Serie "Das wird mein Jahr"

Wann Martin Burgos wieder in seine Heimat Peru reisen kann, ist unklar

Anika Maldacker

Viele Freiburger ohne EU-Pass konnten 2020 ihre Familie im Ausland nicht besuchen. Martin Burgos aus Peru ist einer von ihnen. Wann der Berufsmusiker seine Heimat besuchen kann, ist unsicher.

Ob sich für Martin Burgos 2021 etwas ändern wird, ist unsicher. Als professioneller Musiker kann der 25-Jährige nur hoffen, dass ab Sommer wieder Live-Konzerte möglich sind – und auch Reisen. Denn der gebürtige Peruaner kann seit Ausbruch der Pandemie nicht mehr zu seiner Familie nach Südamerika fliegen.

"Normalerweise besuche ich meine Familie im Februar", sagt Martin Burgos. Denn dann ist auf der Südhalbkugel Sommer und ihn erwarten in seiner Heimat Sandstrand und der kalte Pazifik. Seinen Aufenthalt dort verbringt er meist im Küstendorf Mejía mit seiner Familie. Oder bei Ausflügen mit den Eltern ins Colca-Tal. Ursprünglich kommt Martin Burgos jedoch aus Arequipa, der zweitgrößten Stadt des Landes, die weit im Süden liegt. Viele Arequipeños verbringen ihren Sommer an der Pazifikküste in einem der vielen Küstenorte, die sich im Winter wieder in Geisterdörfer verwandeln. Ausländische Touristen sieht man dort kaum.

Für 2020 hatte Martin Burgos seinen Heimatbesuch erst auf April verschoben – und musste ihn dann komplett absagen. Auch der geplante Gegenbesuch seiner Eltern im Juni konnte nicht stattfinden. Und auf ein Wiedersehen in diesem Jahr hofft er nur bedingt: "Vielleicht könnte ich Weihnachten dieses Jahr nach Peru, wenn ich geimpft bin", schätzt er. Eine Einreise ist zwar seit Dezember wieder möglich – aber nur mit negativem PCR-Test oder einer 14-tägigen Quarantäne nach der Ankunft. Allerdings warnt das Auswärtige Amt vor nicht notwendigen Reisen nach Peru. Das Land ist mit mehr als einer Million Infizierter und fast 38.000 Todesopfern stark von der Pandemie getroffen. Wann dort mit den Impfungen begonnen wird, ist unklar.

Rund 60 Auftritte abgesagt

Der 25-jährige Martin ist als Musiker und Selbstständiger auch beruflich von der Pandemie betroffen. Die Auftritte, die er mit seinen Freiburger Bands 2020 geplant hatte, wurden fast alle abgesagt. Er ist Schlagzeuger bei der Latino-Band El Flecha Negra und bei der Cumbia-Formation Atole Loco, außerdem hat er eine Latin-Band in den Jazz- & Rock-Schulen. Nur rund ein halbes Dutzend Konzerte konnte er vor der Pandemie spielen – und musste 60 Auftritte absagen.

Danach konnten sie nur wenige Live-Streams, wie beim digitalen Zelt-Musik-Festival, oder Auftritte bei Hochzeiten absolvieren. "Ich vermisse die Konzerte und das Nachtleben", sagt Burgos. Er rechnet aber erst Mitte 2021 damit, dass sich etwas in der Kulturbranche ändert. Für Berufsmusiker kein einfaches Jahr – aber der Schlagzeuger nimmt’s gelassen.

Keine schlimme Corona-Fälle in der Familie

Er hat weitere Standbeine, die ihm nun helfen, in der Krise über die Runden zu kommen. An den Jazz- & Rock-Schulen, wo er seit seiner Ankunft in Freiburg 2015 studiert hat, unterrichtet er als Musiklehrer. Und auch privat gibt er Musikunterricht. Einige seiner Schüler sind in der Krise abgesprungen, aber das hat Martin Burgos finanziell nicht in Bedrängnis gebracht. Außerdem hat er mit einem Freund mehrere Live-Streams in der Region technisch organisiert – und er ist auch als Videoproduzent für Musik- und Naturaufnahmen tätig. Im Notfall kann ihn seine Familie finanziell unterstützen. Die hat er zwar seit Februar 2019 nicht mehr leibhaftig gesehen, dafür aber zwei bis drei Mal die Woche über Video-Telefonate. "Meine Eltern haben in der Pandemie oft von zuhause gearbeitet", sagt Martin Burgos.

In seiner Familie habe es keine schlimmen Corona-Fälle gegeben. Nur das Hotel im Colca-Tal, das seinem Vater gehört, stehe leer. Hauptberuflich arbeitet sein Vater aber in einem Textilunternehmen, das sich auf Alpaka-Kleidung spezialisiert hat. Seine Mutter ist Restauratorin im bekannten Kloster Santa Catalina in Arequipa, das dort eine der größten Touristenattraktionen ist. Beide mussten aber ins Home-Office und weniger arbeiten. "Mein Vater war froh über die viele Freizeit, weil er mehr kochen und radfahren konnte", erzählt Burgos. Auf seine Eltern, seine Familie und Freunde freut er sich am meisten. "Aber auch auf das peruanische Essen", sagt er lachend. Rocoto relleno, gefüllte Chili, oder Gerichte mit frischen Meeresfrüchten – das ist in Deutschland schwer zu finden. Aber ein Stück Heimat hat der 25-Jährige hierzulande: Sein Bruder wohnt in Karlsruhe.

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