Hamstern

Warum kaufen die Deutschen eigentlich soviel Klopapier?

Gina Kutkat

Die Frage ist banal und sorgt beim Smalltalk und in den meisten Freundesgruppen für Lacher: Die Deutschen bunkern nicht nur Lebensmittel, sondern auch Klopapier. Aber warum eigentlich? Ein Erklärungsversuch.

Erst waren es die Hamsterkäufer, dann die Nachbarin, später der Kollege und am Ende ertappt man sich selbst dabei. Zack, da liegt das Klopapier im Einkaufswagen.

Die einen schämen sich, anderen ist es egal und manche kaufen es, weil sie wirklich ehrlich welches brauchen, versprochen! Sicher ist: Klopapier ist zum kleinen Politikum inmitten der Corona-Apokalypse geworden.


Über kein Verhalten wird derzeit so viel gewitzelt wie über das Toilettenpapier-Hamstern. Freunde teilen Bilder und Memes in WhatsApp-Gruppen, es ist der Running Gag beim Smalltalk und auch die Heute-Show sinniert: "Wenn morgen die Welt untergeht, wollen wir heute wenigstens noch in Ruhe einen abseilen."

Aber warum hamstern wir Deutschen eigentlich Toilettenpapier?

Es stimmt natürlich: In Zeiten von Corona gibt es wichtigere Fragen zu klären. Sicher ist aber auch: Manchmal muss man sich mit den kleinen banalen Dingen beschäftigen, um nicht völlig irre zu werden.

Deshalb hat sich fudder auf die Suche nach Experten gemacht, die das Phänomen erklären können. Wir haben Psychologen, Ökonomen, Konsumforscher, Hygieneartikelhersteller und Supermarkt-Filialleiter kontaktiert. Mit der Bitte, uns bei der Klärung der Frage zu helfen: Warum horten alle Toilettenpapier? Nicht alle hatten die Muße und Zeit, die Frage zu beantworten. Aber wir haben ein paar Erklärungsversuche gesammelt.

Typisch in Unsicherheitssituationen

Sozialpsychologe Manuel Becker vom Institut für Psychologie der Universität Freiburg erklärt das Verhalten als typisch für Unsicherheitssituationen: "Diese führen häufig dazu, dass sich Menschen an der dominanten Reaktion ihrer Mitmenschen orientieren. Das heißt, wenn man unsicher ist und es in dem Moment kein Script gibt, wie man sich verhalten soll, schaut man, wie sich andere in der Situation verhalten."

Kurz gesagt: Wer einkaufen geht und bei anderen beobachtet, dass Klopapier gekauft wird, deckt sich selber damit ein. Dahinter stecke die Sorge, dass es ausgehen könnte, so der Freiburger Psychologe. "Dazu kommen sogenannte selbstverstärkende Prozesse. Das ist ganz plausibel: Wenn überall berichtet wird, dass Klopapier knapp wird, gehen die Leute los und kaufen noch mehr Klopapier."

Es gibt genug Toilettenpapier für alle

Die Sorge, dass das Toilettenpapier ausgehen könnte, ist allerdings eine völlig unbegründete. "Wir sind in Deutschland gut versorgt bezüglich Hygienepapieren", sagt Jürgen Fischar, Verkaufsleiter von Fripa, einem Hygienepapierhersteller aus dem bayrischen Miltenberg. Selbst wenn alle Grenzen dicht sind: "Wir sind aktuell mit Rohstoffen ordentlich und gut versorgt, man muss also keine Angst bekommen." Der Experte plädiert zur Gelassenheit. "Ein bisschen mehr Coolness an den Tag legen, bitte."

"Wir sind in Deutschland gut versorgt bezüglich Hygienepapieren." Jürgen Fischar
Auch die regionalen Märkte stellen keinen Engpass in Sachen Toilettenpapier fest: "Wir können die Belieferung der Märkte mit ausreichend Ware über unsere Logistikzentren weiterhin gewährleisten", sagt Florian Heitzmann aus der Presse-und Öffentlichkeitsarbeit von Edeka Südwest in Offenburg. Die Lücken in den Regalen kämen einzig und allein durch die Hamsterkäufe, sind also rein konsumgetrieben, macht auch Jürgen Fischar nochmal deutlich.

Doch letztendlich kann auch er die Frage nur mit einer Vermutung beantworten: "Ich habe keine Theorie, außer der des Herdentriebs. Wenn es im Einkaufswagen des Nachbars liegt, muss man vielleicht auch noch zwei Pakete Toilettenpapier mitnehmen. Aber ich kann es wirklich nicht beantworten."

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