Meine Meinung

Warum die Kritik an Martin Horns Instagram-Auftritt total daneben ist

Anna Lob

Die Freien Wähler kritisieren den Instagram-Auftritt von Martin Horn als zu oberflächlich. Diese Kritik ist aus Sicht von fudder-Autorin Anna total fehlplatziert.

Martin Horn postet auf Instagram Bilder von seinen Socken. Ob das jetzt witzig ist oder nicht – darüber lässt sich sicherlich streiten. Was aber wirklich zu weit geht, ist der Vorwurf er würde mit solchen Postings eine "inhaltliche und intellektuelle Verflachung" von Politik erzeugen. Puh, das ist schon echt ganz schön viel.


Was steht da denn für eine Überlegung dahinter? Politikerinnen und Politiker sind nur dann toll, wenn sie ernst und unnahbar sind? Politische Inhalte sind kompliziert und dürfen deshalb niemals vereinfacht werden? Politikerinnen und Politiker sollten möglichst so kommunizieren, dass sie keiner versteht? Ich bin mir nicht sicher, ob man mit dieser Einstellung noch Politik im 21. Jahrhundert gestalten kann oder sollte.



Die Mär von den "bösen sozialen Medien"

Blicken lässt sich in der Kritik auch die Mär von "den bösen sozialen Medien", die für Fake News, Populismus und Hassrede verantwortlich sind. Dieses Bild von Social Media wird der Realität aber schlichtweg nicht gerecht. Soziale Medien sind zunächst einmal Plattformen und die Inhalte, mit welchen sie befüllt werden, stammen von Menschen. Natürlich ist es wichtig darüber zu sprechen, wie wir die Plattformen für das was dort passiert zur Verantwortung ziehen. Die angesprochenen problematischen Inhalte müssen reguliert und bestenfalls verbannt werden.

Nichtsdestotrotz müssen wir die Chancen von sozialen Medien für politische Kommunikation anerkennen. Laut der ARD/ZDF Online Studie 2020 nutzen 53 Prozent der 14 bis 29-Jährigen täglich Instagram und laut der Reuters Digital News Survey nutzen 56 Prozent der 18 bis 24-Jährigen Social Media als Ressource für Nachrichten - Tendenz steigend. Die Zielgruppe für die Kommunikation über Social Media ist damit klar.

Rechte nutzen soziale Medien systematisch

Rechtsextreme haben dieses Feld längst für sich entdeckt und nutzen soziale Medien strategisch, um ihre Inhalte zu positionieren, wie beispielsweise eine aufwendige Recherche von Correctiv zeigt. Rechte produzieren Koch- und Rapvideos und verbreiten rassistische und antisemitische Memes auf Instagram. Was folgt daraus für demokratische Kräfte und Politikerinnen und Politiker?

Hoffentlich nicht der Rückzug aus den sozialen Medien, denn damit ist am Ende niemandem geholfen. Laut der Schell Jugendstudie von 2019, welche regelmäßig 12 bis 25-Jährige in Deutschland zu gesellschaftlichen Themen befragt, bleibt die Politikverdrossenheit von Jugendlichen seit Jahren stabil und 73 Prozent der Befragten stimmen der Aussage, dass Politiker sich nicht darum kümmern, was sie denken, zu. Damit die Entstehung von Populisms keine Chance hat, ist es wichtig diesen Eindruck zu verändern.



Die Kommunikation über Social Media hat eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Politikverdrossenheit

Dabei kann die Kommunikation über soziale Medien eine Schlüsselrolle einnehmen – und das hat Martin Horn erkannt. Natürlich ist Politik kompliziert und nicht immer ist jede Diskussion spannend, aber politische Arbeit kann eben auch viel Spaß machen. Und Politiker, die ihre menschliche Seite zeigen, sind nahbarer. Die Hemmschwelle, mit ihnen in Kontakt zu treten und eine Direktnachricht per Instagram zu schicken sinkt, wenn man weiß, dass das Gegenüber offen für Impulse von außen ist.

Darüber hinaus können soziale Medien Transparenz schaffen. Die Fragerunden von Martin Horn und die Informationsvideos bieten eine niedrigschwellige Möglichkeit sich über die Corona-Pandemie zu informieren. Die Postings aus seinem Alltag zeigen, was es bedeutet als Politiker zu arbeiten. Damit wird deutlich, dass Politik eben kein elitärer separater Kosmos, sondern in das tägliche Leben von Menschen eingebunden ist und uns alle etwas angeht.

Anstatt also Martin Horn für seine politische Kommunikation über Social Media zu kritisieren, würde es deutlich mehr Sinn machen konstruktiv zu überlegen, wie Politik noch mehr Menschen erreichen und für die Demokratie begeistern kann. Damit wäre am Ende sicherlich mehr geholfen, als sich über Socken-Postings aufzuregen.

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