Club der Freunde

Spurensuche

Was passiert, wenn man seine Mitspieler aus dem Netz persönlich kennenlernen möchte?

Eigentlich setzt auf Anonymität, wer im Internet zockt. Was aber, wenn man dabei neugierig wird auf seine Mitspieler – in echt? BZ-Redakteurin Manuela Müller hat sich auf die Suche nach ihnen begeben.

Es klingelt. Ich bin aufgeregt. Was, wenn wir uns überhaupt nicht verstehen, nichts zu reden haben? Was, wenn mir nicht geheuer ist, dass Mike die Nacht bei mir und meiner Familie verbringen wird? Hinter einer virtuellen Identität kann sich ja alles verbergen.

Mike und ich spielen übers Internet zusammen "Die Siedler online" (DSO), haben uns aber noch nie gesehen. Er wurde zu meinem Spielpartner, weil wir uns regelmäßig auf unserer Insel gegenseitig unterstützen.

Was ich vor dem Treffen über ihn weiß? Er ist Schreiner, Mitte 40, wohnt in der Nähe von Frankfurt, kommt ursprünglich aus Thüringen und steht auch an den Tagen, an denen er nicht arbeiten muss, spätestens um 9 Uhr auf. Im Spiel schreibt er Anfang August, dass er bald Urlaub hat, sich ein Trike – eines dieser kultigen dreirädrigen Motorräder – , mieten und damit durch Deutschland fahren wird. Meine Einladung ins Badische kommt einfach aus dem Bauch heraus – ohne groß darüber nachzudenken.

Nun also hat es geklingelt. Aus dem Fahrstuhl steigt ein Rocker mit kurzen grauen Haaren, Lederweste und knielanger Metallica-Hose – spontan sieht er aus wie einer von den Netten. Sein Leben hat mit meinem wenig gemeinsam, trotzdem gehen uns die Themen nicht aus. Ich darf in sein echtes Leben reinschnuppern, er in meines. Kennengelernt hätten wir uns ohne das Online-Spiel sicher nie. Ich wäre wahrscheinlich auch nie Trike-Beifahrerin geworden.

Computerspiele werden immer noch belächelt
"Waaas, du zockst?", höre ich im privaten wie beruflichen Umfeld immer wieder. Dazu Gelächter, aufgerissene Augen oder – auf dem Smartphone – Lachsmileys, die Tränen in den Augen haben. Ich unterstelle: Würde ich regelmäßig Brettspiele oder Tennis spielen, würde sich darüber niemand wundern. Aber Computerspiele? Und dann auch noch übers Internet mit Menschen, die ich nicht persönlich kenne?

Ich entspreche offensichtlich nicht dem Klischee. "Es gibt das Bild vom Zocker, der sich einigelt, asozial ist, vom Spiel aggressiv wird und den Bezug zur Realität verliert", sagt Restless001, die sich zu einem Video-Interview bereiterklärt hat, weil ich eines Tages anfange, neugierig zu werden – auf meine Mitspieler in echt und die Frage, wer hier welchen Klischees entspricht oder auch nicht. Restless001 ist natürlich ein ...

Wenn Du diesen Artikel lesen möchtest, solltest Du Mitglied werden in fudders Club der Freunde. Du unterstützt auf diese Weise jungen Journalismus in Freiburg.


Als Bonus gibt's für Dich exklusive Veranstaltungen und Gewinnspiele und vieles mehr: Elf Gründe, warum wir Dein Geld wert sind >>

Bist Du schon Mitglied in fudders Club der Freunde? Bitte einloggen >>