Landtagswahl 2021

Was ging beim ... Kandidatengrillen im Artik?

Lisa Discher

Ganz schön viel gegrillt wurde da im Artik: Drei Stunden lang stellten sich die Kandidierenden der beiden Landtagswahlkreise Freiburgs (46+47) den Fragen und Aufgaben der Moderatorinnen. Unterhaltsam war’s!

Überraschend unterhaltsam für ein drei Stunden langes Grillen ohne Essen: Kandidierende für den Freiburger Landtag der Linken, SPD, Grünen, FDP und CDU stellten sich beim "Kandidat*innen Roast" im Artik den Fragen der Moderatorinnen Maria-Xenia Hardt und Maya Rollberg von "We talk freiburg".


"Blamiere dich täglich."

Entspannt sitzen die Kandidierenden des Wahlkreises 46 auf ihren Stühlen, sie wissen nicht, dass der Roast schon mit der Begrüßung beginnt: Selbsternannte Freiheitsfreundin Marianne Schäfer (FDP) hatte mal grüne Haare und sei darum nicht mehr weit entfernt von den psychedelischen Wahlplakaten, die die FDP dieses Jahr in Freiburg verteilt habe. Auch der Kandidierende der CDU wird schonungslos vorgestellt: "Es liegt die Vermutung nahe, dass Manuel Herder eigentlich nur in den Landtag will, um bald wieder Ruhe in seiner Villa in Buchenbach zu haben, nä?", neckt die Moderatorin den ehemaligen Geschäftsführer des Herder Verlags und Kandidierenden der CDU. Sein Motto sei nach eigenen Worten "Blamiere dich täglich" und dazu sollte ihm am Abend genügend Gelegenheit gegeben werden.

"Schwer umsetzbar? Willkommen bei der Links-Partei."

Daniela Evers (Bündnis 90/Die Grünen) sei im World Wide Web nicht wirklich aktiv, aber ein paar Bilder im Schnee würden ja auch ausreichen für eine politische Kampagne. Die Rechtsanwältin wäre als Kind gerne Fernfahrerin geworden und ob die Strecke Titisee-Stuttgart sich dafür wohl qualifiziere, sei am Abend rauszufinden, sagt Moderatorin Hardt. Auf Instagram sei Jennifer Sühr (SPD) als "die rote Jenny" unterwegs und "Ihren Social Media Account hat sie statt mit footage aus dem Wahlkampf, mit verstörend harmonischen Adobe-Stock Fotos bestückt, die den authentischen Charme eines eher mittelmäßigen Werbebudgets versprühen", provoziert Rollberg. Last but not least, wird auch die Pflegefachkraft Imke Pirch (Die Linke) vorgestellt. Im Landtag wolle sie sich für Seenotrettung, Lieferkettengesetz und Gerechtigkeit im Wohnungsmarkt einsetzen. "Das alles macht sie mit links, da hat sie die rechte Hand noch frei, um Eisbärenbabys zu streicheln und simultan noch vegane Bolognese zu kochen. Klingt schwer umsetzbar? Willkommen bei der Links-Partei", beendet die Moderatorin die Vorstellungsrunde.



Die Gewinner der ersten Runde

Diese ersten zehn Minuten waren schon cringe genug, um die knapp 300 Zuschauer und Zuschauerinnen an ihre Bildschirme zu fesseln. Wie es losging, ging es dann auch weiter: Kein Blatt wurde vor den Mund genommen. In sechzig Sekunden beantworten die Kandidierenden Fragen wie Klima-Politik in Baden-Württemberg aussehen solle oder was den Kandidierenden denn so vorschwebe, wie teuer der öffentliche Personenverkehr in Freiburg auf's Jahr runtergerechnet sein sollte? 365 Euro pro Jahresticket? Grüne und SPD sprechen sich dafür aus und beim Kohleausstieg bis 2030 sind sich dann auch alle einig. Die Zuschauer und Zuschauerinnen wählen die Linken als Gewinner der ersten Runde.

