Finanzfudder

Wie die Hostin von "What the Finance" ihr Geld anlegt, um früher in Rente zu gehen

Gina Kutkat

Wo fange ich an, mich um mein Geld zu kümmern? Wann investiere ich in ETF? Diese und weitere Fragen bespricht Redakteurin Anissa Brinkhoff in ihrem Podcast "What the Finance". Warum sie nur Expertinnen einlädt und welcher ihr wertvollster Tipp war?

Du hast den Podcast "What the Finance?" ins Leben gerufen, weil du dich selbst als absolute Finanz-Anfängerin gesehen hast. Was waren deine größten Geld-Unsicherheiten?

Ich war ehrlich gesagt in allem unsicher, hatte von nichts eine Ahnung und bekam von allen Seiten das schlechte Gewissen serviert, beziehungsweise habe ich mir selber eines gemacht. Meine Kolleginnen zeigten sich gegenseitig ihre steigenden Aktien oder ETF auf dem Handy und ich wusste nicht einmal, was ein ETF ist. Das hat mich unter Druck gesetzt, weil ich nicht wusste, wo ich überhaupt anfangen sollte. ’What the Finance’ ist meine persönliche Lernreise, ohne erhobenen Zeigefinger.

"Seitdem ich den Podcast mache, verhandele ich viel härter mein Gehalt."

Wie fange ich an, mich mit meinem Geld zu beschäftigen? Wie bringe ich Ordnung in mein Finanz-Chaos? Im Podcast "What The Finance?" trifft sich Host Anissa mit Frauen aus der Finanz-Branche und arbeitet sich Folge für Folge tiefer in das Thema ein.

Episode 4: Mein Notgroschen und die Frage: Wofür will ich sparen?

Episode 5: Ich verstehe nur Bahnhof – Börse for Beginners

Episode 31: Immobilien-Serie: Ein Haus kaufen- der Erfahrungsbericht

Der Podcast richtet sich an Frauen. Warum sollten wir unsere Finanzen selbst in die Hand nehmen?

Weil wir Frauen mit dem Thema Geld anders umgehen müssen als Männer, was sich schon aus unserer Biografie ableitet. Wir werden schwanger, gehen öfter und länger in Elternzeit, pflegen unsere Angehörigen und arbeiten nur noch in Teilzeit. Für Frauen ist es doppelt und dreifach wichtig zu verstehen, wie alles funktioniert. Wenn sie ihr Einstiegsgehalt nicht gut verhandeln – ich las mal in einer Studie, dass das übrigens 0 Prozent der Frauen machen, aber 70 Prozent aller Männer – entsteht die erste Schere. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man mit 40.000 oder 50.000 Euro Gehalt im Jahr anfängt. Bei Männern gibt es keinen Karriere- oder Rentenknick. Wir können nicht drauf warten, dass Männer unsere Renteneinzahlungen für diese Zeit übernehmen.
Anissa Brinkhoff ist 31 Jahre alt und leitet im Job-Sharing die Brigitte Academy. Studiert hat sie Kommunikationswissenschaften in Münster und Journalistik in Hamburg. Seit Mai 2018 schreibt sie für die Brigitte-Academy über Finanz-, Karriere- und Weiterbildungsthemen und interviewt für den Finanz-Podcast "What The Finance?" Finanz-Expertinnen aus Deutschland.

Instagram: @aanis_saa

Noch nie waren Frauen so gut ausgebildet und noch nie haben Frauen soviel verdient wie heute – trotzdem besitzen wenige ETFs oder Aktien. Woran liegt das?

Dafür gibt es nicht eine Erklärung, sondern viele Aspekte, die teils individuell, teils von der Gesellschaft gemacht sind. Ich glaube, dass Frauen risikoaverser sind. Wir werden so erzogen, in allem vorsichtiger zu sein. Mädchen sollen nicht zu hoch auf Bäume klettern, sie könnten ja herunterfallen. Jungen wird das nicht gesagt. An der Börse kann die Vorsicht dabei sogar Vorteile haben, weil Frauen in der Regel besser recherchieren und sich sehr gut informieren, bevor sie ihr Geld anlegen. Bislang war die Börse ein vorrangig männliches Thema – selbst in Filmen werden Börsianer nur von Männern dargestellt. Das macht es uns Frauen schwerer, einen Zugang zu finden. Würden sich mehr Frauen mit der Börse beschäftigen und auch darüber austauschen, würde zumindest die Einstiegshürde genommen.
Themenwoche Finanzfudder

fudder beschäftigt sich in dieser Woche mit dem Thema Geld – und allem, was so dazugehört. Die Redaktion befragt Expertinnen und Experten, wie man guten Umgang mit Geld lernt und welche Möglichkeiten es zum Anlegen gibt. fudder klärt die wichtigsten Begriffe und gibt Starthilfe für die ersten Schritte als Finanzanfänger. Außerdem stellen wir informative Podcasts vor und geben euch Tipps, wie man auch im Lockdown von daheim aus Geld verdienen kann.

