Soziale Netzwerke

Wie eine Freiburgerin mit einer Facebookgruppe Hilfe im Coronafall bietet

Anika Maldacker

Sie sind ein seltener Lichtblick in der Krise: Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen Menschen Hilfe für Betroffene der Coronakrise anbieten. Auch in Freiburg gibt es welche. Das einzige was fehlt, sind Bedürftige.

Gerade einmal vier Tage gibt es Aileen Hallers Facebookgruppe "Coronavirus Nachbarschaftshilfe Freiburg – Suche/Biete Unterstützung!" – und schon mehr als 1400 Facebook-Nutzer (Stand: 17. März, 16 Uhr) sind beigetreten. "Ich bin schon etwas überfordert", gibt die 28-jährige Freiburgerin zu. Aber sie ist auch froh, in diesen schweren Zeiten, in denen sich die Angst vor dem Coronavirus längst ausgebreitet hat und das öffentliche Leben in den Ruhezustand versetzt wird, etwas Konstruktives aufgebaut zu haben. Am Freitagnachmittag hat sie die Facebook-Gruppe ins Leben gerufen. Damit will sie potentielle Helferinnen und Helfer aus Freiburg mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, vernetzen. Beispielsweise Menschen aus Risikogruppen, die Hilfe beim Einkaufen benötigen. Oder eine Familie, die wegen der Betreuung ihrer Kinder in die Bredouille kommt.


Die Idee, die Facebook-Gruppe zu gründen, kam Aileen Haller vergangene Woche, als eine andere Hilfsgruppe für Aufmerksamkeit sorgte. "Hilfe im Corona-Ernstfall" ploppte am Donnerstag auf Facebook auf, die Gruppe hat fast 4000 Mitgliedern. Der Unterschied zu Aileens Gruppe ist, dass sich dort Menschen aus der ganzen Bundesrepublik vernetzen können. "Unsere Gruppe ist sehr lokal", sagt Aileen, "wir wollen den Menschen vor Ort helfen und sie vernetzen." Und damit ist sie nicht allein. Deutschlandweit haben sich auf Facebook, Telegram oder Whatsapp solche lokalen Hilfsangebote gegründet. "Ich bekomme inzwischen auch Anfragen von Menschen aus anderen Städten, die dort so eine Gruppe gründen wollen", berichtet die Studentin.

Fast 1000 Mitglieder nach 24 Stunden

Nachdem die Gruppe schon nach 24 Stunden fast 1000 Mitglieder hatte, hat sich Aileen noch vier Moderatorinnen und Moderatoren hinzugeholt, die die Gruppe mit ihr moderieren. Denn ihr ist wichtig, dass das Angebot praktisch und vor allem übersichtlich bleibt. Bisher funktioniert die Gruppe so, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer die Postleitzahl in einer Umfrage angeben kann, damit sichtbar ist, in welchen Bereichen potentiell Helfende agieren können. Wer Hilfe braucht, für sich oder einen Angehörigen, kann sein Gesuch in die Gruppe posten. Wer helfen will, meldet sich per Kommentar darunter oder per Direktnachricht bei der Person. "Wer sein Gesuch nicht öffentlich posten will, kann sich auch direkt an uns Moderatorinnen und Moderatoren wenden und wir vermitteln", erklärt Aileen.

Was der Gruppe noch fehlt: Hilfesuchende. "Bisher haben sich erst ein halbes Dutzend Menschen gemeldet, die Unterstützung brauchen", sagt Aileen. Im Moment wollen mehr Menschen helfen, als es Hilfesuchende gibt. "Wir wissen natürlich, dass die, die Hilfe brauchen, vermutlich eher nicht bei Facebook aktiv sind", sagt Aileen. Um auch die zu erreichen, die offline sind, gibt es einen Aushang zum Ausdrucken, den man in den Hausflur hängen kann. "Dort können sich Hilfesuchende eintragen", sagt Aileen. Zudem hat die Gruppe eine Mailadresse eingerichtet, unter der sich Facebook-Abstinenzler melden können, die Hilfe suchen oder anbieten wollen.
Kontakt zur Coronavirus Nachbarschaftshilfe:
  • Telefon: 01522/6422192

Aileen hat den Aushang schon selbst im Flur ihres Hauses aufgehängt. Daraufhin habe sich eine ältere Dame bei ihr gemeldet, die Einkaufshilfe benötigt, sagt sie. Die Zettel werden nun vermehrt auch an Freiburger Supermärkte ausgehängt.

Die Gruppe soll nun weiter strukturiert werden. Aileen, die an der Pädagogischen Hochschule Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert, sollte eigentlich eine Hausarbeit schreiben und ihre Bachelorarbeit vorbereiten. Aber: Die Frist dafür wurde verlängert. Ob sie ihren Nebenjob in einer Freiburger Kneipe noch lange in der Form ausüben kannt, ist unklar. Sie selbst sorgt sich am meisten um ihre Oma, die Probleme mit der Lunge hat. "Ich befinde mich in einem Zwiespalt", sagt sie, "einerseits will ich sie nicht isolieren und und andererseits will ich sie schützen und Distanz halten."

Worüber sich die Gruppe auch Gedanken macht: Wie bezahlen die Leute einen Helfer, der das Geld für den Einkauf vorgestreckt hat? "Es wäre der schlimmste Fall, wenn sich ein Risikopatient bei einem Helfenden anstecken würde", sagt Aileen. Man mache sich dazu Gedanken, aber überlasse das auch den Menschen in der Situation. Dann fügt sie noch hinzu: "Ich hätte nie gedacht, dass das alles solche Ausmaße erreicht."
Info:

Aileen Hallers Gruppe ist nicht die einzige Gruppe, in der sich Helfende und Hilfesuchende vernetzen können.In der Gruppe "#Nachbarschaftschallenge Freiburg: Trotz Corona-Virus solidarisch!" können sich Menschen ebenfalls verbinden. Auch in "Hilfe im Corona-Ernstfall" kann man sich deutschlandweit in Notsituationen absprechen. Auch die Corona Solidarität Freiburg bietet Hilfe, und zwar in Form einer telefonischen Hilfevermittlung unter der Nummer 0761/48898764.

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