Mobilität

Warum Freiburg auf Schnellstrecken für Fahrradfahrer setzt

Simone Höhl

Weniger Gefahren, mehr Tempo und grüne Welle: Drei Vorrang-Routen entstehen für Freiburger Radler. Doch wie ist eigentlich der Stand der Dinge? Und wie geht es jetzt weiter? Eine Übersicht.

Fahrradfahrer sollen schnell, sicher und kommod durch die Stadt kommen. Dafür baut die Stadt drei Rad-Vorrang-Routen aus. Zwei der Routen – der FR 1 und der FR 2 – sind in den vergangenen Jahren weit vorangekommen, der FR 3 steht eher noch in den Startlöchern (Details siehe Grafik). Gerade hat der Gemeinderat zwei Beschlüsse gefasst und damit den weiteren Ausbau auf den Weg gebracht.


Beim FR 1 und FR 2 sind noch Verbesserungen möglich, "aber am allermeisten Potenzial steckt im FR3", sagt Frank Uekermann, der Leiter des zuständigen Garten- und Tiefbauamtes. Der dritte Radschnellweg soll Zähringen, Stühlinger und Vauban verbinden. "Das könnte für Pendler richtig viel bringen", schätzt Uekermann.

Der Ausbau der drei Vorrangrouten geht etappenweise voran. Bisher sind 21 von insgesamt 38 Einzelprojekten fertig, sagt Uekermann. Die beiden nächsten Etappen werden jetzt vorbereitet: Der Gemeinderat stimmte mit großer Mehrheit zu, dass das Garten- und Tiefbauamt zwei Bebauungspläne aufstellt – einmal für den FR 2 um das Uniklinikum herum und zum anderen für den FR 3 im Bereich Heiliggeist- und Friedhofstraße. "Das ist die Vorbereitung für zwei wichtige Lückenschlüsse", sagte Stadtrat Martin Kotterer, der Radexperte der CDU.

Spitzentag mit 4500 Radlern am 17. Juli 2019

Die Stadtverwaltung hofft, mehr Fahrräder auf Freiburgs notorisch verstopfte Straßen zu bringen. "Durch den Ausbau des FR 2 haben wir eine Verdoppelung der Zahlen", sagt der Amtschef: Im Jahr 2019 befuhren über 50 Prozent mehr Radlerinnen und Radler den Schnellweg entlang der Güterbahn als noch 2015. Der Spitzentag 2019 war der 17. Juli mit fast 4500 Radlern. So erhofft sich das Frank Uekermann auch bei der dritten Vorrang-Route.

"Auf dem FR3 gibt’s jetzt auch die grüne Welle für Fahrradfahrer", kündigt er an: In einem ersten Teil, wenn die derzeitigen Bauarbeiten in der Eschholzstraße Ende November fertig sind, und in einem zweiten, wenn der Lückenschluss im nördlichen Bereich erfolgt ist. Die Welle geht von einer Geschwindigkeit von gut 20 Kilometern pro Stunde aus. Das ist dem Amtsleiter zufolge für einige Radfahrer zu langsam, für Kinder zu schnell, aber ein recht gutes Kompromiss-Tempo.

Nach den beiden nun auf den Weg gebrachten Lückenschlüssen sind noch sechs Projekte konkret geplant und weitere in Vorbereitung, erklärt Uekermann. Und wenn die Radschnellwege fertig sind, kommen neue Projekte, parallel läuft der Ausbau normaler Radwege. "Es gibt ständig was zu tun."
FR 1: Die Route an der Dreisam
Der schnellste Radweg der Stadt geht von Ost nach West an der Dreisam entlang. Auf zwölf Kilometern gibt es keine Ampel und nur zweimal "Vorfahrt achten". Der FR 1 ist fast fertig: 11 von 15 Einzelprojekte hat das Tiefbauamt erledigt (grüne Abschnitte in der Grafik, darunter die Durchfahrt Mariensteg). Von den unerledigten Vorhaben (blau) sind zwei größer: die Verbreiterung Ganter und die Querung Fabrikstraße. "Da ist es echt eng", sagt Uekermann. Die (roten) Punkte sind in Vorbereitung und stehen auf einer Liste, die nach und nach abgearbeitet wird.

FR 2: Route an der Güterbahn

Die Route an der Güterbahnlinie ist die schnelle Nord-Süd-Verbindung, verknüpft viele Stadtteile und das Industriegebiet Nord mit dem Gewerbegebiet Haid. Neun von 15 Projekten sind fertig, darunter ganze Durchstiche unter Straßen. Nachdem mit der Bahn endlich eine Regelung gefunden wurde, ist als nächstes ein Radweg zwischen Breisacher und Elsässerstraße geplant. "Dann haben wir den Lückenschluss vom Güterbahnareal bis St. Georgen", so Uekermann. Der Bebauungsplan für die Kilianstraße könnte 2021 stehen.

