Überblick

Was die steigende Infektionszahlen und die neue Landesverordnung für Freiburg bedeuten

BZ-Redaktion

Das Landesgesundheitsamt hat am Montagabend für Freiburg eine Sieben-Tage-Inzidenz von 47,6 gemeldet. Die Zunahme der Fallzahlen verändert in diesen Tagen wieder das Leben in der Stadt.

Das beim Landkreis angesiedelte Gesundheitsamt hat über das Wochenende 57 neue Coronavirus-Infektionen registriert. Die Stadt hatte schon am Freitag die Corona-Regeln verschärft, am Wochenende kamen dann noch einmal neue Vorgaben der Landesregierung hinzu, welche die höchstmögliche Pandemiestufe 3 ausgerufen hat.


Dazu zählen Beschränkungen von öffentlichen und privaten Zusammenkünften und eine strengere Maskenpflicht. Die ist in der neuen Landesverordnung weich formuliert, so dass die Regeln am Montag in der Freiburger Innenstadt für Verwirrung sorgten.

Da hilft die Nachfrage beim Amt für öffentliche Ordnung: Die Maske müsse immer dann getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht mehr eingehalten werden könne. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Maske in der Fußgängerzone und auf Bürgersteigen immer tragen – außer frühmorgens oder spätabends, wenn wenig bis nichts mehr los ist. So erklärt es Amtsleiter René Funk. Am Dienstagmorgen tagt der Verwaltungsstab in Freiburg. Da geht es um weitere Maßnahmen, die kommen, wenn Freiburg die rote Linie von 50 Fällen je 100 000 Einwohner und Woche reißt.

Baubürgermeister vertritt den OB

OB Martin Horn, Bürgermeisterin Gerda Stuchlik und die Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und Stefan Breiter befinden sich seit Anfang vergangener Woche in Quarantäne. Als "letzter Mohikaner" der Bürgermeisterriege ist Baubürgermeister Martin Haag im Rathaus. Er war bei der Klausurtagung vor zehn Tagen nur per Videoschaltung dabei. Bei dem Termin hatte der Rest der Stadtspitze Kontakt zu einer Mitarbeiterin, die später positiv getestet wurde.



Die Tests bei der Verwaltungsspitze waren bislang alle negativ. In Rücksprache mit dem Gesundheitsamt ist die Quarantäne nun bis zur Nacht zum Mittwoch verlängert worden. Das heißt: Baubürgermeister Martin Haag leitet die für heute angesetzte Gemeinderatssitzung – mit so viel Platz wie wohl noch nie zuvor auf der Bürgermeisterbank.

Das "Freiburger Herbstvergnügen" bleibt geöffnet. Die Schausteller machen trotz der Begrenzung auf 100 Besucher weiter: Die Corona-Version der Herbstmess’ startete mit einem erfolgreichen ersten Wochenende mit maximal gleichzeitig 500 Menschen: Über den Tag kamen bis zu 4300. Die Kosten sind längst noch nicht drin. Besucher müssen Maske tragen und Kontaktdaten angeben, weil es sich formell nicht um einen Jahrmarkt, sondern eine Veranstaltung handelt. Für viele Schausteller ist sie die erste Einnahmemöglichkeit in diesem Jahr.

Mit Bangen blicken sie auf den geplanten Weihnachtsmarkt. Bisher hieß es, der könne nur stattfinden, wenn das Land die Vorgaben lockert und Events mit mehr als 500 Menschen zulässt. Danach sah es auch eine Weile aus – bis jetzt. Was die neue Verordnung für den Weihnachtsmarkt bedeutet, kann die Wirtschaftsförderung FWTM derzeit noch nicht sagen.

Der große Saal im Stadtteilzentrum Vauban ist eine begehrte Location für private Feiern wie Geburtstage oder Taufen. Vor einem Monat konnten hier noch 25 Personen feiern, seit Montag sind es nur noch zehn. "Wir hatten vorher schon ganz, ganz wenige Anfragen, im Grunde haben alle storniert, und jetzt geht gar nichts mehr", sagt Geschäftsführerin Karin Schickinger. Wie dieser Location geht es vielen anderen auch. "Ich gehe davon aus, dass die meisten privaten Feiern im November abgesagt werden", so Jörg Dattler vom gleichnamigen Schlossbergrestaurant, das normalerweise zwei Bankettsäle und das Panoramarestaurant für Feierlichkeiten vermietet.

Öffentliche Veranstaltungen wie der "Dinner-Krimi" mit 50 Gästen finden noch statt, für private sieht Dattler schwarz. "Man hätte die Personenzahl nicht so tief ansetzen müssen", findet er.

In der Gaststätte Waldsee sind Veranstaltungen und Feierlichkeiten komplett ausgesetzt, bestätigt Prokurist Simon Winter. Und in Schloss Reinach, wo normalerweise Hochzeiten, Bankette, Tagungen, Seminare und Veranstaltungen stattfinden, berate man gerade, wie mit der Situation umzugehen sei, so Pascal Ruf von der Direktion des Hauses.