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Wie eine Freiburger Studentin Weihnachten auf Martinique feiert

Clara Müller

Ihren Adventskalender muss sie im Kühlschrank aufbewahren: Julia Marie Kopp macht gerade ein Auslandssemester in der Karibik. Auch Weihnachten verbringt sie dort – zwischen Palmen und Strand.

Während Julia über Facetime zugeschaltet ist, kneift sie die Augen zusammen, die Sonne blendet sie zu sehr. In einem T-Shirt steht sie auf dem Balkon ihrer WG, im Hintergrund sieht man eine Palme hin und her schwingen. Das bisschen Himmel, dass über den Bildschirm zu sehen ist, ist wolkenlos. Die Studentin verbringt ihr Erasmussemester seit August auf Martinique, einer Insel mitten in der Karibik. Ursprünglich kommt die 20-Jährige aus Offenburg und studiert im fünften Semester den polyvalenten Zwei-Hauptfächer-Bachelor mit Lehramtsoption Französisch und Chemie an der Uni Freiburg.

Weihnachten in T-Shirt und kurzer Hose

Auf der Insel ist gerade Trockenzeit, die Temperaturen sind jeden Tag zwischen 25 und 30 Grad. "Hätten wir kein Datum, würde ich ganz oft vergessen, dass wir gerade Advent haben. Nur mein Adventskalender erinnert mich daran", so Julia. Doch dieser liegt bei ihr im Kühlschrank. Nicht nur, weil die Schokolade bei den Temperaturen schmelzen würde, sondern auch wegen den Tieren. "Weil hier sonst doch mal Ameisen, ein Gecko oder ein Frosch rumspaziert, wenn man das Essen nicht wegräumt", erklärt sie.

Doch nicht nur das macht diesen Dezember für Julia besonders. Überhaupt sei das Weihnachtsgefühl dieses Jahr ein anderes. Außer in Einkaufszentren sähe sie keine Weihnachtsdekoration und die Tannenbäume seien aus Plastik. "Der Schnee fehlt, man backt keine Plätzchen, weil es zu warm ist, man kuschelt sich nicht in warme Decken, und auch die Lichter – das alles fehlt", sagt die 20-Jährige. "Auf der anderen Seite haben wir das Privileg, dass wir an den Strand können." Das möchte sie an Heiligabend auch machen. Gemeinsam mit anderen Erasmusstudierenden möchte Julia Autos mieten, an den Strand fahren und dort Picknicken, Stockbrot machen und baden gehen. "Ich habe jetzt schon mehrfach gehört, dass viele Einheimische ebenfalls den 24. Dezember am Strand verbringen. Mal sehen, ob sich das Bewahrheiten wird," so Julia.

Spontanität auf der Insel

Doch bevor es soweit war, stand der Französisch- und Chemiestudentin noch etwas Arbeit bevor. Ihre Adventswochen waren geprägt von Klausuren. "Die Klausuren waren für Januar angekündigt. Aber hier auf der Insel ist alles etwas spontaner, so finden die Klausuren jetzt gerade statt." Überhaupt rückt die Vorweihnachtszeit auf der Insel etwas in den Hintergrund. Aufgrund der Coronamaßnahmen und den hohen Lebenskosten kam es in Martinique in den vergangenen Wochen zu Demonstrationen und Blockaden der Straßen. Unruhen, die auch die Studierenden mitbekamen. "Wir haben E-Mails von der Uni bekommen, mit der Aufforderung, unser Häuser besser nicht zu verlassen. Die Supermärkte wurden dann auch von Demonstrierenden ausgeplündert. Das war schon ein komisches Gefühl," so Julia. Nun hat sich die Situation aber wieder beruhigt.

Was Julia an Weihnachten am meisten vermissen wird? "Meine Familie!", ist ihre klare Antwort. Es sei das erste Mal, dass sie Weihnachten nicht zu Hause verbringt. "Wir werden an diesen Tagen auf jeden Fall Facetimen. Und irgendwie ist es auch mal cool, Weihnachten woanders zu verbringen", fügt sie lachend hinzu.