Was war los bei der Facebook-Party in Zähringen?

Martin Herceg

Die beiden 15-jährigen Zwillingsbrüder S. und J. wollten gestern Abend in Zähringen eine kleine Geburtstagsparty feiern, zu der auch auf Facebook eingeladen wurde. Doch die Party lief völlig aus dem Ruder und mündete in einen großen Polizeieinsatz. Zerknirscht berichteten die Brüder fudder heute, wie das passieren konnte:



Eigentlich wollten S. und J. am Donnerstag nur eine kleine Geburtstagsparty für einen Freund schmeißen. Die Voraussetzungen waren gut: Ihre Eltern noch im Urlaub, das ganze Haus nur für sie und ihre Freunde – sturmfrei.

Das Problem: Die beiden Zwillinge waren bis zum Donnerstagmorgen selbst noch im Urlaub und baten, so berichten sie, einen Kumpel in Freiburg, die Organisation der Party zu übernehmen. Der legte eine Facebook-Veranstaltung an – und beging dabei nach Darstellung der Brüder einen entscheidenden Fehler: Er machte die Veranstaltung öffentlich. Dadurch konnte jeder Eingeladene ungehindert weitere Personen zur Geburtstagsfeier einladen – was dann auch passierte.

"Die Sache ist total aus dem Ruder gelaufen"

"Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, hatten wir das zwar mitbekommen, wir hatten aber nie erwartet, dass so viele Leute kommen würden", sagt S. "Eigentlich sollten nur 30 bis 40 Freunde kommen. Wir schätzen, dass zeitweise sogar zwischen 400 und 500 Leute da waren. Die Sache ist total aus dem Ruder gelaufen."

Die Enschätzung des 15-Jährigen deckt sich in etwa mit derjenigen der Freiburger Polizei (fudder-Bericht). Die spricht von bis zu 350 Partygästen. Der Freiburger Lehrer Gregor Delvaux de Fenffe, der direkt gegenüber wohnt und alles vom Fenster aus beobachtet hat, will maximal 250 Personen gesehen haben.



Das Haus wurde gestürmt

Losgehen sollte die Feier um 19:30 Uhr, am Ende der gutbürgerlichen Berner Straße im Stadtteil Zähringen (Google Maps). Die ersten 30 Gäste klopften aber schon eine Stunde früher an: "Von da an kamen sie in Wellen", sagt J. "Auf einmal standen mehr als hundert Menschen vor der Tür. Alle wollten sie rein. Irgendwann haben sie das Haus dann einfach gestürmt." Auch die Nachbarschaft wurde auf das Ereignis aufmerksam. " Ab 20 Uhr wurde es in der Straße immer lauter", sagt eine 65-jährige Nachbarin. "Da kamen auf einmal immer mehr Jugendliche. Teils zu Fuß, teils mit dem Fahrrad."

Schon gegen 21 Uhr reichte der Platz im elterlichen Wohnhaus nicht mehr aus, um die immer größer werdende Menge aufzunehmen. "Wir haben versucht, den Leuten klarzumachen, dass sie wieder heimgehen sollten", sagt S. "Aber das hat kaum einer gemacht." Stattdessen sammelten sich die abgewiesenen Jugendlichen auf der Wendeplattform direkt vor der Haustür und skandierten Sprechchöre, um hineingelassen zu werden. "Das hat die Nachbarn auf den Plan gerufen", sagt J. Und die Polizei.

Die Polizei traf mehr als zwei Stunden nach Beginn der Party gegen 22 Uhr ein und stand vor dem Haus hunderten von Jugendliche gegenüber. Die hätten angefangen, lautstark Sprechgesänge anzustimmen: "Wir feiern trotzdem!", "Wir dürfen feiern!" und "Polizei raus!", wie Augenzeuge und Nachbar Gregor Delvaux de Fenffe gehört haben will. Während der Großteil der Polizisten damit beschäftigt war, die alkoholisierten Jugendlichen zum Heimgehen zu bewegen, riefen S. und J. ihre Eltern am Urlaubsort an. Diese sprachen dann mit der Polizei.

Chaos am Bahnhof Zähringen

Von dem Chaos am kleinen Bahnof Freiburg-Zähringen, von dem aus zig abgewiesene Partygäste nach Hause fahren wollten, haben die Zwillinge erst im Nachhinein mitbekommen. Nachdem die Polizei den Menschenauflauf gegen 22:30 Uhr aufgelöst hatte, beschäftigte sich das Brüderpaar bereits damit, die leeren Bierflaschen und Dosen auf der Straße zu beseitigen.

Am Tag nach der Party scheint der im Wohnhaus entstandene Schaden auch geringer zu sein, als anfänglich befürchtet. "Außer einer Schranktür ist nichts kaputtgegangen", sagt J. "Den Zaun im Garten haben wir gleich gestern Nacht noch reparieren können." Lediglich drei Bücher seien geklaut worden.

Dennoch: Der Schreck sitzt den Brüdern immer noch in den Knochen. Sie befürchten jetzt, die Kosten für den Polizeieinsatz übernehmen zu müssen. Und dann sind da noch die mäßig begeisterten Eltern. J.: "Spätestens wenn wir ein Wörtchen mit unserem Vater reden müssen, kommt noch gut was auf uns zu."

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[Fotos: Martin Herceg]

Fotogalerie: Facebook-Party in Zähringen - der Tag danach