Gezielte Sticheleien und Provokationen

Runde zwei besteht aus den Kandidierenden des Wahlkreises 47: Pascal Blank (Die Linke) der nach eigener Aussage früher die CDU wählte , Gabi Rolland (SPD), Nadyne Saint-Cast (Bündnis 90/Die Grünen), Rieka van der Warth (FDP) und Manuel Herder, der für seinen verhinderten Kollegen Michael Arndt weiterhin Frage und Antwort der Moderatorinnen stehen muss. Ob Gabi wohl freitags den Landtag schwänzt, um mit den Zehntklässlern von Fridays for Future demonstrieren zu gehen? Und wenn's doch nicht klappt mit der Wiederwahl, dann bräuchten die "Omas gegen Rechts" bestimmt auch noch Verstärkung, stichelt die Moderatorin gezielt.

Bildung und häusliche Gewalt

Zwei-Säulen Bildungssystem oder ausschließlich Gesamtschulen? Alle wollen bessere Bildung - das "Wie" bleibt umstritten. Nicht länger aufschiebbar sei auch die Digitalisierung in den Klassenzimmern: Das Geld des Digitalpaktes müsse für Schulen einfacher zugänglich gemacht werden, sagt Rieka von der Warth von der FDP. Und es könne auch einfach nicht sein, dass Lehrer und Lehrerinnen nicht sicher sein könnten, nach den Sommerferien noch einen Job zu haben. Ein wichtiges Stichwort auch: Chancengleichheit. Diese solle gemäß den Kandidierenden schon in der Kita anfangen und mit der Abschaffung der Studiengebühren für ausländische Studierende enden, so die Liberalen. Kostenfreie Kitas wollen die Grünen nicht, eine soziale Staffelung, wie es gerade in Freiburg schon der Fall ist, sei nützlicher. Linke und SPD, sprechen sich jedoch für kostenfreie Kitas aus. Gabi Rolland wäre auch für mehr grüne Klassenzimmer im Freien, gerade in Zeiten einer Pandemie.

Härtere Strafen für Gewaltverbrecher und Wohnraum

Und auch häusliche Gewalt sei gerade in der Covid-Krise ein großes Problem: Manuel Herder von der CDU schlägt härtere Strafen für Gewaltverbrecher vor, der Rest plädiert für den Ausbau von Frauenhäusern und eine Sensibilisierung der Gesellschaft und Polizei. Die Grünen wollen den zielgerichteten Ausbau von Wohnraum. Und auch mehr Unterstützung für Azubis ist ein wichtiges Thema: Wohnheime für Auszubildende und finanzielle Unterstützung nicht nur für Studierende werden diskutiert. Die CDU sagt, dass Eigentum die Lösung des Mietproblems in Freiburg sei, heftiger Widerstand hierzu von den Linken: "Das was Herr Herder vorschlägt, ist das, was den Linken zum Thema Realitätsferne immer vorgeworfen wird." Die Linken sagen, die Löhne müssten hoch und die Mieten runter. Eine Umverteilung von Reich nach Arm sei unumgänglich. Auch Gabi Rolland gibt ihren Senf dazu und sagt, dass Schaffen von Eigentum gerade für die Normalbevölkerung in einer Pandemie nicht möglich sei.

Inklusion, Integration und Immigration

Die Grünen legen beim Thema Teilhabe an der Gesellschaft den Fokus auf mehr Finanzierung, denn vor allem das Leben im Geflüchtetenunterkünften, verbunden mit Sprachbarrieren erschwerten die Integration. Sprachbildung und Kindergrundsicherung sollen sozialen Defiziten vorbeugen.

Fazit

Alles in Allem war der Roast gestern Abend eine heiße Angelegenheit. Wer sich noch kein Bild der Kandidierenden gemacht hat, kann das trotzdem noch immer tun. Auf YouTube wurde der Livestream aufgezeichnet und steht jedem zur Verfügung. Die Linken haben gemäß den Zuschauern den Abend haushoch gewonnen, gefolgt von den Grünen und der SPD. FDP und CDU belegen die letzten Abstimmungsplätze.

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