, aber als die Inzidenz in Freiburg bei unter zehn lag, fand ich das nachvollziehbar. Allerdings war es etwas merkwürdig, dass mit der Aufhebung des Maskenverbots sämtliche Desinfektionsmittelspender in unserer Schule verschwunden sind. Das war nicht sehr sinnvoll."
Jannis: "Natürlich ist es vernünftig die Klassenzimmer regelmäßig zu lüften. Jedoch ist es im Winter eiskalt und viele Schüler frieren im Unterricht. Daher wäre es vielleicht eine Idee Luftfiltereinzurichten, mit denen man die Infektionsgefahr reduzieren kann."

Wird die Qualität des Unterrichts durch diese Maßnahmen beeinträchtigt?

Hugo: "Die Unterrichtsqualität hat während des Online-Unterrichts stark gelitten. Es gab meistens zu viele Ablenkungen zu Hause, und die Versuchung etwas anderes nebenbei zu tun, war sehr groß. Aber ich muss auch sagen, dass ich im Moment mit dem Präsenzunterricht und den Maßnahmen
keinen nennenswerten Qualitätsunterschied merke."
Konstantinos: "Selbstverständlich ist der Onlineunterricht nicht mit dem Präsenzunterricht vergleichbar. Oftmals haben wir nur Aufgaben aufbekommen und hatten gar keinen Live-Unterricht. Ich habe oft nicht so viel gelernt. Der Präsenzunterricht war aber mit den Regeln sehr erfolgreich."
Malin: "Dadurch, dass die Pooltests immer dienstags und donnerstags in der ersten Stunde stattfinden, verlieren wir an diesen beiden Tagen immer zehn bis fünfzehn Minuten Unterrichtszeit. Folglich haben wir immer nur eine halbe Stunde für den Unterricht übrig, und das ist meistens zu knapp. Das tut der Qualität des Unterrichts nicht gut, wir haben zu wenig Zeit und müssen durch den Stoff hetzen."
Jannis: "Auch wenn die Masken Sinn machen, war es immer etwas schwierig die Mimik der Schüler und der Lehrer zu erkennen. Die Verständlichkeit hat sehr darunter gelitten und das war vor allem ein Problem im Fremdsprachenunterricht, weil man da auch mit einer anderen Aussprache zurechtkommen muss. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Online- und Präsenzunterricht nicht miteinander vergleichbar ist, die Unterrichtsqualität hat im Lockdown sicherlich gelitten. Ich finde wir sollten uns jetzt überlegen, welche Vorteile wir aus dem Onlineunterricht mitnehmen wollen. Zum Beispiel: Wie setzen wir in Zukunft digitale Medien im Unterricht ein?"