Wer ist die Universität?

Helena Barop

Ehrwürdige Prominenz fand sich gestern im Konzerthaus zusammen, um die Uni und sich gegenseitig zu beklatschen. Von den Studierenden, ihren Problemen und von dem, was die Uni für die meisten Mitglieder ausmacht, war kaum die Rede: Wenn wir die Universität sind, wer ist dann eigentlich "wir"?



Samstagmorgen, halb zehn. Im festlich geschmückten Konzerthaus nehmen die Würdenträger der Universität ihre Plätze ein. Doktoren, Professoren, Präsidenten und Vorsitzende aus Korea, Österreich, Brasilien, Ungarn, Polen, China, Argentinien, Belgien und Freiburg sind gekommen, um der Uni zum Geburtstag zu gratulieren.

In der ersten Reihe: Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Jäger, Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon, Ministerpräsident Günther H. Oettinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan und der Präsident der europäischen Kommission José Manuel Durão Barroso. (Ach ja, Hermann Schmeh, Vorsitzender des Asta darf auch vorne sitzen.) Ein Gast in der vierten Reihe findet trotz der internationalen Prominenz: „Frau Merkel hätte wirklich kommen sollen“.



Eine Million Euro, so viel kosten 2 000 Semester an der Uni Freiburg.
Mit dem Geld könnten die Studierenden, die sich zur gleichen Zeit auf der Wiwillibrücke (blaue Fahrrradbrücke) eingefunden haben, locker ihr Studium bis zum Ende finanzieren. Sie demonstrieren gegen Studiengebühren und für eine verfasste Studierendenschaft, die in Baden-Württemberg 1977 abgeschafft wurde.

"Es gibt nichts zu feiern", das wollen sie denen sagen, die politisch für das Studiengebührengesetz mitverantwortlich sind. Die verschwinden jedoch sofort nach der Veranstaltung. Auch die anderen Gäste sind zu sehr damit beschäftigt, keine Schwarzwälderkirschtorte auf ihre Anzüge und Kostüme zu kleckern, als dass sie die Demonstranten durch die Glasfronten des Konzerthauses wahrnehmen würden.



Schon um neun, als die Ehrengäste aus ihren Limousinen steigen, hatten auf der Brücke die ersten Demonstranten getrommelt. Sofort machten sich einige Polizisten auf, um die Lage zu sichern. Frau Schavan und Herr Jäger waren auch kurz interessiert, dann ein bisschen amüsiert. Und dann weg.

Wer ist denn jetzt die Universität? Herr Jäger? Herr Salomon? Deutschland? Europa? Das Freiburger Stadtbild? Das Konto von Herrn Weitzmann? Herr Oettinger vielleicht? Oder die Koreaner aus der zweiten Reihe in ihren traditionellen Gewändern? Oder vielleicht doch Hermann J. Schmeh und die, die er vertritt?