Wie ein Vogel im Käfig

Erika Sieberts

Ausstellung am Max-Planck-Gymnasium dokumentiert Pandemie-Erfahrungen junger Menschen.

. Als Jahr der Einsamkeit haben viele Jugendliche das vergangene Jahr unter den Eindrücken der Pandemie empfunden. Mit "Corona – Ende der Leichtigkeit" hat Kunstlehrerin Marion Bekker einen Aufruf an ihre Klasse formuliert, den 15 Mädchen und Jungen im Alter von 17 Jahren mit Porträts von sich sowie einigen Zeilen Text beantwortet haben. Herausgekommen ist eine Dokumentation intimer Gefühle, die derzeit im ersten Obergeschoss des Max-Planck-Gymnasiums zu sehen ist. Je einem Schwarz-Weiß-Foto im A3-Format steht ein Text zur Seite.

Von "Lustlosigkeit" und "monotoner Routine" oder einem "Teufelskreis" wird berichtet. "Die monatelange Suche nach dem Glück zeigt keinen Erfolg", schreibt eine Jugendliche und fragt: "Wann hat der ganze Wahnsinn ein Ende?"

Projekt entstand in der Zeit des Fernunterrichts

"Was mittlerweile vermutlich allen klar sein müsste, ist der Umstand, dass gerade das Leben und die Freiheiten der jungen Leute durch die solidarische Pandemiebekämpfung stark eingeschränkt wurden", ist dazu zu lesen. Die Schülerinnen und Schüler möchten zeigen, dass die Folgen der Pandemie nicht nur rein rational sind, sondern dass sie eine große emotionale Dimension besitzen.

Einige der Schülerinnen und Schüler fotografieren sich lustlos auf einen Tisch geworfen, auf dem Sofa liegend, schauen unverblümt in die Kamera oder blicken am Betrachter vorbei, als sei das Leben reizlos geworden. Masken sind ein Thema, einer streckt den Mittelfinger. Die Texte sind prosaisch, lyrisch, teilweise bildhaft strukturiert. "Wie ein Fisch in der Wüste, ein Vogel im Käfig" fühlt sich jemand und fragt fatalistisch: "Hat der Tod noch ein Leben?" Ein anderer schreibt: "Ich starre ins Nichts – Ruhe – ich ersticke im eigenen Zimmer". Von immer neuen Regeln schreiben die Autorinnen und Autoren, von Abgeschottetsein und Ungewissheit – "Alleinsein. Unruhe. Durchhalten. Einschlafen", so das Stakkato der Pandemie.

Ein Geimpfter formuliert es folgendermaßen: Am Anfang war es Leichtigkeit, nach dem ersten Frühling kam der Sommer, dann: "Winter – kurze Tage ziehen sich am längsten, bis wieder dunkler Frühling ist – nun schon die dritte Welle – junge Wut schlägt um sich – Impfneid, Ignoranz und Schwurbeleien, mein Impfarm schmerzt – vorbei."

Lehrerin Marion Bekker sagt dazu: "Dieses Projekt ist bereits in der Zeit des Fernunterrichts entstanden. Bei den Kontakten zeigte sich, dass die Jugendlichen sich verändert hatten. Ihnen fehlte ihre Leichtigkeit, ihre Freunde oder einfach die Möglichkeit, durchs Leben zu tanzen." In der Auseinandersetzung damit seien "ausdrucksstarke Porträts und berührende Texte entstanden", sagt Bekker, "Zeitdokumente einer Generation – einfühlsam und ehrlich". 

Die Ausstellung des Grundkurses Bildende Kunst, Klasse 11, mit dem Titel "Corona - Ende der Leichtigkeit" ist im ersten Obergeschoss des Gymnasiums bis 30. Juli zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr. Im Schulhaus gilt Maskenpflicht.