Lockerung der Corona-Regeln

Was in Baden-Württemberg bald wieder erlaubt ist - und was nicht

Thomas Steiner & Bernhard Amelung

Zwei Familien dürfen sich im Freien treffen, Amateurfußballer dürfen nur in Fünfergruppen trainieren: Wir sagen, was unter welchen Umständen im Moment erlaubt ist – und was derzeit noch verboten ist.

Erst wurden die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen des Coronavirus immer strenger, von Montag an werden sie wieder gelockert. Da kann man leicht den Überblick verlieren. Wir dokumentieren den Stand und die jüngsten Veränderungen in wichtigen Bereichen.

Besuche und Verabredungen

Wer es nicht mehr zu Hause aushält und sich in der Öffentlichkeit bewegt, darf dies bislang nur allein, gemeinsam mit den Angehörigen des eigenen Haushalts oder einer Person, die nicht dem eigenen Hausstand angehört. Ab kommender Woche darf man sich auch wieder mit Personen eines weiteren Haushaltes treffen – Verabredungen von einer Familie mit einer anderen sind dann also gestattet. Es gilt dabei aber generell das Gebot, voneinander 1,5 Meter Abstand zu halten. Wer von der Polizei in größeren Gruppen als erlaubt angetroffen wird, von dem kann ein Bußgeld von 100 bis 1000 Euro verlangt werden.

Für Besuche bei anderen zu Hause gilt: Nur bis zu fünf Personen dürfen sich treffen. Verstöße hiergegen können ein Bußgeld von 250 bis 1000 Euro pro Person nach sich ziehen, im Wiederholungsfall kann eine drastische Geldbuße von bis zu 25 000 Euro verhängt werden. Nichts kostet es, wenn zwar mehr Personen als fünf anwesend sind, es sich dabei aber um Verwandte in gerader Linie handelt – also um Eltern, Großeltern, Kinder und Enkelkinder. Ehe- oder Lebenspartner dürfen auch mitkommen. Ab kommender Woche gilt, dass sich auch Geschwister wieder gegenseitig zu Hause besuchen dürfen. Auch Menschen, die in "häuslicher Gemeinschaft" miteinander leben, dürfen sich in größerer Zahl in ihren Räumen versammeln, also zum Beispiel mehrere Familien aus einem Haus oder Wohngemeinschaften.

Die Gärten von Privathäusern gelten nach Auskunft des Sozialministeriums nicht als öffentlicher Raum, auch dort ist also nur der Aufenthalt von bis zu fünf Personen auf einmal erlaubt, es sei denn, es sind Verwandte. Bei Mehrfamilienhäusern gilt der Garten als öffentlicher Raum, dorthin darf man entsprechend eine fremde Familie einladen. Aber nur, wenn keine weitere Familie aus dem Haus anwesend ist. Schrebergärten sind kein öffentlicher Raum, dort gilt dasselbe wie für Besuche zu Hause.

Maskenpflicht

Eine Maske, die Mund und Nase vollständig und sicher abdeckt, muss man aufziehen, wenn man Bus oder Straßenbahn fährt. Dasselbe gilt, wenn man in einen Laden oder in ein Einkaufszentrum geht. Der Ladeninhaber oder das Personal müssen dafür sorgen, dass sich die Kunden daran halten, indem sie Leute ohne Maske im Gesicht ansprechen oder aus dem Geschäft weisen. Die Maskenpflicht gilt nicht für Wochenmärkte, da diese nicht in Räumen stattfinden. Allerdings ist es grundsätzlich sinnvoll, eine Maske überall dort zu tragen, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht so einfach eingehalten werden kann.

Die Pflicht, eine Maske zu tragen gilt nicht für Kinder, die jünger als sechs Jahre sind, sie gilt auch nicht für Personen mit bestimmten körperlichen Einschränkungen, etwa mit Asthma. Masken dürfen auch selbstgemachte sein, ersatzweise kann man auch ein Tuch oder einen Schal (aber keinen Strick- oder Häkelschal) benutzen.

Krankenhäuser und Seniorenheime

Besuche in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, Dialyse-Einrichtungen und Tageskliniken sind weiterhin verboten. Ausnahmen sind aber bei erkrankten Kindern möglich, in Teilen der Psychiatrie und zur Begleitung von im Sterben liegenden Menschen.

Auch Besuche von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen sind derzeit im Grundsatz nicht erlaubt. Die Einrichtungen konnten aber schon bisher Besuchern den Zutritt erlauben, wenn geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen getroffen werden können. So werden etwa sogenannte Zaun- oder Balkongespräche ermöglicht, zu denen sich Bewohner und Besucher mit Hilfe des Pflegepersonals verabreden und bei denen sie in Abstand voneinander bleiben. Voraussichtlich ab kommender Woche wird das Besuchsverbot weiter gelockert: Bewohnerinnen und Bewohner dürfen dann von einer Person, aber auch nur von dieser, regelmäßig besucht werden. Dies gilt, solange es in der Einrichtung keinen Ausbruch von Corona-Infektionen gibt.

