Eindrücke

Wie das Coronavirus sich schon jetzt auf das Leben in Freiburg auswirkt

Fabian Vögtle, Simone Höhl & Joachim Röderer

In Freiburg und im Landkreis sind aktuell 37 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Die Auswirkungen auf das Gemeinschaftsleben sind schon an vielen Orten zu spüren.

Elf neue Corona-Fälle
Das Gesundheitsamt hat am Donnerstag elf neue Corona-Fälle in und um Freiburg gemeldet. Damit erhöht sich die Gesamtzahl auf 37 Infizierte – 18 in der Stadt und 19 im Landkreis. Diese Zunahme binnen eines Tages ist bislang der stärkste Sprung in der örtlichen Corona-Statistik.


VAG desinfiziert und storniert
Die VAG hat ihre Hygienemaßnahmen verschärft. Jetzt putzt sie nicht nur, sondern desinfiziert auch: Immer wenn der Bus oder die Straßenbahn in den Betriebshof zurückkehrt – einmal oder bis zu dreimal am Tag – putzt die VAG das Fahrzeug, erklärt Sprecher Andreas Hildebrandt am Donnerstag. Neu ist, dass Haltestangen und Griffe desinfiziert werden. Zum Schutz des Fahrpersonals öffnet bei Straßenbahnen, die kein geschlossenes Cockpit haben, die erste Tür nicht mehr. Das betrifft nur wenige alte Trams. Alle Fahrer haben nun Desinfektionsmittel zur Hand.

Die VAG käme in die Bredouille, wenn die Coronawelle bei ihr landete. "Deshalb machen wir intern viel – in Werkstatt, Fahrdienst und allen Betriebsbereichen, die fürs operative Geschäft notwendig sind", sagt Hildebrandt. Dazu gehört auch, die Zahl der Betriebsfremden im VAG-Zentrum möglichst klein zu halten. Führungen gibt es erstmal keine mehr. Und ab Montag steht der Partywagen. Ausgesetzt wird auch die Bus-Schule für Kita-Kinder und Schüler. Diese Regelungen gelten zunächst bis 3. April.

Mundenhof setzt auf Vernunft
Ein schönes Frühlingswochenende steht an, da werden die Massen auf den Mundenhof strömen. Das städtische Tiergehege bittet Kranke und Gäste aus Risikogebieten, auf den Besuch zu verzichten. In Vorjahren kamen am ersten Top-Wochenende bis zu 8000 Menschen, etwa ein Viertel Elsässer, sagte Toni Klein, Sprecher des Rathauses. Ob das Gehege wirklich offenbleibt, ist allerdings noch nicht entschieden: Der Krisenstab des Rathauses tagt am Freitag und will auch darüber beraten.

Bachchor sagt Konzert ab
Der Freiburger Bachchor hat sein Konzert am Samstag im Münster abgesagt. Die Entscheidung fiel am Donnerstag gegen 16 Uhr. Man sehe keine andere Wahl und gehe den Schritt nun von sich aus – auch ohne Erlass der Stadt, sagte Guido Büssemeier vom Bachchor der BZ. Zuvor hatte der renommierte Chor angekündigt, dass die Matthäus-Passion am Samstag stattfinden soll, da es nur ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern gebe. Doch diese Ansicht hat sich geändert, weil es immer mehr Kritik gab.

Schulen schrumpfen
Die Liste der betroffenen Schulen wird länger. Drei Klassen der Schneeburgschule sind samt Lehrern zu Hause. Sie fuhren ins Elsass, als es noch kein Risikogebiet war. "Wir haben keine Verdachtsfälle", sagt Konrektor Sebastian Reiner. Ebenfalls in Absprache mit dem Gesundheitsamt hat die Waldorfschule Wiehre eine Klasse und das Schulorchester nach Hause geschickt. Jemand hatte wohl Kontakt mit einem Covid-19-Kranken, sagt Geschäftsführer Guido Vanoli: "Reine Vorsichtsmaßnahme."

Am Berthold-Gymnasium gibt es einen positiven Fall, "aber keine Schulschließung", sagt Leiterin Sybille Buske. Sie schließt nicht aus, dass die dynamische Lage das ändern kann. Doch das Gesundheitsamt habe genau Umstände und Zeitpunkt, die Kontakte des Schülers und den letzten Schulbesuch geprüft. Mitschüler seien ebenfalls zu Hause, darunter Abiturienten. "Wir haben eine digitale Lösung, um sie fernbeschulen zu können."

