Interview

Was drei Freiburger Studierende bei ihrem Erasmus-Studium gelernt haben

Maike Sommer

Ein Erasmus-Aufenthalt gehört für viele Studierende inzwischen einfach dazu: Auch für die drei Freiburger Studierenden Annika, Maike und Isabella. fudder erzählen sie, was sie bei ihren Aufenthalten gelernt haben.

Erasmus steht für ein Studiensemester oder ein Praktikum im europäischen Ausland. Die Uni Freiburg hat es mehrmals in die Top Ten der entsendenden Hochschulen in Deutschland geschafft und die Zahlen der Studierenden, die ins Ausland gehen, steigen kontinuierlich an. Ein Austausch ermöglicht jungen Menschen ein neues Land und seine Kultur kennen zu lernen, über sich hinaus zu wachsen und Erinnerungen fürs Leben zu sammeln. Drei Freiburgerinnen haben fudder von ihren Erlebnissen erzählt.



Annika in Frankreich


Annika Troitzsch (24) studiert Soziologie an der Albert-Ludwigs-Universität und ist seit Februar für ein Semester in Bordeaux. "Es ist super cool. Die Stadt ist wunderschön und es ist auch schon voll warm. Es gibt richtig viele Kulturangebote und abends kann man auch viel mehr machen als in Freiburg. Das Meer ist auch nicht weit weg", sagt Annika.

Wie war die Organisation für dich und wie finanzierst du dich?

"Man bewirbt sich an der Heimatuni und anschließend an der Gastuni um einen Platz und erstellt über ein Online-Portal das Learning Agreement für die Erasmusförderung. Meine Wohnung habe ich über eine Facebook Gruppe gefunden. Viele gehen aber auch einfach ins Wohnheim. Das Erasmusgeld reicht nur für meine Miete, man muss für ein Austauschjahr schon was ansparen. Ich gebe hier aber auch mehr Geld für meine Freizeit aus als Zuhause."

Wie lernst du Land und Leute kennen?

"Es gibt sehr viele Organisationen, die Events für internationale Studierende anbieten, speziell die Uni oder die ESN-Netzwerke (Erasmus Student Network). Da gibt es super viele Angebote, zu denen man hin gehen kann. Alle sind auf der Suche nach Freunden, deswegen findet man sehr schnell Anschluss, auch wenn man abends ausgeht. Mit Franzosen rede ich immer französisch, aber ich kenne hier vor allem andere Austauschstudenten, mit denen ich hauptsächlich Englisch spreche. Sprachkurse vor Ort sind sehr sinnvoll. Ich studiere auf Französisch und die Vorlesungen sind schon schwer, in den Seminaren kann man gut folgen wenn man die Texte gelesen hat."

Was hast du gelernt?

"Ich finde es besonders schön dass man mit Leuten aus ganz verschieden Ländern und Kulturen zusammen kommt. Man bekommt nochmal ganz neue Perspektiven. Ich habe schon öfter gemerkt dass ich auf viele Dinge einen sehr deutschen Blickwinkel habe. Es ist super cool die ganzen Erfahrungen von den anderen zu erfahren und wie ein Thema in ihrem Land gesehen wird."


Maike in Dänemark


Maike Pfeiffer (23) war 2017 für dreieinhalb Monate in der dänischen Stadt Esbjerg. In Freiburg studiert sie Grundschullehramt an der Pädagogischen Hochschule. In Esbjerg hat sie einen Kurs über Inklusion besucht, der nur für Erasmusstudierende angeboten wird: "Der Erasmuskurs war cool, ein ganz kleiner Kurs und man konnte sich gut kennen lernen. Schade fand ich aber, dass wir dadurch nicht wirklich Kontakt zu Dänen hatten. Ich war in einem fremden Land, aber hatte nicht wirklich was mit den Leuten vor Ort zu tun."

Was war deine liebste Erinnerung?

