Winter-Spielstätte

Wallgraben-Ensemble spielt ab 21. Oktober im ehemaligen Autohaus

Laura Wallenfels

Neue Winter-Spielstätte für das Wallgraben Theater: Um alle Projekte trotz Abstandsregeln verwirklichen zu können, zieht das Ensemble temporär in das ehemalige Autohaus-Südwest in der Munzinger Straße.

Das 14.000 Quadratmeter große Gelände wurde von dem Bauprojektentwickler Strabag Real Estate aufgekauft. Die Hallen sollen im kommenden Jahr abgerissen werden, geplant ist hier ein Bürokomplex. In der Zwischenzeit stellt der Bauprojektentwickler die Hallen dem Freiburger Privattheater zu Verfügung. Das Theater darf das Gelände bis Ende Januar mietfrei nutzen. "Das Autohaus ist ein wahrer Glücksgriff für das Wallgraben Theater", sagt Hans Poeschl, Mitinhaber und künstlerischer Leiter des Theaters.


Zwar nicht mehr ganz so zentral wie die Kellerbühne des Wallgraben Theaters in der Freiburger Innenstadt, doch auch der neue Standort bringt Vorteile mit sich: Das ehemalige Autohaus bietet eine Menge Parkplätze für die Besucher und aus der Innenstadt erreicht man das Theater gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Haltestelle Munzinger Straße befindet sich quasi direkt vor der Haustür.

Drastische Einnahmeausfälle

Die Auswirkungen der Pandemie sind für Kultureinrichtungen und Kunstschaffende deutlich zu spüren. Hygienekonzepte sind schwer einzuhalten und meist mit großem Aufwand und Kosten verbunden. Die begrenzten Zuschauerzahlen sorgen im Spielbetrieb für drastische Einnahmeausfälle.

In den geräumigen Hallen der alten Autowerkstatt können die Auflagen jedoch gut umgesetzt werden und unter Einhaltung der Abstandsregeln finden knapp 100 Zuschauer im Publikum Platz. Gerne würde Poeschl die Räumlichkeiten voll und ganz ausnutzen und sie ebenfalls dem Freiburger Kulturbereich zu Verfügung stellen, sei es für Ausstellungen oder Chorproben. "Wir haben das Glück, große Unterstützung zu erfahren und würde diese Unterstützung sehr gerne an andere weitergeben."

Wie der Spielplan für die Sommersaison aussehen wird, ist aufgrund der Coronapandemie noch nicht sicher. Geplant sei eine Wiederaufnahme des Freiburger Jedermanns, so Mitinhaberin Regine Effinger, und auch von der Freiluftsaison verspreche man sich viel.

Tragikkomödie "Vater" ab 21. Oktober

Jetzt fiebert das Team jedoch erstmal dem Saisonstart in der neuen Umgebung entgegen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Aufgeführt wird die Tragikomödie "Vater" von Florian Zeller (21. Oktober) unter der Regie und Bearbeitung von Hans Poeschl. Der achtzigjährige André ist an Alzheimer erkrankt, lebt allein in seiner Wohnung und hat eine Tochter, Anne, die sich um ihn kümmert. Die Tragikomödie behandelt die Krankheit aus der Perspektive des Erkrankten selbst. Der Zuschauer wird mitgenommen in Andrés Leben, erlebt seinen emotionalen Zustand und stürzt mit ihm in menschliche Abgründe. Die Veränderung von Andres Wesen und seiner Sicht auf die Welt spiegelt sich auch im Bühnenbild wider es verändert sich stetig.
Was: Vater
Wann: ab 21. Oktober
Wo: Wallgraben Südwest, Munzinger Str. 2
Tickets: wallgraben-theater.com/tickets

Das zweite Stück, das im Autohaus aufgeführt wird, ist die Theaterfassung zum gleichnamigen Kinoerfolg "Wir sind die Neuen" (ab 18. Dezember). Die Komödie handelt von zwei Wohngemeinschaften in einem Haus. Gestresste Studenten an der Grenze ihrer Belastbarkeit treffen auf entspannte Alt-68er, die ihren zweiten Frühling erleben wollen. Ein humoristischer Generationenclash, der sich zum Guten wendet.

Auch in der Stammspielstätte im Rathauskeller wird diesen Winter Schauspiel zu sehen sein. Achtmal wird Loet Vekemans Theatermonolog "Judas" (ab 2. Dezember) vor knapp zwanzig Leuten aufgeführt. Im Februar geht es mit Colm Tóibíns thematisch passenden Monolog "Marias Testament" weiter.