Was ist dein Stil, Natalie?

Nina Haak

"Was ist dein Stil?" fragen wir regelmäßig junge Menschen in Freiburg und Umgebung. Heute mit Natalie Helga Maria Callies. Die 27-jährige Medizinisch-Technische Assistentin sagt: "Die Mode von heute ist für mich keine Mode."

 

Was ist dein Stil?

Natalie: Vintage. Ich finde alle Teile toll, die aus den 30ern, 40ern und 50ern kommen. Ich trage nur Röcke oder Kleider und versuche die vergangenen Zeitepochen möglichst gut zu verkörpern.

Was ist dein Lieblingsteil aus deinem Kleiderschrank?

Ein Kleid von meiner Uroma, das orginal aus den 1930ern stammt. Sie hat es früher auch gerne getragen und jetzt, viele Jahre später, ist es mein Lieblingskleidungstück.

Was inspiriert dich?

Besonders inspirieren mich alte Filme und Fotos. Ich habe davon auch einige in meiner Wohnung hängen.

Freiburg und Mode. Deine Meinung dazu?

In Freiburg laufen alle einheitlich herum - in H&M, Primark und Co. Das ist langweilig und nicht schön anzusehen. Es fehlt einfach die Kreativität, was ich mit Mode verbinde. Deshalb ist die Mode von heute für mich keine Mode mehr.

Dein Lieblingsladen?

Hier in Freiburg ist es ‚Petite Rosalie‘ in der Konviktstraße. Der Laden hat tolle Sachen, gerade aus den 50ern. Aber alleine schon  wegen dem Ambiente und der Inhaberin lohnt es sich, dort vorbeizuschauen.

Woher ist dein Kleid?

Mein Kleid habe ich aus ‚Petite Rosalie‘ und es ist von Lena Hoschek. Die Jacke kommt aus der Kleidertruhe meiner Uroma. Die Handtasche ist Vintage, ich habe sie vor einiger Zeit auf einem Flohmarkt entdeckt.

Seit wann kleidest du dich in dem Stil der 30er, 40er und 50er?

Nach der Schulzeit hat es angefangen, dass ich einige Teile aus den 30ern, 40ern oder 50ern dazu kombiniert habe - zum Beispiel zu einer Jeans ein Jäckchen aus den 30ern oder eine Bluse aus den 40ern. Seit zwei Jahren kleide ich mich von Kopf bis Fuß  im Vintage-Stil.

Was hat dich dazu inspiriert dich so zu kleiden?

Die Filme 'Pearl Harbor' und 'Grease'. Die Frauen sahen darin wunderschön und toll gekleidet aus. Außerdem hat mich die Kleidertruhe meiner Uroma auf dem Speicher dazu verleitet, die ganzen Kleider einmal anzuprobieren.

Trägst du deine Outfits auch beruflich?

Ja, das ist überhaupt kein Problem. Wenn ich ins Labor gehe, ziehe ich einfach einen Kittel darüber.

Was war dein schlimmster Fashion-Fauxpas?

Ich habe mich früher wie die anderen Mädchen aus meiner Klasse und Umgebung gekleidet, um dazu zugehören. Aber ich fühlte mich in den Mainstream-Klamotten immer verkleidet. Heute bin ich „Ich“. Ich fühle mich im Vintage-Stil wohl und authentisch.

Mit deinem Stil fällst du auf. Wie gehst du damit um?

Man gewöhnt sich daran, dass man oft angeschaut und manchmal auch angestarrt wird. Oft spricht mich die ältere Generation an. Die sagen mir dann, wie toll es ist, dass sich heute eine Frau noch so kleidet. Das sind die positiven Erlebnisse, aber leider musste ich auch schon negative Erfahrungen machen. Ich wurde in Freiburg schon von Jüngeren angepöbelt. Oder mir Sprüche hinterher gerufen wie "Fasnet ist schon lang vorbei!" oder "Geh mal ins Solarium!".

Mit der Zeit habe ich mir ein dickes Fell zugelegt. Aber wenn so etwas passiert, frage ich mich trotzdem immer, warum man es Menschen schwer machen muss, wenn sie nicht mit dem Strom schwimmen.  Das verletzt - und es ist schwer, über so etwas zu stehen.

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