Risikoverringerung

Wie Dienstleister ihre Mitarbeiter vor Coronavirus-Infektionen schützen wollen

Simone Höhl & Daniela Frahm

Corona bestimmt Alltag und Arbeitswelt. Kassierer, Busfahrerinnen, Marktleute, Postboten und Polizisten haben Kundenkontakt. In Freiburg gibt es unterschiedliche Strategien, Risiken zu verringern.

Münstermarkt
Rund um den Stand von Landwirt Ringold Wagner aus Denzlingen hängt ein Absperrband, hinter dem Kunden warten. Zwei Verkäuferinnen nehmen die Bestellungen entgegen und verpacken Obst und Gemüse, eine dritte kassiert das Geld. "Das haben wir uns ausgedacht, und wir haben viel Lob dafür bekommen", sagt Wagner. Er wolle vor allem die Stammkunden nicht hängen lassen, "aber wir müssen uns und die Kunden schützen". Andere Beschicker haben teilweise Tische vor ihre Auslagen gestellt, um den Abstand zu wahren und Kunden daran zu hindern, selbst in die Gemüsekisten zu greifen. Doch am Bargeldverkehr kommt keiner vorbei. Manche Stände haben hingegen gar keine Vorsichtsmaßnahmen, auch an den Würstlebuden hat sich nichts verändert, aber alle rufen dazu auf, mindestens 1,5 Meter Abstand zu halten.


Supermarkt
"Im Moment ist viel los", sagt eine 38-jährige Kassiererin in einem Discounter in der Altstadt. Was ihr auffällt: Vor Corona war es normal, dass Kranke in die Hand gehustet und ihr damit das Geld gegeben haben – "und ich dachte: Ist das eklig". Jetzt sind die Kranken zu Hause, niemand traut sich mehr, zu husten, und wenn doch, drehen sich alle um. Vielleicht hat sie deshalb kaum Sorge, dass sie sich ansteckt. Von der Marktleitung hat die 38-Jährige Spray und Tücher zur Desinfektion und die Anweisung bekommen, alle 20 Minuten Tastatur und Terminal abzuwischen. Die Kassiererin geht davon aus, dass die Kassen bald einen Spuckschutz bekommen, und lobt den Umgang ihres Arbeitgebers mit der Situation.

In ihrer Kasse liegt ein Desinfektionstuch, damit sie sich bei Bedarf die Fingerspitzen abtupfen kann. Viele Kassiererinnen tragen Handschuhe, und alle haben jetzt mehr Abstand an der Kasse: Der Discounter hat alle 1,5 Meter Markierungen auf den Boden geklebt. Die Kunden halten sich daran. In anderen Supermärkten haben sich die Menschen noch nicht daran gewöhnt. Während die Arbeit woanders zunimmt, ist es im Zentrum viel ruhiger, weil Touristen, das Personal von Büros und geschlossenen Läden fehlen.

Bäckerei
Bodenmarkierungen gibt es auch bei der Bäckerei Pfeifle, doch einige Kunden ignorieren sie und beugen sich sogar über den Tresen. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass ohne Mindestbetrag bargeldlos bezahlt werden kann.

Apotheke
Am besten scheinen die neuen Regeln in Apotheken zu funktionieren, was Michael Walter, der Inhaber der Löwen-Apotheke am Bertoldsbrunnen bestätigen kann: "Die Kunden sind sensibilisiert, weil sich da Kranke aufhalten." Um die Infektionsgefahr für sein Team zu minimieren, arbeiten nun zwei Gruppen im zweiwöchigen Wechsel – und mit Abstand untereinander. Walter sitzt selbst gerade im Büro mit separatem Eingang und freut sich darauf "in anderthalb Wochen wieder richtig arbeiten zu können".

Taxi
Die Taxifahrer in der Humboldtstraße am Martinstor haben Zeit für Schwätzchen, Laufkundschaft gibt es kaum noch. Ihnen bleiben die Stammkunden, zum Beispiel Dialyse- und andere Patienten, die zu Terminen in die Kliniken müssen. "Ansonsten ist alles sehr entschleunigt." Sie bitten ihre Fahrgäste, hinten einzusteigen, und zwischendurch putzen sie die Türgriffe, "wenn wir denn mal wieder Desinfektionsmittel bekommen".

Rathaus
Auf das wartet auch die Stadtverwaltung. Sie hat am Donnerstag auf Notbetrieb umgestellt und ihre Gebäude für Publikum gesperrt, außer für Notfälle. Doch der Bürgerservice fühlte sich, als würde er einen Tanker umsteuern. Es gab viel mehr Notfälle und Einzelfragen als gedacht, erst spät lief es besser. Tische und Tresen werden nun umgestellt, sagte Rathaussprecher Toni Klein: "Der Schutz der Mitarbeiter geht vor." Das Team des Standesamts vollzieht übrigens bereits gebuchte Trauungen noch – aber mit höchstens zehn Personen und Mindestabstand.

VAG, ASF und Polizei
Während überall auf Abstand gegangen wird, rückt die Belegschaft der Verkehrs-AG zusammen – nur im übertragenen Sinn, natürlich. Die Fahrer und Fahrerinnen haben eine hohe Bereitschaft, spontan einzuspringen, sagt Sprecher Andreas Hildebrandt. Das Personal hat Desinfektionsmittel und nach Möglichkeit keinen Kundenkontakt dank geschlossener Cockpits oder Absperrungen.

Auch die Belegschaft der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung bietet Überstunden und Urlaubsverzicht an. Die ASF organisiert ihre Abläufe um, um die Mitarbeiter besser zu schützen, und hat die Zentrale für Besucher gesperrt – wie auch die Polizei ihre Dienststellen.

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