Übersicht: Alle Artikel der Themenwoche "Finanzfudder"

Eine Frage, die immer wieder aufkommt, ist, wie man am besten anfängt. Hast du da eine gute Anleitung?

Bevor man sich mit dem Thema Börse auseinandersetzt ist es wichtig, die eigenen Finanzen zu verstehen. Dabei hilft ein Haushaltsbuch, in dem man mal alle Einnahmen und Ausgaben konkret aufschreibt. So schafft man Fakten und sieht, wo man sparen kann oder welches Abo man vielleicht kündigen sollte. Erst, wenn man ein Gefühl für seine Finanzen hat, kann man auch eine Sparrate festlegen, mit der man dann startet. Das können 200 Euro sein, die man monatlich zur Seite legt, damit man erstmal einen Notgroschen aufbaut. In der Regel sollten das drei Netto-Monatsgehälter sein. Wenn man diese Absicherung hat, kann man weiter in Richtung Vorsorge schauen und auch da ist es angebracht, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen.



Welche Tipps deiner Podcast-Expertinnen hast du direkt in die Tat umgesetzt?

Ich bin immer genauso klug wie mein Podcast. Deswegen haben mir die ganz simplen Tipps wie ’Der zweitbeste ETF ist besser als kein ETF’ am meisten geholfen. Ich habe bereits einen ETF-Sparplan angelegt. Ein wichtiges Learning war auch, dass man besser am Monatsanfang als am Monatsende spart, denn wenn man direkt 200 Euro zum Sparen zur Seite legt, kann das Geld nicht mehr ausgegeben werden. Und generell alles, was mit Wissen zu tun hat: Die Rentenauskunft verstehen und lernen, wie man eine Rentenlücke ausrechnet.

"Für Frauen ist es doppelt und dreifach wichtig zu verstehen, wie alles funktioniert."

Wie sorgst du persönlich fürs Alter vor?

Mein großes Ziel ist es, meine Rücklagen und meine private Rente so zu sortieren, dass ich mit Ende 50 oder spätestens 60 in Rente gehen kann. Das erste Geld an der Börse ist angelegt, als nächstes kümmere ich mich um meine betriebliche Altersvorsorge. Kurzfristige Ziele betreffen eher mein Gehalt: Seitdem ich den Podcast mache, verhandele ich viel härter mein Gehalt – sei es bei freien Aufträgen oder bei meiner Festanstellung. Das ist aktuell der größte Hebel, den ich habe: Wenn monatlich mehr Geld reinkommt, kann ich auch mehr Geld einzahlen oder zurücklegen.

"Wissen ist Macht, das gilt vor allem beim Thema Finanzen."

Welche Podcast-Themen sind auf besonders viel Interesse gestoßen?

Viele Rückmeldungen gab es zu unseren verschiedenen Anfängerfolgen "Wie analysiere ich mein Finanzchaos?" oder "Börse for Beginner" sowie die Einsteigerfolgen zu ETF, auch Nachhaltigkeit an der Börse ist gerade ein beliebtes Thema. Außerdem kam das Interview mit den Beziehungs-Investoren gut an, die erklärt haben, wie man als Paar seine Finanzen regelt. Mein Lieblingsthema ist Gleichberechtigung. Wenn ich sehe, wie meine Freundinnen Kinder kriegen, aufhören zuarbeiten, in alte Strukturen zurückfallen und nicht fürs Alter vorsorgen, geht mir der Hut hoch. Da kommt meine aktivistische Seite zum Vorschein. 2021 wird Nachhaltigkeit weiterhin ein spannendes Thema und sehr gefragt sind auch gerade unsere Immobilien-Folgen. Wegen der Corona-Pandemie wird es immer wichtiger, ein schönes Zuhause zu haben.

31 Podcast-Folgen sind bis heute erschienen. Machen dir Finanzen mittlerweile Spaß?

Auf jeden Fall. Das liegt ganz einfach daran, dass ich jetzt vieles verstehe. Wissen ist Macht, das gilt vor allem beim Thema Finanzen. Am Anfang war es eine Blackbox, eine Fachsprache hoch 1000, die in mir Angst und Unverständnis ausgelöst hat. Inzwischen ist ein Grundverständnis da, ich kann mich mit den Expertinnen im Podcast gut unterhalten. Und wenn ich in mein persönliches Portfolio schaue und sehe, dass mein angelegtes Geld gewachsen ist, ist das ein gutes Gefühl. Trotzdem bin ich noch nicht so sicher, dass ich viel Geld in Einzelaktien stecken würde.

Wer sind deine finanziellen Vorbilder?

Auf jeden Fall Helma Sick, die ich in einer Folge interviewen durfte, da war ich sehr aufgeregt. Sie imponiert mir, weil sie schon in den 70er Jahren als Finanzberaterin für Frauen angefangen hat, damals sicher viel Gegenwind bekommen hat, aber einfach dafür brennt. Sie könnte jetzt auch einfach aufhören und sagen, dass sie ihren Beitrag geleistet hat – aber sie tut es nicht, sondern setzt sich weiter für Frauen ein und klärt sie auf.
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