Fahrraddiebstahl

Welcher Dieb klaut schon ein wertloses Retro-Rad?

Christian Engel

Warum klauen Fahrraddiebe niedrigwertige Schrotträder, die 40 Jahre auf dem Sattel haben und mit mickrigen drei Gängen durch die Straßen rattern? Saskia Mihalic hat sich das auch gefragt, als ihr Retro-Rad nicht mehr vor der Tür stand.

"Ich hatte mein Fahrrad gerade mal ein Jahr, aber schon richtig lieb gewonnen. Es war an sich nix Besonderes: drei Gänge, handelsüblich lackiert in Rot mit silbernen Strichen, Rücktrittbremse. Aber es war eben meins, mein Schrott-Retro-Rad mit seinen schrulligen Eigenarten.

Eines Morgens im Mai des vergangenen Jahres wollte ich los – und musste erstaunt feststellen, dass das Rad nicht mehr vor der Haustüre stand. Ja, ich hatte es aus lauter Faulheit nie mit einem Schloss an einem Gegenstand befestigt, sondern es immer nur mit dem integrierten Rahmenschloss gesichert. Aber sorry: Das Fahrrad war ungefähr 40 Jahre alt, maximal 50 Euro wert – wer klaut denn so eines, wenn drumherum viel hochwertigere Fahrräder stehen? Jedenfalls muss sich jemand die Mühe gemacht haben, das Rahmenschloss aufzubrechen, heißt: Es war kriminelle Energie am Werk.
Themenwoche

Fast jeder Freiburger oder jede Freiburgerin kam damit schon in Berührung: ein geklauter Drahtesel. Die Zahlen sinken zwar, doch im vergangenen Jahr wurden noch immer 1661 Fahrräder als gestohlen gemeldet – die Dunkelziffer könnte viel höher sein. Am kommenden Donnerstag ist Tag des Fahrrads. Wir widmen uns in dieser Woche dem Fahrrad, ganz besonders der Situation, wenn es weg ist. Wir haben bei Freiburgerinnen und Freiburgern herumgefragt, welche Anekdoten rund um gestohlene Räder sie zu erzählen haben. Dabei kamen amüsante Geschichten heraus.
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Kurz darauf habe ich es vom Balkon aus meinen Nachbarn erzählt, in einem Ton und einer Lautstärke, dass es jeder im Umkreis von 50 Metern mitbekommen haben muss. Ob’s an meinem Wutausbruch lag, keine Ahnung: Jedenfalls stand das Fahrrad zwei Tage später vor dem Nachbarhaus, als sei nichts geschehen. Nur das Rahmenschloss war weg, ansonsten war es wie zuvor: Ich musste immer noch den Hebel der Gangschaltung festhalten, wenn ich im ersten Gang fuhr, damit die Kette nicht in den dritten sprang.

Was ich daraus gelernt habe? Seitdem schließe ich mein Fahrrad stets an einen festen Gegenstand, an einen Bügel, an eine Laterne. Denn dass mir mein Liebling abhandenkommt, will ich nicht noch einmal erleben."
Saskia Mihalic, 25, kam vor sechs Jahren aus Nagold nach Freiburg. Sie hat eben ihren Master in Kristallografie (ein Teil der Materialwissenschaft) an der Uni Freiburg beendet.

Habt ihr auch mal eine verrückte Fahrraddiebstahl-Geschichte erlebt? Dann teilt sie uns doch mit, per Mail an info@fudder.