"Meine liebste Erinnerung ist das Reisen. Wir sind einmal in vier Tagen um Dänemark gefahren und hatten unerwartet Herbstferien. Da sind wir durch Südnorwegen gereist und ich habe mich total in die Natur verliebt."

Hast du praktische Tipps für den Erasmusaufenthalt?

"Freunde finden ist dort ähnlich wie hier, zum Beispiel über gemeinsame Interessen, die Uni oder Sportvereine. Es hilft auch einfach offen zu sein und auf die Menschen zu zugehen. Bei der Wohnungssuche kann man zunächst bei der Uni nachfragen, die Uni Esbjerg hat sich bei mir um alles gekümmert. Auch in Facebook Gruppen kann man fündig werden. Ich würde empfehlen, dass man das Auslandssemester wenn möglich alleine macht. Generell würde ich es empfehlen im Ausland zu studieren. Es ist immer eine tolle Chance raus zu kommen und irgendwo ganz neu zu sein. Man lernt eine neue Kultur, neue Leute und eine neue Sprache, das ist absolut toll."

Was hast du gelernt?

"Ganz praktisch ein bisschen Dänisch. Ich habe gelernt mich einer neuen Kultur anzupassen und alles hinzubekommen, auch wenn es mal nicht so gut läuft. In Dänemark war ich zwar früher schon im Urlaub, aber ich hatte eher negative Vorstellungen vom Land. Zum Beispiel, das es dort im Winter nur dunkel und kalt ist, aber ich habe es absolut lieben gelernt. Man denkt oft die Leute im Norden seien kühl und distanziert, aber das habe ich gar nicht erlebt. Die Leute waren alle sehr offen."


Isabella in Österreich


Isabella Eichner (24) hat an der Evangelischen Hochschule Soziale Arbeit studiert und nach ihrem Abschluss 2019 ein Graduiertenpraktikum mit dem Erasmus-Plus-Programm in Wien gemacht. Dort hat sie zwei Monate in einer Flüchtlingsunterkunft gearbeitet.

Was war dein liebste Erinnerung?

"Meine liebste Erinnerung ist mein letzter Tag dort. Wir haben mit meiner Praxiseinrichtung einen Ausflug zu einem Erlebnisbauernhof gemacht. Das war richtig schön, weil es den Kindern so viel Freude gemacht hat und es so ein schöner Ort war. Als ich mich dann von allen verabschiedet habe und gegangen bin, war ich richtig traurig. Aber das gehört halt irgendwie auch dazu."

Wie sah dein Freizeitleben aus?

"Ich hatte eine Mitbewohnerin, die viel unterwegs war, aber wenn wir beide frei hatten, sind wir oft zusammen unterwegs gewesen oder sie hat mich mit zu ihren Freunden genommen. Ich habe mir alle Sehenswürdigkeiten angeschaut, Wien hat sehr viel zu bieten und eine schöne Natur im Umland. Mitten in der Stadt gibt es die Donauinsel, auf der auch immer sehr viele Leute unterwegs sind und Fahrrad fahren, skaten oder picknicken. Wien als Stadt kann ich auf jeden Fall empfehlen. Ich habe dort nur freundliche Menschen getroffen und alle waren alle wahnsinnig nett, Wien hat eine gute Infrastruktur und die Stadt ist einfach schön."

Was hast du gelernt?

"Ich würde ein Erasmus jedem empfehlen, der Interesse hat was Neues kennen zu lernen. Mir hat es wahnsinnig viel gebracht, weil ich gelernt habe wie es ist, wenn ich ganz auf mich alleine gestellt bin. Es ist immer eine Erfahrung wert, ganz woanders hin zu gehen. Österreich hat zwar eine ähnliche Kultur wie Deutschland, aber trotzdem musste ich mich dort erst einmal zurecht finden und neu orientieren. Dadurch habe ich ein ganz neues Selbstbewusstsein entwickelt weil ich gemerkt habe, dass ich das kann."