Abenteurer

Wie ein 82-jähriger Freiburger Wintertriathlon-Vizeweltmeister wurde

Christian Engel

"Der Opa spinnt": Der Freiburger Triathlet Günter Birnbaum ist beim Wintertriathlon in Andorra mit 82 Jahren Vizeweltmeister in seiner Altersklasse geworden. Es war der härteste Wettkampf seines Lebens.

Der Freiburger Triathlet Günter Birnbaum ist Vizeweltmeister geworden – mit 82 Jahren. Bei dem Wintertriathlon auf 2000 Metern Höhe in Andorra war es hundekalt, ein Kontrahent brach sich beim Sturz auf einer Eisplatte den Arm, auf der zwölfstündigen Rückfahrt verlor Günter Birnbaum wegen umherliegender Spanngurtrollen seine Stoßstange. Christian Engel hat ihn gefragt, warum er sich all das zumutet.

BZ: Als Sie am Wettkampfsonntag um 11 Uhr starteten, lief im ZDF "Katie Fforde: Diagnose Liebe" – so ein Couch-Fernsehmorgen mit Unterhaltung wäre doch tausendmal kuscheliger gewesen als ein Triathlon im eiskalten Andorra.
Birnbaum: Aber hätte ich auf dem Sofa so viel erlebt? Ganz sicher nicht! Ich bin ein Abenteurer, will ständig etwas unternehmen – da kam mir der Trip nach Andorra ganz gelegen. Zwölf Stunden mit dem Auto runter, am Wettkampfmorgen mit dem Bus hinauf zur Wettkampfstätte. Im Gepäck: mein Mountainbike, meine Skier, all meine Klamotten. Bepackt wie ein Esel kam ich oben an, bei minus acht Grad. Durch den eisigen Wind hatte es gefühlt minus zwölf. Nach all den Corona-Teststationen wurde es mir im Wettkampf aber schnell warm. Mein Puls stieg ungewöhnlich rasant an, lag beim Laufen direkt bei 160. Ich hatte Ohrenschmerzen, Zahnschmerzen, Herzschmerzen …
Der Wintertriathlon

in Andorra umfasst Laufen über eine Distanz von 4,1 Kilometer, Mountainbiken (5,2 Kilometer) und Skilanglaufen (5,5). Günter Birnbaum benötigte dafür zwei Stunden und 24 Minuten.

BZ: Ich unterbreche Sie jetzt lieber – nicht, dass Ihr Hausarzt vom Stuhl kippt, wenn er das hier liest.
Birnbaum: Ach, der kennt mich. Ich bin trotzdem weitergelaufen – irgendwann ging’s mir wieder gut. Nach dem Mountainbiken und Langlaufen kam ich als Letzter meiner Altersgruppe ins Ziel – und war dennoch Vizeweltmeister. Die Helfer gingen auf die Knie, klatschten und feierten mich. Das ist ein Gefühl, das kann man nicht beschreiben. Aber ich muss schon sagen: Von all den Wettkämpfen, die ich in meinem Leben bestritten habe, ist das bisher der härteste gewesen. Das ist eine Höhe da oben, 2000 Meter, das steckt man nicht mehr so locker weg.

BZ: Na gut, Sie sind ja auch immerhin stolze 82, in dem Alter hüpft nicht jeder auf einem Berg in Andorra rum. Kurze Frage, auch wenn Sie die wohl schon oft aus Ihrem Freundeskreis und von Ihren Kindern gehört haben: Wieso? Wieso tun Sie sich das an?
Birnbaum: Ich mach es, weil ich es noch kann! Ich bin gesund und will es noch eine Weile bleiben. Und das hier – Ausdauersport im Allgemeinen und Triathlon im Besonderen – hält fit, sowohl körperlich als auch geistig. Weil man sich bewegt, weil man sich immer wieder überwinden muss, weil man rauskommt. Zwar sagen meine Enkel manchmal: Der Opa spinnt. Aber ich bin froh, dass ich das noch mache. Dass ich das noch machen kann.
Günter Birnbaum, 82, ist studierter Bauingenieur und Vater von vier Kindern. Lange spielte er Handball, vor sieben Jahren entschied er sich, seinen ersten Marathon zu laufen. Anschließend wechselte er zum Triathlon, startet mittlerweile fürs Tri-Team Freiburg und international für die Triathlon-Nationalmannschaft der Senioren.