Studienberatung

Wenig Freunde, viel Stress: Elf Uni-Probleme – und die passenden Lösungen

Carolin Johannsen

Aller Anfang ist schwer und insbesondere die Uni stellt alle Erstis nun vor Herausforderungen. Was tun, wenn man sich überfordert oder fehl am Platz fühlt? Friedrich Arndt, Leiter der Studienberatung der Uni Freiburg, weiß Rat.

Damit der Start ins Semester möglichst problemlos abläuft, hat Friedrich Arndt, Leiter der Zentralen Studienberatung der Uni Freiburg, Tipps für alle neuen Studierenden. Seine Botschaft: Insbesondere am Anfang lohnt sich Durchhaltevermögen und es ist immer gut, sich Hilfe zu holen. Für fudder hat er Carolin Johannsen Antworten und Tipps gegeben für die häufigsten Probleme im ersten Semester.

"Ich kenne noch niemanden und habe Angst, durch das Online-Semester keine Freunde zu finden."

Da muss man sich klar machen, dass viele jetzt in dieser Situation sind und es sich deswegen lohnt, andere Studierende zu finden, die auch neue Leute kennenlernen wollen. Außerdem bemühen sich zum Beispiel Fachschaften, Studierendenwerk und Hochschulsport, Corona-kompatible Angebote zu machen. Ich würde jedem raten, diese auszuprobieren. Auf diesem Weg kann man Gemeinschaft finden. Es kann aber auch sein, dass es manch einem leichter fällt, online auf Leute zuzugehen. Auf jeden Fall würde ich alle ermutigen, es zu versuchen – man ist mit dieser Erfahrung nicht allein.

"Der Stoff scheint mir viel zu viel."

Es ist ganz wichtig, auch Corona-unabhängig, am Anfang des Studiums zu experimentieren, wie man das neue Lernen gut organisieren kann. Da gibt es kein Patentrezept und es ist unterschiedlich bei den verschiedenen Studiengängen. Ich kann die ersten zwei, drei Semester gut nutzen, um herauszufinden, was für mich persönlich funktioniert und Hilfsangebote wie Tutorate und ähnliches zu nutzen. Ich kann auch mit meinem Studiengangs-Koordinator sprechen, und den empfohlenen Studienverlaufsplan individuell anpassen.

"Alles ist so schwierig, in der Schule war ich viel besser."

Ja, das ist eine spannende Erfahrung, weil das Lernen und die Inhalte an der Uni einfach anders sind. Das müssen viele neu lernen. Es ist wichtig, die neue Realität erstmal zu akzeptieren und es ist sinnvoll, sich daran individuell anzupassen. Ich würde auf Geduld setzen und mir immer klar machen, warum ich meinen Studiengang gewählt habe. Intrinsische Motivation ist wichtig: dass ich mich nicht nur über gute Noten freuen kann, sondern mich für die Inhalte interessiere und begeistere.

"Ich lasse mich beim Lernen zuhause ständig ablenken."

Was vielen hier hilft, ist, sich mit Kommilitonen zusammenzutun. Also sich zum Beispiel online oder per Telefon zu treffen und den Lerntag gemeinsam zu machen. Dann beginnt man gemeinsam, macht zwischendurch eine Pause und tauscht sich aus, wie das Lernen läuft. So wie man es eben machen würde, wenn man vor Ort in der Bibliothek lernt.
Auf der individuellen Ebene sollte man sich überlegen, in welcher Situation und mit welchem Mindset man gerne und gut in der Vergangenheit gelernt hat. Viele haben da bestimmte Rituale, zum Beispiel die Tasse Lieblingstee oder eine bestimmte Ordnung auf dem Schreibtisch und das kann gegen Ablenkung helfen. Auch hier gilt: Verschiedenes ausprobieren!

"Durch die freie Zeiteinteilung schiebe ich alles auf."

Das ist ein Thema, das viele im Studium kennen. Insbesondere im ersten Semester ist es normal, weil man in einer neuen Situation ist, und das ist auch nicht schlimm! Es ist aber klug, sich direkt am Anfang klarzumachen, dass es gut ist, Veranstaltungen vor- und nachzubereiten. Da finde ich es wichtig, einen Plan zu machen und zu schauen: Was hilft mir denn? Manchen hilft das Lernen in Gruppen, manchen hilft Ruhe. Und gerade, wenn man das Studium gerade beginnt, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, warum man eigentlich studiert, sodass diese Lust und die Motivation nicht verloren gehen.

"Auch in meiner Freizeit kann ich nicht entspannen. Ich habe das Gefühl, ich müsste immer etwas tun."

