Tag der Pflegenden

Warum junge Freiburgerinnen und Freiburger andere Menschen pflegen

Clara Müller

Was treibt junge Menschen aus Freiburg an, als Pflegekräfte zu arbeiten? Fudder hat bei fünf von ihnen nachgefragt – und ganz unterschiedliche und persönliche Antworten bekommen.

Überstunden, Personalmangel, schlechte Bezahlung und dann noch eine Pandemie: Ein Beruf in der Pflege kann ganz schön hart sein. Sei es in der Krankenpflege, der Altenpflege oder im ambulanten Pflegedienst. Ohne Menschen, die trotz aller Widrigkeiten in diesen Bereichen arbeiten, geht es nicht. Fünf junge Pflegerinnen und Pfleger berichten zum Tag der Pflegenden am Donnerstag, 12. Mai, von ihrer Motivation, ihren Erfahrungen und ihren Wünschen.

Benjamin Peter, 24, arbeitet seit 2021 als Pfleger auf medizinischen Intensivstation der Uniklinik Freiburg:
"Seit dem Ende meiner Ausbildung arbeite ich auf der Intensivstation. Ich habe mich bewusst für diese Station entschieden. Mir gefällt der enge Austausch mit anderen Berufsgruppen, besonders mit den Ärzten. Gerade liegt aber eine stressige Zeit hinter uns. Durch die Pandemie waren die Intensivstationen voller als sonst. Außerdem müssen wir die ganze Zeit eine Schutzausrüstung tragen, das ist seine zusätzliche Belastung.

Während ich arbeite, weiß ich immer, dass ich gerade etwas Gutes tue.

Benjamin Peter
Ich frage mich, wie es mit unserem Berufsfeld weitergehen soll. Wir machen viele Überstunden, haben Personalmangel und die Bezahlung ist auch nicht gut. Und ich kann nicht sehen, dass es in naher Zukunft besser wird. Das frustriert mich, man fühlt sich allein gelassen und manchmal macht mich das fast schon wütend. Doch auch wenn es mal hart ist, ist dieser Beruf wunderschön. Während ich arbeite, weiß ich immer, dass ich gerade etwas Gutes tue. Ich sehe das auch in den Augen der Patienten. Und wenn sich ein Patient am Tag der Entlassung bei mir bedankt und froh ist, dass wir für ihn da waren, dann ist die ganze Anstrengung für einen Moment vergessen. Ich kann junge Menschen, die sich gerade überlegen, was sie nach der Schule machen wollen nur motivieren, auch in die Pflege zu gehen. Es ist erfüllend und einer der schönsten Berufe, die ich kenne."

Emilia Benz, 21 Jahre alt, macht seit April eine Ausbildung zur Pflegefachfrau im Diakoniekrankenhaus Freiburg:
"Ich habe die Ausbildung zur Pflegefachfrau gerade erst begonnen. Ich hatte schon früh Interesse am Pflegeberuf und an der Medizin, aber ein paar Punkte haben mich verunsichert. Vor allem der Schichtdienst und andere Aspekte wie Lohn oder Personalmangel und der damit verbundene Stress. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich mit dem Abi in der Tasche lieber studieren sollte. Und das habe ich dann auch getan: Internationale Beziehungen in Erfurt. Doch relativ schnell habe ich gemerkt, dass mir ein Studium zu theoretisch ist, ich bin eher der praktische Typ. Also bin ich wieder in meine Heimat zurückgekommen und habe ein Praktikum in der Pflege begonnen. Und das hat mich erfüllt.

Unser Job ist wichtig, denn letztendlich sind es wir Pflegekräfte, die täglich nahe am Patienten arbeiten. Da würde ich mir mehr Anerkennung wünschen.

Emilia Benz
Ein paar meiner Sorgen konnte ich auch beiseitelegen, Schichtdienst finde ich zum Beispiel gar nicht so schlimm, wie ich dachte. Aber ich würde mir wünschen, dass sich der Ruf der Pflegekräfte ändert. Es stimmt nicht, dass ich nicht gut genug für ein Medizinstudium bin und deshalb jetzt Pflegerin werde. Mir macht der Beruf einfach Spaß. Es stimmt auch nicht, dass wir "nur" die rechte Hand des Arztes sind. Es ist ein eigenes Berufsfeld. Unser Job ist wichtig, denn letztendlich sind es wir Pflegekräfte, die täglich nahe am Patienten arbeiten. Da würde ich mir mehr Anerkennung wünschen."

Stephanie Schropp, 27 Jahre, arbeitet im mobilen Pflegedienst vom DRK St. Peter:
"Seit 2019 arbeite ich im ambulanten Pflegedienst. Ich fahre zu den Menschen nach Hause, helfe Ihnen bei der Körperpflege, beim Anziehen und bei alldem, wo sie Unterstützung brauchen. Zu dem Beruf bin ich eher zufällig gekommen. Bei einem Praktikum im Pflegeheim merkte ich, dass es mir Spaß macht, mit Leuten zu arbeiten. Ich helfe gerne den Menschen und ich spüre jeden Tag die Dankbarkeit der Patienten.

