fudder-Serie

Wie denken junge Menschen aus der Wiehre über die Landtagswahl?

Anika Maldacker

Am kommenden Sonntag wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Was denken junge Freiburgerinnen und Freiburger über die baldigen Wahlen? fudder besucht eine Woche vor der Wahl verschiedene Stadtteile. Dieses Mal: die Wiehre.

Wer in die Wiehre fährt, spürt, wie einem das Herz leichter wird. Man merkt, dass die Leute dort unbeschwerter sind, als anderswo. In der Wiehre hat man Zeit, eine gefühlte Ewigkeit vor der Geheimtipp-Bäckerei an der Ecke oder der Eisdiele mit Selbstgemachtem anzustehen. Sind die Bewohnerinnen und Bewohner der Wiehre auch so unbeschwert, wenn es um die anstehende Landtagswahl geht?

Kaffeekiste

An diesem Nachmittag im März zeigt das Thermometer 17 Grad. Die Tischtennisplatten rund um den Alten Wiehrebahnhof sind belegt. Vom Spielplatz einige Meter westlich weht Kindergeschrei herüber. Auf den Bänken tanken Junge und Alte Sonne. Hinter dem Gebäude spielen die ersten Boule.

An der Ecke Dreikönigstraße/Peter-Sprung-Straße herrscht Frühlingsstimmung pur. Auf der Wiese, an den Straßenrändern oder in den Stühlen vor der Nummer 47 sitzen Zweier-, Dreier- oder Vierergruppen. Sie halten Kaffeebecher oder Limoflaschen in der Hand und plaudern. Auch die Studentin Maarit Pelzer verweilt dort. Für sie steht fest, dass sie wählen geht und auch in ihrem Freundeskreis ist die Wahl Thema. Wem sie ihre Stimme gibt, ist noch unklar. "Beim Wahl-O-Mat kam ein buntes gemischtes Ergebnis heraus", sagt sie. Bevor sie sich entscheidet, schaut sie sich nochmals die Wahlprogramme an. Besonders wichtig sind ihr die Themen Umwelt, Bildung und Chancengleichheit. Was ihr noch nicht aufgefallen ist: Dass Freiburg in zwei unterschiedliche Wahlkreise aufgeteilt ist und dort zum Teil unterschiedliche Kandidaten auf den Plakaten zu sehen sind.
fudders Stadtteilbesuche zur Landtagswahl 2021
Am Sonntag, 14. März ist Landtagswahl in Baden-Württemberg. fudder hat verschiedene Freiburger Stadtteile besucht und mit verschiedenen jungen Menschen über ihre Gedanken dazu gesprochen. In dieser Woche veröffentlichen wir jeden Tag einen neuen Stadtteilbesuch zur Landtagswahl.
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Unterwiehre

Etwas weiter westlich, in der Unterwiehre, führen die Geschwister Konrad und Helene Beck gerade den Hund Gassi. Gerade eben sind sie stehen geblieben, um sich eine merkwürdige Szenerie anzuschauen. Vor dem Wohnblock an der Ecke Weddigenstraße/Merzhauser Straße liegt Hausrat, zerbrochene Möbel und Kleider. Die Absperrbänder hängen lieblos daneben. Das Aufgebot an Rettungswagen und Polizei ist schon weg. Stunden vorher hatte dort ein Mann in seiner Wohnung randaliert und Gegenstände aus dem Fenster geworfen. Noch immer bleiben Leute stehen und fragen, was los war. Die beiden sind sich noch unsicher, wem sie ihre Stimme geben. "Ich habe mir schon Podiumsdiskussionen mit den Kandidaten angeschaut, aber da hat mich keiner so richtig überzeugt", sagt der 19-jährige Konrad. Bisher tendiert er zu den Grünen. Wichtig ist dem Student das Thema Digitalisierung. Auch die 21-jährige Helene schwankt noch. "Ich finde auch die kleineren Parteien zum Teil interessant, aber frage mich, ob es sich lohnt, die zu wählen, wenn sie es dann nicht in den Landtag schaffen", sagt die Krankenschwester.

Rotteck-Gymnasium

Auch am Freiburger Rotteck-Gymnasium sind die Landtagswahlen Thema im Unterricht. "Allerdings merkt man schon, dass die Wahlen nicht so wichtig sind, wie die Bundestagswahlen", sagt der 16-jährige Schüler Aaron Honisch. Andererseits merke er, dass die Lehrer so viel Stoff durch die Schließungen nachholen müssen, dass sie vielleicht auch weniger Zeit für das Thema haben, als sonst. Obwohl er noch nicht wählen darf, hat er den Wahl-O-Mat gemacht und spricht auch mit seinen Freunden über die Wahl. "Ich finde es schade, dass ich nicht wählen darf", sagt er.

Nico Preikschat geht ebenfalls auf Rotteck-Gymnasium, darf aber mit seinen 18 Jahren schon wählen. Wobei die Landespolitik ihn weniger stark interessiert, als die Bundespolitik. Doch es ist ihm wichtig, seine Stimme abzugeben und macht ihn auch etwas stolz, nun als Wahlberechtigter seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Was er wählt, steht für das Mitglied der Grünen Jugend schon fest. Auch beim Wahl-O-Mat seien die Grünen ganz oben aufgeschienen. "Besonders wichtig sind mir die Themen Klimaschutz, Demokratieförderung und Bürgerrechte. Außerdem möchte ich eine Partei wählen, die überzeugt für die EU einsteht", sagt Nico. Vom Wahlkampf hat er bisher nicht viel mitbekommen. "Ich fand es auch schade, dass es keine richtigen Podiumsdiskussionen in Hallen gab", sagt er. Online habe er solche Angebote eher nicht wahrgenommen, sich dafür in der BZ hin und wieder über die Themen informiert. "Aber das Duell zwischen Kretschmann und Eisenmann habe ich mir angeschaut", sagt er.

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