Politik

Wahl-O-Mat, Voteswiper, DeinWal: Diese Online-Tools helfen vor der Bundestagswahl

Anika Maldacker

Die Bundestagswahl steht vor der Tür – und Du bist noch unsicher, wen Du wählen sollst? Im Netz gibt es einige Online-Wahlhilfen, die Orientierung geben können. Aber: Sie wollen keine Wahlempfehlung abgeben – am besten, Du informierst dich noch darüber hinaus.

Wahlswiper

Der Wahlswiper will die erwachsene Alternative zum Wahl-O-Mat sein – und erinnert in seiner Anwendung an Tinder. In 36 Fragen kann man sich durchswipen, 36 der 39 bei der Bundestagswahl antretenden Parteien haben Antworten eingeschickt. Der Wahlswiper, auch Voteswiper genannt, ist sogar teils "Made in Freiburg". Ein Team um den Freiburger Politikwissenschaftler Uwe Wagschal hat die Anwendung zusammen mit dem Verein Voteswiper entwickelt. Dazu hat die Gruppe an alle Parteien dieselben Fragen geschickt – und auf der Basis der Antworten Thesen und Fragen aufgestellt. Das Besondere daran ist, dass die Wahlhilfe in sieben Sprachen übersetzt wurde. Auch die VielRespektStiftung unterstützt die Kampagne. Die Fragen reichen von: Sollen zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie die Steuern und Abgaben erhöht werden? Bis: Soll ein bundesweiter Mietendeckel eingeführt werden? Hilfreich: Zu jeder Frage gibt es ein Video, das das Thema kurz umreißt. Die Daten werden anonym für die Forschung verwendet.



Wahl-O-Mat

Er ist der Klassiker unter den digitalen Wahlhilfen: Der Wahl-O-Mat. Nächstes Jahr feiert das Informationsangebot der Bundeszentrale für politische Bildung (Bpb) seinen 20. Geburtstag. Laut Bpb wurde er im Vorfeld großer Wahlen mehr als 85 Millionen Mal genutzt. Er funktioniert ganz einfach: Zu 38 Fragen können Nutzerinnen und Nutzer ihre Zustimmung, Ablehnung oder Neutralität bekunden. Dazu errechnet der Wahl-O-Mat die persönliche Übereinstimmung für die 39 Parteien, die Antworten geliefert haben. Themen, die einem besonders wichtig sind, können doppelt gewichtet werden. Am Ende kann man sein Ergebnis analysieren und die Antworten mit beliebigen Parteien vergleichen. Ein 19-köpfiges Team aus Jungwählerinnen und -wählern zwischen 18 und 26 Jahren hat die Fragen zusammen mit Experten und Expertinnen und Wissenschaft, Journalismus, Bildung und der Bpb zusammengestellt.

DeinWal

Bei dieser Variante gibt es einen entscheidenden Unterschied zum Wahl-O-Mat und Wahlswiper: Bei DeinWal dient das Abstimmungsverhalten der Parteien in der vergangenen Legislaturperiode als Grundlage. Das führt dazu, dass nur die derzeit sechs im Bundestag vertretenen Parteien berücksichtigt werden. Behandelt werden die Themen Umwelt und Natur, Gesellschaft, Internationales sowie Wirtschaft und Finanzen. Hinter dem Projekt stecken drei Privatpersonen, die Interesse an Politik haben – und angeben, alles ehrenamtlich zu machen. Auch versprechen sie, dass DeinWal keine unnötigen Daten speichert.
Web: DeinWal

Sozial-O-Mat

Dieses Angebot der Diakonie behandelt gewollt nur soziale Themen und welche Rolle sie bei dieser Wahl spielen. Zu den Themenfeldern Arbeit, Gesundheit, Familie und Kinder sowie Migration gibt es kurze Erläuterungen, warum sie relevant sind. Zu jedem Themenblock werden fünf Fragen gestellt, denen man zustimmen oder die man ablehnen kann – oder Neutralität signalisieren. Anschließend wird die Übereinstimmung angezeigt – allerdings nur mit den sechs derzeit im Bundestag vertretenen Parteien.

Klimawahlcheck

Das große Thema dieser Wahl hat eine eigene Wahlentscheidungshilfe: Beim Klimawahlcheck kann man mehr, als Ja und Nein anklicken. Hier gibt es sechs Themenfelder, die mit Klimafragen zu tun haben – von Energie, bis Industrie und zu Landwirtschaft. Zu jedem Komplex gibt es vier bis fünf Fragen, zu denen man in fünf Abstufungen Zustimmung oder Ablehnung signalisieren kann. Grundlage bieten die Wahlprogramme der CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken. Hinter dem Projekt steckt das Bündnis Klima-Allianz Deutschland, der Deutsche Naturschutzring, sowie der Verein GermanZero und der Naturschutzbund.

