Stilfrage

Was ist Dein Stil, Kamala?

Viola Priss

"Was ist Dein Stil?" - diese Frage stellen wir regelmäßig jungen Menschen in Südbaden. Heute: Die 32-jährige Sozialpädagogin und Entspannungstherapeutin Kamala aus Freiburg. Ihr Credo: Klamotten bloß nicht von der Stange.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Im Prinzip: wirklich alternativ. Das heißt: Bloß nicht mit dem Trend gehen. Ein Outfit komplett von einer Linie fertig zusammengestellt zu kaufen, kann ich mir nicht vorstellen. Da würde ich mich nicht wohlfühlen.

Was macht Kleidung für Dich zu Wohlfühlkleidung?

Zum Einen sollte sie schon bequem sein, wichtig aber ist mir der eigene Geschmack. Mein Geschmack spiegelt sich eben gerade in der meist bunten Kombination wider. Das braucht es wohl, damit Leute auch sagen: "Ja, das ist Kamala!" Womit ich immer gerne ergänze sind Mützen, häufig Schmuck, und ganz besonders Beutel und Taschen.

Und wo würfelst Du Deine Kleidung bunt zusammen?

In klassischen Klamottenläden war ich seit sechs Jahren nicht mehr. Was ich trage, ist viel Second-Hand, ich bin seit sicher acht Jahren regelmäßig im "Schlepprock", dort verkaufe ich auch das, was mir dann doch nicht mehr gefällt. Außerdem ist viel von Flohmärkten und aus Urlauben dabei. Zum Beispiel aus London, wo ich ein Jahr gelebt habe.

Ist Nachhaltigkeit bei Mode für Dich ein wichtiges Kriterium?

Definitiv! Ich nehme auch immer wieder was aus Zu-Verschenken-Boxen mit oder bringe selbst Dinge, aus denen man herausgewachsen ist, dort ab, oder gucke bei Kleiderkreisel nach speziellen Sachen. Meiner Meinung nach ist bereits so viel Tolles im Umlauf, da braucht es nicht immer noch mehr und Neues.

Das heißt, Kleidungsstücke sind für Dich teilweise auch getragene Souvenirs?

Ja genau, zum Beispiel habe ich superviele Band-Shirts, früher habe ich bei jedem wichtigen Konzert, auf dem ich war, eins mitgenommen. Die trage ich nach wie vor und kann mich nur schwer trennen, da hängen ja immer Erinnerungen dran. Die funktioniere ich dann teilweise aber auch um zu Schlaf-Shirts.

Sahst Du denn schonmal ganz anders aus?

Ja, ziemlich! Mit 16 hatte ich eine Phase, in der ich viel Ska-Punk und originären Punk gehört habe und auf entsprechenden Konzerten war, da war mein Stil deutlich dunkler, punkiger, weniger feminin, mit Hoodies und Baggy-Pants.

Könntest Du Dir vorstellen, dass Dein Stil nochmal völlig umschlägt?

Ein Mensch, der Einheitsoutfit trägt, werde ich mit Sicherheit nie sein. Auch der Gedanke, nur eine Farbe, etwa schwarz, weiß oder gar rosa zu tragen, widerstrebt mir eher. Dass ich im Beruflichen vermehrt leger und gediegen auftrete, beobachte ich allerdings schon, das ist dort einfach praktischer.

Gibt es etwas, dass Du gern mal ausprobieren würdest, Dich aber noch nicht getraut hast?

Nachdem ich einen Lindy-Hop-Kurs gemacht habe, muss ich sagen, dass ich den Stil der 20-Jahre sehr geschmackvoll finde: Feminin, ohne dabei betont sexy sein zu wollen. Da entdecke ich oft auch bei anderen Frauen Kleinigkeiten, die mir auffallen, die ich auch gern tragen würde. Elemente, Schnitte, Accessoires oder auch Kleider aus dieser Epoche zu tragen, könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen – aber eben wieder mit Eigenem kombiniert. Damit es sich stimmig nach mir und nicht wegen der Wirkung getragen anfühlt.