Das bislang bestehende Verbot für Bewohner, die Seniorenheime zeitweise zu verlassen, ist diese Woche aufgehoben worden. Allerdings gelten für Bewohner, die Ausgang hatten, nach der Rückkehr recht strenge Auflagen, wie die, dass sie in den Gemeinschaftsräumen für zwei Wochen stets Masken tragen müssen.

Breiten- und Vereinssport

Game, Set, Match: Liebhaber von Ballsportarten wie Tennis können aufatmen. Sie dürfen bald wieder auf die Plätze. Die Landesregierung in Baden-Württemberg ermöglicht ab dem kommenden Montag wieder Breiten- und Vereinssport. Betreiber von Sportanlagen und Vereine müssen jedoch mehrere Voraussetzungen einhalten: Der Sport muss unter freiem Himmel und mit genügend Abstand stattfinden. Weiterhin gelten auch coronaspezifische Hygieneregeln. Der Deutsche Tennis Bund empfiehlt deshalb, auf den obligatorischen Handschlag am Netz am Ende jedes Spiels vorerst zu verzichten. Neben Tennis sind auch Yoga, Leichtathletik und Golf sowie Reit- und Hundesport erlaubt.

In Mannschaftssportarten wie vor allem Fußball gilt ab 11. Mai, dass Sport- und Spielsituationen, in denen ein direkter körperlicher Kontakt erforderlich oder möglich ist, nicht trainiert werden dürfen. Alles andere darf ausschließlich individuell oder in Gruppen von maximal fünf Personen trainiert werden.

Weiterhin untersagt bleibt der Sportbetrieb in Kletterhallen, Schwimmbädern und Fitnessstudios. Vorbehaltlich aller Änderungen sind Lockerungen für diese erst ab Pfingsten vorgesehen.

Freizeit

Spazieren gehen, Wandern, Fahrradfahren. So sahen die vergangenen Wochenenden aus. Jetzt bringen die Lockerungen der Corona-Verordnung wieder etwas Abwechslung in die Freizeitgestaltung. So hat der Tierpark Mundenhof in Freiburg bereits wieder geöffnet, wenn auch mit Einschränkungen. Die Stadt Freiburg begrenzt seine Kapazitäten auf 2000 Gäste. Begehbare Gehege und das Aquarium bleiben jedoch geschlossen. Die Abstandsregeln lassen sich dort kaum einhalten. Am heutigen Freitag eröffnet der Steinwasenpark in Oberried seinen Tierpark wieder. Geschlossen bleiben allerdings die Fahrgeschäfte und Attraktionen im Innenbereich des Parks. Ebenfalls öffnen die meisten staatlichen Museen wieder, genauso Ausflugsziele unter freiem Himmel mit Einlasskontrolle. Dazu gehören die Schlösser, Klöster und Burgen der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Pünktlich zu den Pfingstferien werden auch Freizeitangebote wie Bootsverleihe oder Minigolfanlagen wieder öffnen. Dann können auch Fahrräder wieder ausgeliehen werden. Nach Pfingsten sollen auch Freizeitparks wieder öffnen dürfen. Noch ist offen, mit welchen Auflagen der Europa-Park in Rust in die Saison starten kann. Eine Stellungnahme lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Auch steht noch nicht fest, wann und unter welchen Bedingungen Freibäder wieder öffnen können.

Gastronomie

Noch müssen Cafés und Restaurants ihre Türen geschlossen halten und die Gastronomen sich mit Abhol- oder Lieferdiensten behelfen. Das wird sich ab 18. Mai ändern. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Tourismusminister Guido Wolf (CDU) haben der Gastronomie die Wiedereröffnung ihrer Betriebe in Aussicht gestellt, wenn auch unter sehr strengen Auflagen.

Die Gastronomen dürfen zeitlich nur eingeschränkt öffnen. Sie müssen getrennte Ein- und Ausgänge einrichten. Im Innen- und Außenbereich soll die Zahl der Plätze begrenzt werden. Das soll die Einhaltung des Mindestabstands sicherstellen. Eine Reservierung vor dem Restaurantbesuch soll für Gäste Pflicht werden. So lassen sich im Sommer Bier und Brotzeit unter schattigen Bäumen genießen, wenn auch weniger spontan. Diese Lockerungen gelten nicht für Bars und Kneipen. Für sie liegen noch keine Regelungen zur Wiedereröffnung vor.