Liebeserklärung

Warum der Herbst die schönste Jahreszeit in Freiburg ist

Maria-Xenia Hardt

Der Sommer ist vorbei. Na und? Der Herbst ist sowieso die schönste Jahreszeit in Freiburg. fudder-Mitarbeiterin Maria-Xenia Hardt mit einer Liebeserklärung an bunte Blätter, Nebel und kühle Luft.

Es ist kurz nach acht Uhr morgens, der Nebel hängt tief in der Stadt, hat sich die Hänge drum herum runter geschlichen und wabert eine Handbreit über dem Kopfsteinpflaster, auf Knöchelhöhe – wobei die Knöchel natürlich längst gut in dicken Socken und Stiefeletten verpackt sind. Der eigene Atem formt kleine Wolken vor dem Gesicht, die man kaum vom Nebel unterscheiden kann.


Irgendwie scheint die Stadt leerer als noch im Sommer. Auf dem Münstermarkt ist weniger Gedränge. Die Touristenmassen haben sich gelichtet. Statt Erdbeeren und Spargel türmen sich Kürbisse und Dutzende verschiedenen Sorten knackiger Äpfel auf den Ständen, daneben Flaschen mit neuem Wein und Gläser mit frischgekochter Marmelade. Es ist Herbst. Und der Herbst ist wunderschön in Freiburg. Ich würde soweit gehen zu sagen: Es ist die schönste Jahreszeit in dieser Stadt.

Die Blätter an den Bäumen färben sich gelb-rot-orange und verwandeln die Hänge am Schlossberg und am Schönberg in bunt gefleckte Collagen. Auf den Gehwegen liegt heruntergefallenes Laub, und dazwischen Kastanien, noch sind sie so frisch und glänzend, dass man versucht ist sie zu sammeln und zu horten und Tiere daraus zu basteln, so wie früher in Kindertagen.

Klar, manchmal ist das Wetter im Herbst nicht ganz so schön und zuverlässig sonnig wie im Hochsommer, aber wenn sie dann kommen, diese gloriosen Herbsttage mit tiefblauem Himmel und goldenem Licht, wenn man stundenlang in der Sonne sitzen oder spazieren gehen kann ohne allzu sehr zu schwitzen, wenn die Strahlen das Gesicht wärmen und der Rest des Körpers wohlig in einem dicken Strickpulli steckt, dann liegt ein Schleier von Glückseligkeit über der Welt. Es ist nicht so ausgelassen wie im Frühjahr, wenn Dunkelheit und Kälte weichen, sondern ein ganz tiefes und ruhiges Gefühl. Die Bäume, die Sonne, das Leben – sie geben noch einmal alles und jeder schöne Tag ist ein Fest.

"Das ist die Poesie des Herbstes."

Der Herbst ist auch die Zeit der Dankbarkeit. Wenn die Eichhörnchen Nüsse horten und die Vögel sich zusammenscharen, um gen Süden zu fliegen, wenn die Ernte eingefahren ist und die Trägertops im Schrank ersetzt durch Wollpullover, dann ist es Zeit innezuhalten und sich all der Dinge bewusst zu werden, um die man sich glücklich schätzen kann – angefangen bei Dach über dem Kopf über eine warme Tasse Tee bis hin zur Gesellschaft lieber Menschen an den immer kürzer und dunkler werdenden Tagen. Das ist die Poesie des Herbstes.

Freiburg lädt ein, diese Jahreszeit besonders zu genießen, viele Flecken der Stadt erstrahlen im Herbst in einem ganz besonderen Licht – manche mystisch, manche farbenfroh; manche weit, manche eng und beschützend. Der Alte Friedhof zum Beispiel ist nie so eindrucksvoll wie im Herbst: Die Bäume ragen kahl in den Himmel, die Statuen mit ihren fehlenden Kanten stehen grau vor grauem Himmel, in den Wasserbecken schwimmen herabgefallenen Blätter.

Der Münstermarkt ist nie so wunderbar wie im Herbst

Wer am Wochenende früh aufsteht und Richtung Schwarzwald fährt, in den Sonnenaufgang hinein, der findet die Landschaft so unendlich weit vor wie sonst nie, die Wiesen betaut, die Seen mit einer Nebelschicht überzogen. Im Herbst abends durch die Altstadt zu laufen, wenn ein leichter Nieselregel runtergeht, hat seinen ganz eigenen Charme, man fühlt sich in den engen Gassen seltsam geborgen.
Und der Münstermarkt – der Münstermarkt ist nie so wunderbar wie im Herbst in just dem Moment, in dem die Sonne durch den Nebel bricht und er sich verflüchtigt, sodass nur die Wolken des eigenen Atems übrigbleiben und die kühle, klare Luft auf einen goldenen Tag hoffen lässt.

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