Agrar-O-Mat

Das digitale Medium Agrarheute hat mit dem Agrar-O-Mat ein eigenes Informationsangebot für die Bundestagswahl aufgestellt. Durch insgesamt 24 Thesen kann man sich klicken. Die Anwendung richtet sich vor allem an Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, aber auch an solche, denen Tierschutz, Ökologie und die Situation der Landwirte wichtig ist. Die Fragen drehen sich um Themen wie Weidetierhaltung, Glyphosat-Einsatz, Düngeverordnung und Ökolandbau. Abgeglichen werden die Antworten mit den Positionen der sechs im Bundestag vertretenen Parteien.

Wahlkompass

Auch der Wahlkompass ist an einer Universität entwickelt worden. Ein wissenschaftliches Team unter der Leitung von Norbert Kersting und Jan Philipp Thomeczek der Universität Münster steckt dahinter, eine auf digitale Wahlhilfen spezialisierte Agentur hat das Design übernommen. Zu Beginn werden persönliche Daten erhoben – zu Forschungszwecken. Diese Hürde verdirbt sicher einigen die Lust. Gut: Die Antwortmöglichkeiten bewegen sich in fünf Kategorien zwischen "Stimme vollkommen zu" und "Stimme überhaupt nicht zu". Auch "Keine Meinung" ist möglich. Am Ende wird man auf einem Koordinatensystem zwischen Eigenverantwortung, Umverteilung, Progressiv-Ökologisch und Konservativ-Traditionell verortet. Allerdings sind nicht alle Parteien vertreten, sondern nur die, die bei der Europawahl 2019 einen Sitz gewonnen haben.

Wahltraut

Und noch ein Wahlhilfe-Programm, das seinen Fokus auf spezielle Themen legt: Bei Wahltraut sind das Fragen der Gleichstellung, der Rechte von LGBTQIA+, zu Anti-Rassismus und Inklusion. Die Gleichberechtigung der Geschlechter steht im Fokus. Dahinter steckt die Initiative #stattblumen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, strukturelle Benachteiligung von Frauen innerhalb der Corona-Pandemie aufzuzeigen. Bei den 32 Fragen an fünf Parteien geht es um feministische Themen wie ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit, mobiles Arbeit oder Parität in Unternehmen und Parlamenten, aber auch die Frage nach 12 Euro Mindestlohn.

Steuer-O-Mat

Hier können Wahlentscheidungen auf die Probe gestellt werden: beim Steuer-O-Mat. Er verrät dem Nutzer und der Nutzerin, wie sich die Steuerpläne der Parteien auf das eigene Nettoeinkommen auswirken könnten. Ihm reichen drei Angaben: Jahresbruttoeinkommen, Familienstand und Anzahl der Kinder – dafür spuckt er aus, mit welcher derzeit im Bundestag vertretenen Partei am meisten Nettoeinkommen zusätzlich rausspringen könnte. Dahinter steckt das Steuererklärungsprogramm Smartsteuer und das Institut der deutschen Wirtschaft.

Wahldatenhelfer

Anders als die anderen Tools, gibt es beim Wahldatenhelfer die Möglichkeit, Themen zu Bildung, Digitalisierung, Migration, Arbeit und Soziales mit den Meinungen der sechs im Parlament vertretenen Parteien zu vergleichen. Am Ende wird keine prozentuale Übereinstimmung mit einzelnen Parteien gezeigt. Hinter dem Projekt stecken zwei netzaffine Gründer, die die Idee in einem Hackathon entwickelt haben und die Seite zusammen mit einem studentischen Team der TH Köln gebaut haben.

Wie entscheidest du?

Kein Informationsangebot, das bei der Wahlentscheidung helfen kann, aber durchaus interessant: Der SWR hat ein webbasiertes "Serious game" für Erstwählerinnen und Erstwähler aufgesetzt, mithilfe dem man sich eine Vorstellung vom Politikbetrieb machen kann. Nutzer müssen zu Beginn auf Skalen ihre demokratische Werteorientierung festlegen, um sich dann von Reportern befragen zu lassen – und dabei möglichst authentisch zu bleiben.

Musik-O-Mat

Diese Wahlhilfe ist was für witzige Abende mit Freunden: Beim Musik-O-Mat wird dein Musikgeschmack mit dem der Parteien verglichen. Hinter der Plattform steckt der französische Streamingdienst Deezer. Neun Fragen – mit mehreren Songvorschlägen: Das Ergebnis überrascht garantiert. Der Musik-O-Mat ist eher ein Party- und Social-Media-Gag, als eine ernstgemeinte Entscheidungshilfe – aber er bringt zum Lachen!