Während Weiherhof-Grundschule, Deutsch-Französisches Gymnasium und Grundschule geschlossen sind, kommen am Wentzinger-Gymnasium am Montag schon die ersten Schüler zurück, die in den Ferien in Norditalien und deshalb zwei Wochen zuhause waren. Nach ihnen musste Schulleiter Joachim von der Ruhr die heimschicken, die in Südtirol Ski fuhren, und jetzt die, die im Elsass waren. Rund 20 Schüler und fünf Lehrer sind derzeit daheim – keiner positiv getestet.

Münstermarkt trotzt Unbill
Auf dem Münsterplatz herrscht schon seit Tagen kein richtiges Markttreiben mehr. Viel Kundschaft bleibt weg, berichtet etwa Clara Schulze. Sie verkauft Gemüse und Obst am Stand von Ringold Wagner aus Denzlingen. Statt mit Frischem etwas Gutes für das Immunsystem zu tun, deckten sich die Kunden wohl eher mit Konserven ein, meint sie. Man denke schon über einen Lieferservice nach. Der Umsatz litt schon unterm stürmischen Wetter, berichten andere Beschicker und die städtische Marktgesellschaft "Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe" (FWTM). Die drei Stände aus dem Elsass müssen vorerst fern bleiben. Es sei einfach besondere Vorsicht geboten, sagt Benedikt Budde von der FWTM. Sonst seien alle Beschicker da, am Samstag wollten sogar einige aus der Winterpause kommen und wohl dem Coronavirus trotzen. Grundsätzlich sei der Open-Air-Markt ja kein riskanterer Ort als Supermärkte, so Budde. Doch für besseren Schutz öffnet die FWTM für die Marktleute die Sanitäranlagen im Historischen Kaufhaus und empfiehlt, sich öfters die Hände zu waschen.

Flaute im Keidel-Bad
Auch das Eugen-Keidel-Bad setzt auf mehr Hygiene: Zusätzlich zur morgendlichen Reinigung, bei der ein 24-Stunden-Desinfektionsmittel verwendet wird, rückt mehrmals täglich eine Spezialfirma an, die Theke und Handläufe keimfrei machen, sagt Sprecherin Marion Uerlings. Für Besucher gibt es Spender.

Die meiden teils das Bad: 35 bis 40 Prozent weniger Besucher verzeichnet das Thermalbad. "Wir haben viele Besucher, die gesundheitlich eingeschränkt sind", sagt Uerlings. Das Virus könne durch das Wasser nicht übertragen werden. Die Therme stehe im engen Kontakt mit Stadt und Gesundheitsamt. "Es wird regelmäßig geprüft, ob das Keidelbad weiter aufbleiben kann." Für Besucher aus dem Elsass gibt es keine Einschränkungen. Das Bad könne schlecht Ausweise kontrollieren und es gebe keine Anweisung des Gesundheitsamts. "Wir können nur an die Vernunft appellieren." Auch die Thermen in Badenweiler und Bad Bellingen weisen Franzosen nicht ab.

Besuchsverbot im Altenheim
Die Stiftungsverwaltung und der Caritasverband Freiburg-Stadt haben für ihre jeweiligen Altenpflegeeinrichtungen ein Besuchsverbot erlassen. Damit sollen die Bewohnerinnen und Bewohner vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus geschützt werden. "Wir müssen die Kontakte auf ein Mindestmaß reduzieren", sagt Stiftungsdirektorin Marianne Haardt. Auch die Arbeiterwohlfahrt hat den Zugang zu den Einrichtungen eingeschränkt.
Verhaltenstipps des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald:
  • Von anderen Abstand halten, ein bis zwei Meter.
  • Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen bleiben lassen.
  • Behördengänge nur erledigen, wenn sie zwingend notwendig sind.
  • Wer aus Risikogebieten zurückkommt, soll keine anderen Personen besuchen.
  • Wer Grippe-Symptome hat: unbedingt zu Hause bleiben – und den Hausarzt erst anrufen.
  • Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern sollen von den Kommunen entsprechend der Empfehlung des Landes-Sozialministeriums abgesagt werden – so wie jetzt in Freiburg.
  • Auch unbedingt prüfen, ob kleinere Veranstaltungen und Meetings tatsächlich notwendig sind. Im Zweifel: absagen.
  • Wer nicht ins Elsass muss, bleibt besser weg: Besuche, Fahrten und unnötige Kontakte sollten unterbleiben.
  • In jedem Fall den Hygiene-Empfehlungen folgen: Keine Hände schütteln, oft Hände mit Seife waschen, in die Armbeuge husten und niesen, benutzte Tempos gleich wegwerfen.
Weitere Infos zu Symptomen, Verhalten im Verdachtsfall, Hinweise für Schulen und Kitas gibt es unter: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald – Informationen zum neuartigen Coronavirus

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