Den ersten Patienten, den ich im ambulanten Pflegedienst bis zum Tod begleitet habe, werde ich nicht vergessen.

Stephanie Schropp
Außerdem mache ich das aus Respekt gegenüber der älteren Generation: Ich als junger Mensch helfe ihnen bei dem, was sie allein nicht mehr schaffen. Die meisten freuen sich sehr, wenn wir vorbeikommen. Sie erzählen uns von ihrem Tag oder von früher. Ich sehe viele der Patienten mehrmals in der Woche, da baut man natürlich eine gewisse Bindung auf. Und manchmal sterben Patienten auch, das gehört zu meinem Beruf dazu. Den ersten Patienten, den ich im ambulanten Pflegedienst bis zum Tod begleitet habe, werde ich nicht vergessen. Auf der einen Seite habe ich Trauer verspürt. Auf der anderen Seite gehört der Tod dazu, und ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich versuche, nach der Arbeit abzuschalten. So habe ich die Kraft, am nächsten Tag wieder für meine Patienten da zu sein."

Nadine Himmelsbach, 25, macht die Ausbildung zur Pflegefachfrau im AWO Seniorenzentrum am Zollhof. Gerade ist sie im Rahmen der Ausbildung für vier Monate in der Kinderklink des Ortenauklinikums in Offenburg:
"In der Pflege habe ich vor neun Jahren mit einer Ausbildung zur Altenpflegehelferin begonnen. Seit 2020 mache ich nun noch die Ausbildung zur Pflegefachfrau. Damit kann ich in jedem Bereich der Pflege arbeiten. Das macht es vielfältiger. Die Jahre in der Altenpflege haben mir auch gut gefallen, trotzdem habe ich bemerkt, dass ich nach der Ausbildung in der Kinderklinik arbeiten möchte. In einer Klinik ist einfach ein bisschen mehr Action. Man weiß nie, was als nächstes passiert. Außerdem arbeite ich gerne mit Kindern. Die gehen mit Schmerz ganz anders um. Ich habe das Gefühl, sie sind nicht so wehleidig wie viele Erwachsene. Vor kurzem habe ich einen Kaiserschnitt miterlebt. Das war eine krasse Erfahrung! Bisher habe ich Menschen immer nur beim Sterben begleitet. Jetzt mal zu sehen, wie ein Leben beginnt, war wirklich schön.

Kinder gehen mit Schmerz ganz anders um. Ich habe das Gefühl, sie sind nicht so wehleidig wie viele Erwachsene.

Nadine Himmelsbach
Mein Ziel ist es, einmal Pflegedienstleitung zu werden. Koordinieren und managen macht mir großen Spaß. Als Pflegedienstleiterin kann ich das mit dem Pflegeberuf kombinieren, das ist optimal für mich. Außerdem finde ich, dass sich in unserem Beruf etwas verändern muss. Der Personalmangel macht uns allen zu schaffen und auch der Umgang mit uns Pflegeschülerinnen und -schülern ist manchmal etwas hart. Ich glaube, als Pflegedienstleiterin kann ich da etwas bewegen."

Johannes Hostalek, 18 Jahre alt, macht eine Ausbildung zum Pflegefachmann im St. Carolushaus:
"Altenpflege ist das, was ich machen will! Ich habe früh bemerkt, dass ich gut mit älteren Menschen umgehen kann, schnell einen Zugang zu ihnen finde. Die Menschen in ihren letzten Jahren zu pflegen und zu betreuen, ist total schön. Mir ist es wichtig, ihnen nochmal eine gute Zeit zu schenken, bevor das Leben für sie endet. Schon mehrmals war ich dabei, wenn Bewohner ihren letzten Atemzug machten. Das ist ein sehr besonderer Moment. Wir sind dann bei ihnen, zünden eine Kerze an und im Raum herrscht eine ruhige Stimmung.

Schon mehrmals war ich dabei, wenn Bewohner ihren letzten Atemzug machten. Das ist ein sehr besonderer Moment.

Johannes Hostalek
Wenn man die Menschen jeden Tag sieht, dann baut man mit der Zeit natürlich eine Beziehung auf. In unserem Haus leben viele Ordensschwestern. Einige von ihnen waren früher selbst in der Krankenpflege tätig. Sie erzählen mir viel von ihrem Beruf und freuen sich, dass ich nun für sie da bin. Die Arbeit mit den Schwestern gefällt mir am besten und motiviert mich. Berührungsängste habe ich keine, die muss man in der Pflege schnell ablegen. Aber in unserem Beruf machen wir so viel mehr als nur Körperpflege. Ich bin gleichzeitig auch Ansprechpartner, Friseur, und all das, als was ich gerade gebraucht werde. Ich würde mir wünschen, dass das in der Gesellschaft mehr anerkannt wird."

Mehr zum Thema: