Coronavirus

Welches ignorante Verhalten derzeit Freiburger in den Wahnsinn treibt

Viola Priss

Fudder hat sich umgehört und gesammelt, was junge Familien, Arbeiter, aber auch Singles und Risikomenschen derzeit in den Wahnsinn treibt. Weniger ein Pamphlet, als eine Ode an die Vernunft.



1. Kamikaze-Verhalten im Supermarkt

War da nicht was mit 2 Metern Abstand? Wenn es um die letzte Konservendose Ravioli geht, scheint der Markierungsstreifen an der Kasse leider Universen entfernt. Da kommt es nicht nur zu Berührungen, sondern auch zu Rempeleien. Damit der Supermarkteinkauf eine Vorbereitung auf das schöne Abendessen bleiben kann, bedarf es auch hier der Disziplin. Oder der Kommunikation. Denn Zeit, soviel steht fest, haben wir dazu gerade alle genug.

2. Verschwendung

Ein Paradoxon in der braunen Tonne. Der Sorge um Lebensmittelnachfuhr auf der einen Seite, steht der Blick in so manchen Hausmülleimer im Kontrast. Hier kannst Du lesen, was Du mit dem überschnellen Hamsterkauf Kreatives anfangen kannst:
3. Die Gruppen, die Treffen, die Partys

Einem dreijährigen Kind zu erklären, weshalb es zuhause bleiben, der Sandkasten dem dunklen Hinterhof weichen und der Kontakt mit den Geschwistern reduzieren muss, ist derzeit für junge Familien Herausforderung genug. Erschwert wird das aber, wenn unmittelbar vor der Haustür ein Leben auf der Straße fortgesetzt wird, das dem geselligen Beisammensein fröhnt. Daumen hoch, für alle, die ihre Pizza bestellen und auf Balkonien mit dem Glas Rotwein vom Balkon aus zuprosten.

4. Des einen Musik, des Anderen Martyrium

Auch das macht Freiburg aus, zusammen jammen an der Dreisam, Hauskonzerte, das Fläzen auf der Augustinertreppe mit diversen gitarrespielenden Frischluftfreunden. Bloß: All diejenigen, die jetzt aus dem Großraumbüro in das beengte WG-Zimmer umgesiedelt sind und unvorbereitete Home-Officler sind, ist die Sache damit erschwert. Silent-Partys mit der Mitbewohnerin und Tanzen vorm Spiegel? Erst ausprobieren, dann meckern.

5. Kein Kavaliersdelikt mehr: Diebstahl von Desinfektionsmitteln und Klopapier

Die Zahnärztin berichtet verzweifelt, sie müsse sich Regelungen zum WC-Verhalten ihrer Patienten überlegen. Taschenkontrolle? Gar ein Hinweis auf dem Anrufbeantworter, dass derzeit nur zuhause uriniert werden dürfe? Klingt absurd, inzwischen aber trauriger Alltag. Die Orte, an denen Hygiene- und Sanitärartikel der Öffentlichkeit zu Verfügung gestellt werden, müssen öffentlich bleiben. Lieber mal über Alternativen zu Toilettenpapier nachdenken. Beispielsweise hier.

6. Muss das jetzt gekauft werden?

Die Mitarbeiter im Baumarkt sind hoffnungslos überlastet. Klar, der Gedanke ans Heimwerkeln bietet sich jetzt für alle, die daheim bleiben müssen an. Aber die ewigen Schlangen an den Kassen der Märkte sind nicht nur eine Geduldsprobe für die Angestellten sondern auch der Eltern kleiner Kinder, die im Auto warten müssen. Vielleicht deshalb vorher ganz tief in den Krimskramskisten gucken, ob nicht noch irgendwie improvisiert werden, das Regal nicht erstmal einen neuen Schliff bekommen kann, ehe eine Komplettsanierung ansteht?

7. Große Bestellungen bei großen Konzernen

Große Pakete, Riesenbestellungen bei gleicher Belegschaft. Das geht in kein Paketauto. Alternative? Freiburger Buchläden bringen Dir Lesenachschub nach Hause. Bei kleinen Strecken auch mit dem Rad. Frag einfach telefonisch nach und stöber in den Online-Regalen. Freiburger Händler bieten nun auch einen Lieferservice an.
8. Unvernunft

Wenn Du schon immer mal einen Grund haben wolltest, Dich aus der ein oder anderen Whatsappgruppe zu verabschieden, liefert Dir heute eine Einladung zum gemeinsamen Grillen im Park die Steilvorlage.

9. Verleugnen, bis der Arzt kommt

Ja, es gibt sie noch, die Pandemie-Leugner. Man trifft und hört, sieht und schlimmstenfalls spürt sie an der Ampel, auf den Straßen, in der Bahn oder dem Garten nebenan. Von Panikmache ist da die Rede, von Hypochondrie und Verschwörung. Dagegen helfen, wenn nicht Worte, Taten, die sprechen. In dem Fall ist das schlagkräftigste Argument wohl, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Draußen vorzugsweise alleine, dafür innerlich vereint.