Was ging bei... Namika und Teesy in der Brauerei Ganter?

Katharina Kiefel

"Komm, wir fangen den Moment ein!" Namika lieferte am Donnerstagabend in der Ganter Brauerei vor einer Menge Teens eine Show ab, wie sie "Lieblingsmenschen" nur lieben konnten. Gleich tat es ihr Teesy, der Berliner Singsang-Rapper. Wie das ankam - und was Namika über Religion und Hautfarbe zu sagen hatte:



Teesy – smoother Rap zum Einstimmen

"Der Mann mit der Fliege" tritt am Donnerstagabend in der Brauerei Ganter ganz légère und ohne Fliege auf. Der Berliner Songwriter und Rapper bringt genau die richtige Mischung aus Coolness, Rap und Soul mit, um dem Freiburger Publikum schon zu Beginn richtig einzuheizen.

Und das klappt von der ersten Minute an: Die Crowd singt überraschend textsicher mit, reißt die Hände in die Höhe und kreischt, als Teesy alias Toni Mudrack für ein Selfie mit einem weiblichen Fan sich von der Bühne aus ins Publikum mischt. Mit "Generation Maybe" scheint er genau ins Publikums-Herz zu treffen und hat auch die hintersten Reihen des Publikums endgültig erreicht.

Über eine Stunde bietet Teesy einen soliden Mix aus mehreren Musikstilen und lässt sich auch nicht von dem immer wieder quietschenden Mikrofon aus der Ruhe bringen. Nachdem ihm ein Tontechniker das mittlerweile dritte Mikro gebracht hat, meint Teesy: "Alter, dein Ernst? Was geht'n hier ab?!" und geht lächelnd und kopfschüttelnd zum nächsten Song über.

Namika – Die Show

Namika, die Künstlerin, die marokkanische und deutsche Wurzeln in sich vereint, hat zwei Herzen in einer Brust, die im selben Beat schlagen. Das zeigt sie sofort beim ersten Song "Na-Mi-Ka", zu dessen Klängen sie unter tosendem Applaus und Gekreische der Menge auf die Bühne gebounct kommt. Sofort steckt der Rhythmus Namikas Musik an, der orientalische Elemente, HipHop und Pop miteinander vereint. Mit der Frage, wer in den 90ern einen Gameboy besessen hat, beginnt sie eine Zeitreise "zurück in die schöne Zeit der 90er", an der alle lauthals mitsingend teilnehmen.

Als "Special" hat Namika ein kleines Acoustic-Set in die Show eingebaut, zu der sich die ganze Band auf Barhockern in einer intimen Atmosphäre dem Freiburger Publikum präsentiert. Bis zuletzt hängt das Freiburger Publikum an Namikas Lippen und gibt bei den beiden Zugaben "Lieblingsmensch" und "Kompliziert" noch einmal alles. Viel zu schnell vorbei scheint das Konzert für einige Besucher, die bis zuletzt tanzen und schweren Herzens Namika zujubeln, die lächelnd und winkend die Bühne verlässt.

Der Style

Namika und der Hut. Beziehungsweise der Hut und Namika. Unter einem riesigen, schwarzen Hut verbirgt sich Namika, die ansonsten wenig glamourös in eine scharze Jeans und einen grauen Sweater gedresst ist. Ihre Haare trägt sie – entgegen vieler Spekulationen aus dem Publikum – glatt. "Oh Mann, schade! Find' Locken stehen ihr viel besser, gell?"

Highlight

Lieblingsmensch. Neben Songs wie "Na-Mi-Ka", "Hellwach" oder "Coole Katze", sind es vor allem Hits wie "Nador", der die marokkanische Stadt, aus der ihre Großeltern stammen, beschreibt, oder natürlich „Lieblingsmensch“, die den Kreischfaktor nochmal um ein 10-faches erhöhen. Als "Lieblingsmensch" als letzter Song im Set anklingt, ruft Namika ins Publikum: "Nehmt alle euren Lieblingsmenschen in den Arm!" und die Menge singt Arm in Arm aus vollem Halse mit. Namika überlässt dem Freiburger Publikum das Singen und blickt in die Menge: "Wow, das sieht schön aus!". Gänsehaut-Feeling für die "Lieblingsmenschen".

Die Crowd

Das Publikum, das größtenteils aus Teens und verliebten Pärchen besteht, harrt schon gegen 19 Uhr, etwa zweieinhalb Stunden vor Konzertbeginn, in den ersten Reihen in Bühnennähe aus. In den hinteren Reihen, die nicht ganz so dicht besiedelt sind, sieht man mehrere Eltern, die entweder aus "Peinlichkeit" von ihren Kids nach hinten "verfrachtet" wurden, oder teils auch mit mehr Euphorie als die Teens selbst am Konzert teilzunehmen scheinen.

Die Crowd tanzt, singt lautstark mit und beweist eine enorme Textsicherheit. Bei Namikas "Spielchen", wie sie es nennt, machen alle mit, etwa bei dem gemeinsamen Singen, oder einer Sitz-Steh-La-Ola-Welle. Die Freiburger sind an diesem Abend ein Vorzeigepublikum.

Kassensturz

Knapp 30 Euro im Vorverkauf. Dafür hat wohl der ein oder andere Teen hier sein komplettes Taschengeld drauf gehauen. Wer dann noch fancy "Namika Lip Balm" für 7 Euro am Merch-Stand kaufen wollte, ist dann wohl für den restlichen Monat blank.

Fazit

"Die Hautfarbe, Religion oder Herkunft is' scheiß egal. Am Ende vom Tag sind wir alle Menschen". Das kommt an. Und alle Menschen hier scheinen an diesem Abend Spaß gehabt zu haben. Namika, die Freiburg "so eine tolle Stadt, wirklich richtig schön", findet, wird vom Publikum ins Herz geschlossen und liefert ein schönes, stimmungsvolles, fluffiges Konzert ab.

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[Foto: Collage/Miroslav Dakov]

Foto-Galerie: Miroslav Dakov

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