FR3: Die zentrale Schnell-Route
Auch der FR 3 liegt auf der Nord-Süd-Achse, aber zentraler, so dass er auch wichtige Behörden erschließt. Im Norden soll ein Radschnellweg nach Emmendingen und Waldkirch andocken. Erst ein Projekt von sieben ist fertig, aber einiges wird nun angegangen: Ein wichtiges FR 3-Teilstück entsteht mit der Stadtbahn Waldkircher Straße, und auch in der Eschholzstraße wird schon gebaut. Der Lückenschluss im Bereich Hohenzollern-, Heiliggeist- und Friedhofstraße soll als nächstes folgen und könnte im Herbst 2023 fertig sein.

Das Freiburger Radkonzept 2020

Die drei Rad-Vorrang-Routen sind Teil des "Freiburger Radkonzepts 2020" zum Ausbau der Radinfrastruktur. Das wurde von Garten- und Tiefbauamt, Gemeinderat, Fahrradverbänden und Polizei aufgestellt und 2013 beschlossen. Das Radkonzept listet inzwischen rund 170 Einzelvorhaben auf, von der Sanierung kleiner Wege bis hin zum großen Netz von 13 Rad-Vorrang-Routen – die ersten drei sind Pilotrouten.

Damals wurden 27 Prozent der Wege in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt, gleichzeitig hatte Freiburg die meisten Verletzten im Straßenverkehr im Land. Die Ziele des Radkonzepts: weniger Radunfälle und eine Erhöhung des Radanteils im Verkehr auf über 30 Prozent. Die Verbesserung der Radinfrastruktur sollte auch helfen, damit mit dem Wachstum der Stadt nicht auch der Autoverkehr zunimmt. Dabei spielte Klimaschutz ebenfalls eine Rolle. Der Anteil der Fahrräder am innerstädtischen Verkehr liegt inzwischen bei 34 Prozent.

Im vergangenen Jahr ereigneten sich im Stadtgebiet 769 Unfälle mit Fahrrädern, was 11,5 Prozent aller Verkehrsunfälle entsprach. 2013 waren es mit 583 Rad-Unfällen 9,9 Prozent, allerdings hatte die Stadt weniger Einwohnerinnen und Einwohner.

Das Konzept ist im Fluss, immer wieder kamen neue Vorhaben hinzu. Derzeit ist Freiburgs Radwegenetz 470 Kilometer lang. Die erste Fahrradstraße wurde nach Angaben des Garten- und Tiefbauamts im Jahr 1990 ausgewiesen (Mathildenstraße), heute gibt es 17 im Stadtgebiet, die meisten davon im Zentrum. Sie haben eine Gesamtlänge von 6,3 Kilometern.

Aktuell im Bau

Dieses Jahr hat das Tiefbauamt mehrere größere Radprojekte auf der To-Do-Liste, auch für normale Radwege. Am FR 3-Radstreifen in der Eschholzstraße und Teilen der Breisacher Straße wird bereits gearbeitet, ebenso am Umbau der Waldkircher Straße. In der Tullastraße geht’s im Juni an den Radweg. In St. Georgen werden die Hagelstauden für den FR 2 zur Fahrradstraße. Als solche wird auch die Engelbergerstraße ausgewiesen. Für den FR 2 gibt es Arbeiten an der Eisenbahnbrücke über die Dreisam, Radstreifen in der Neulindenstraße und am Güterbahnhof Nord. Zudem auf der Liste: Radweg in der Berliner Allee und Radstreifen in der Günterstalstraße. Der im Friedrichring wurde nach einer Testphase dauerhaft markiert.

Der Standard der Schnellwege

Die Vorrang-Routen sollen ein angenehmes Radfahren auch über längere Distanzen ermöglichen: So lautet das Motto der Schnellwege. Als Merkmale nennt das Konzept "eine besonders gute Qualität und wenig Verzögerungen". Die Routen umfassen je nach Gebiet separate Radwege, Radstreifen oder Fahrradstraßen. Auch die Standards etwa für die Breite oder den Winterdienst sind gestaffelt. In jedem Fall sollen sie größere Radmengen aufnehmen. Stopps sollen entfallen durch Vermeiden von Kreuzungen (bei separaten Radwegen wie am Dreisamufer), durch grüne Welle (bei Radwegen oder -streifen an Hauptverkehrsstraßen wie der Eschholzstraße) oder Vorfahrt (Fahrradstraßen.

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