Weihnachtsmarkt Freiburg

Wie es als Standbesitzer im Kunsthandwerk derzeit wirklich ist

Jana Kohlschütter

Die Schließung des Weihnachtsmarktes hat viele Menschen vor allem finanziell getroffen. Die Kunsthandwerksstände dürfen zwar bleiben, die Situation ist aber nicht leicht. fudder hat mit Patrick Schwald gesprochen, der mit seinem Label Yatra Design einen Stand hat.

Patrick Schwald ist 37 Jahre alt und mit seiner Marke Yatra Design seit acht Jahren selbständig. Yatra ist hindi und bedeutet so viel wie Reise. Die Designs des Freiburgers sind durch seine Reisen vor allem nach Indien und Thailand inspiriert. Er stellt in Kooperation mit kleinen Schneidereien, Künstlerinnen und Künstlern und Familienbetrieben aus den Ländern eigene Designs her und verkauft Kleidung, Taschen, Rucksäcke, Geldbeutel und Vieles mehr aus hochwertigen Materialen oder recycelten Zelten. Dieses Jahr hat er zum ersten Mal einen festen Stand auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt und verkauft am Rathausplatz eine kleine Auswahl seiner Ware.

Patrick, der Weihnachtsmarkt hat inzwischen zum größten Teil geschlossen – wie geht´s dir mit der aktuellen Situation?

Nicht so gut, um ehrlich zu sein. Die Situation ist für mich wirklich schwierig. Durch Corona habe ich seit jetzt fast zwei Jahren nicht mehr wirklich arbeiten können und so ja auch fast keinen Umsatz gemacht. Schon letztes Jahr habe ich auf Festivals im Sommer und dann auch auf den Weihnachtsmarkt gehofft und da auch dieses Jahr im Sommer wenig möglich war, habe ich wirklich alles auf eine Karte gesetzt – den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr.

Natürlich musste ich dadurch auch eine Menge Geld investieren, was durch die jetzige Situation einfach nur bitter ist. Ich lebe von Festivals und Märkten. Wir haben auch einen kleinen Online-Shop, den man über die Plattform Etsy finden kann, das hält mich glücklicherweise über Wasser. Trotzdem sind es die Stände auf den Märkten, die wichtig für mich sind. Die Leute lernen meine Marke dadurch kennen, der Online-Markt ist in dieser Hinsicht schon ziemlich hart. Dort etwas aufzubauen dauert einfach.



Hast du denn vorher mit einer Schließung des Weihnachtsmarktes schon irgendwie gerechnet?

Nein, ehrlich gesagt gar nicht. Das ging ja auch alles wirklich zackig. Vielleicht hab ich es aber auch einfach ausgeblendet. In dem Moment, in dem ich den Vertrag bekommen habe und es hieß, der Markt kann stattfinden, musste ich natürlich auch das Risiko eingehen und dafür einkaufen. Bei Beginn des Weihnachtsmarktes war die Tendenz dann ja auch schon sichtbar, es kamen deutlich weniger Leute als üblich. Natürlich hab ich mich aber auf eine Art auch darauf verlassen, dass alles wie geplant stattfinden kann und alle Szenarien kalkuliert wurden. Ich sehe aber, dass eine 50-Prozent- Regulierung der Besucher und damit verbundene Einzäunung des Marktes hier einfach nicht umsetzbar gewesen wäre und die Auflagen so natürlich nicht erfüllt werden können, was nicht vermeidbar ist.
"Diese Planungsunsicherheit während der Pandemie ist da wirklich schwierig. Und natürlich geht es auch irgendwann an die Existenz."

Was hat das Ganze für konkrete berufliche Auswirkungen für dich und dein Label?

Es ist natürlich schwierig. Ich versuche jetzt noch mehr auf online zu gehen, weil man ja auch nicht weiß, wie lange diese Situation noch andauert. Online ist da einfach die Zukunft, um natürlich abgesichert zu sein. Im Frühjahr möchte ich wieder zu meinen Produzenten reisen. Ich weiß aber gar nicht, wie viel ich produzieren soll, ob Festivals wieder stattfinden und ich Chancen habe etwas zu verkaufen. Diese Planungsunsicherheit während der Pandemie ist da wirklich schwierig. Und natürlich geht es auch irgendwann an die Existenz.

Was frustriert dich dabei denn am meisten?

Es frustriert mich eigentlich, dass ich nicht arbeiten kann. Die Lust, mal wieder auf Märkten zu sein, ist jetzt wirklich groß. Ich möchte wieder am Stand stehen und meine Waren verkaufen, im Kontakt mit den Leuten sein – das ist einfach meine große Leidenschaft. Darauf hab ich mich jetzt wirklich lange lange Zeit gefreut. Jetzt ist es nach nur fünf Tagen durch Corona eigentlich wie vorher und das ist einfach nur frustrierend. Dazu kommt das ganze Geld… Letztendlich hätte ich mir das natürlich gerne erspart.
"Der Flair des Weihnachtsmarktes fehlt einfach."

Die fünf Tage, in denen der Weihnachtsmarkt ja mehr oder weniger regulär geöffnet war – wie haben die sich für dich angefühlt?

Gut eigentlich. Man hat natürlich gemerkt, dass es deutlich weniger Besucher waren, aber sonst war es wirklich gut. Die Leute haben sich auch gefreut, dass der Weihnachtsmarkt stattfindet. Ich hab im Gespräch immer wieder gehört, dass sie wieder so froh sind hier zu sein und viele waren jetzt natürlich auch echt enttäuscht über die Absage. Und jetzt kommen auf jeden Fall sehr viel weniger Leute als die Tage zuvor. Ich bin aber trotzdem dankbar, dass wir immerhin die Möglichkeit haben hier noch weiter zu stehen und dass sich von den Veranstaltern so viel Mühe gemacht wird, uns zu unterstützen und den Markt zu promoten.

Was wünscht du dir jetzt für die kommenden Wochen noch?

Ich wünsche mir, dass natürlich noch mehr Leute kommen. Dass sie meinen Stand hier noch entdecken und ich noch ein bisschen etwas verkaufen kann. Ich hoffe einfach, dass die Leute uns Kunsthandwerker unterstützen und auch erkennen, was hier dahinter steckt und sehen, was wir die letzten zwei Jahre durchmachen mussten.

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