Auch dafür hilft ein realistischer Plan. Da sollte man die Zeiten, die man für Pausen und Entspannung üblicherweise braucht, einplanen und priorisieren. Es ist wichtig, von Anfang an zum Beispiel Sport oder den Austausch mit Freunden einzuplanen. Selbstsorge ist mega-wichtig und der Studienbeginn ist ein guter Zeitpunkt, gute Gewohnheiten zu üben. Besonders jetzt in der angespannten Lage ist das noch wichtiger. Manches kann ich aufgrund des Infektionsschutzes nicht wie gewohnt machen, umso wichtiger ist es, Alternativen bewusst zu planen.
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"Ich traue mich bei Online-Veranstaltungen nicht, Fragen zu stellen."

Ich würde Sie ermutigen, trotzdem einfach mal auszuprobieren. Wenn man sich direkt am Anfang beteiligt, kommt man nicht in eine passive Rolle, aus der es noch schwerer ist, später wieder raus zu kommen. Online hat man auch den Vorteil, dass es mehr unterschiedliche Arten gibt, sich zu beteiligen: mündlich mit Video, schriftlich, in Kleingruppen. Das kann für introvertierte Studierende sogar einfacher sein als in einem Präsenzseminar oder einer Vorlesung.

Es ist wichtig, die Mitverantwortung für gute Lehre anzunehmen: ich trage meinen Teil bei für mich und für die anderen.

"Ich habe nicht das technische Equipment für das Online-Semester."

Da kann ich nur sagen: Versuchen Sie die Lehrenden anzusprechen, um Lösungen zu finden, wie Sie sinnvoll an Veranstaltungen teilnehmen können. Wenn es ein finanzielles Problem ist, melden Sie sich beim Studierendenwerk, für eine Beratung, zum Beispiel um zu prüfen, ob Sie doch Bafög-berechtigt sind. Aber es stimmt leider, dass die vollwertige Teilnahme an Online-Lehre durch ungleiche Ressourcen, also durch soziale Ungerechtigkeit beeinflusst ist.

"Ich bin mir unsicher, ob ich das Richtige studiere."

Man sollte sich am Anfang des Studiums erstmal Zeit geben, anzukommen. Und ich bin mir sicher, dass es aufgrund der Fern-Lehre für viele noch schwieriger ist, herauszufinden, ob alles passt. Da braucht man schon ein wenig Zeit. Bei den meisten Studiengängen ist es ohnehin so, dass man sie nur zum Wintersemester beginnen kann, da könnte man dann die ersten beiden Semester probieren, ob man mit verschiedenen Strategien vielleicht doch Spaß am Studium hat.
Es ist aber gut, wenn man Zweifel feststellt, die nicht zu unterdrücken, sondern zu überlegen, woran es liegt. Also zum Beispiel: Ist man einsam oder ist das Studium inhaltlich ganz anders als man es sich vorgestellt hat? Dann würde ich mir hilfreiche Gesprächspartner suchen, zum Beispiel in der Studienfachberatung oder bei uns in der Zentralen Studienberatung.

"Ich weiß nicht, wo genau ich mir Hilfe holen kann."

Bezogen auf die auf Studienorganisation fachlicher Art, sind die Studienfachberater und Dozenten die richtigen Ansprechpartner. Für Zweifel und Organisation sind Stellen wie wir in der Zentralen Studienberatung richtig. Wir bieten unsere Beratung derzeit telefonisch oder online an und führen auch einige Online-Workshops durch. Wenn man wirklich in eine Krise hereinkommt, dann gibt es Stellen wie zum Beispiel die psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks.

Wer generell unsicher ist, kann aber immer erst zu uns kommen und dann schauen wir gemeinsam, wo man mit dem Anliegen am besten aufgehoben ist.
Zentrale Studienberatung

Terminvereinbarung über das Online-Formular, per Mail studienberatung@service.uni-freiburg.de oder Hotline 0761 / 203 4246.
Offene Sprechstunde: Montag, Dienstag, Donnerstag 10-12 Uhr und Dienstag, Donnerstag 14-16 Uhr.

"Und wenn ich gar nicht weiß, was mir helfen könnte?"

Wenn man selbst in einer schwierigen Situation steckt, ist es oft erstaunlich zu sehen, wie sehr es helfen kann, anderen zu helfen. Das stiftet Sinn und gibt neue Motivation. Zum Beispiel kann man, im zeitlich vernünftigen Rahmen, Online-Hausaufgabenbetreuung geben oder Einkaufsdienste für Senioren anbieten. Da bietet eine Internetrecherche viele Optionen. Gerade jetzt in der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Hilfsangeboten groß.
Psychotherapeutische Beratung SWFR

Offene Sprechstunde: Mittwochs 13-14 Uhr
Kontakt: Rosa Meyer, 0761 2101 269, Sprechzeiten: Mo-Fr 9-12 Uhr oder r.meyer@swfr.de

Nightline Freiburg – das studentische Zuhörtelefon
0761-203 9375 (im Semester täglich von 20 bis 0 Uhr)
nightline@mail.uni-freiburg.de
www.nightline.uni-freiburg.de

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