Neue Corona-Regeln

Viele Clubs und Diskotheken dürfen öffnen, aber es rentiert sich kaum

Anika Maldacker

Ihre Branche ist stark von der Pandemie betroffen: Clubs und Diskotheken. Bei niedrigster Inzidenz dürfen sie wieder öffnen, aber das lohnt sich kaum. Daher weichen einige auf Barbetrieb aus.

Sie gehören zu den Branchen, die von den Folgen der Pandemie stärksten getroffen sind: Clubs- und Diskotheken. In der neuen Corona-Verordnung wird ihnen zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr eine Öffnung erlaubt – aber nur die wenigsten Betreiber können sich darüber freuen.

Ein Lichtblick für Clubs- und Diskothekenbetreiber: Laut der aktuellen Corona-Verordnung vom Freitag können sie unter bestimmten Voraussetzungen öffnen. Beim zweiten Blick scheint die Zuversicht aber getrübt, denn der Clubbetrieb ist an strenge Kriterien gebunden: Ausschlaggebend ist, ob der betreffende Kreis in die Inzidenzstufe 1 fällt – also wenn er fünf Tage in Folge eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 10 hat. Dann darf nur eine Person je angefangene zehn Quadratmeter in die Lokalität eintreten – und muss einen Negativtest oder einen Impf- oder Genesenennachweis (3G) haben. Außerdem muss der Betreiber ein Hygienekonzept vorlegen und die Daten der Besucherinnen und Besucher erheben.

Ab Inzidenzstufe 2 ist der Clubbetrieb untersagt

Ab Inzidenzstufe 2, die nach fünf Tagen in Folge über 10 in Kraft tritt, muss der Clubbetrieb wieder eingestellt werden. Aktuell könnten die Diskos in den Kreisen Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Ortenau und Waldshut unter diesen Bedingungen öffnen. Für den Kreis Lörrach gelten die Regeln frühestens am Mittwoch.


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"Tatsächlich können Diskotheken bei der Inzidenzstufe 1 öffnen", sagt der Geschäftsführer der Dehoga-Geschäftsstelle in Freiburg, Alexander Hangleiter. "Allerdings rechnet sich das wahrscheinlich für keinen." So sieht das auch Pino Raia, der in Freiburg das "Neko" im Bahnhofsturm sowie den Club "Karma" an der Bertoldstraße betreibt: "Das lohnt sich nicht." Das "Neko" im 17. und 18. Stockwerk öffnet er am Freitag nach einer mehrmonatigen Corona-Pause wieder – aber als Bar, wie schon im vergangenen Sommer.

"Für uns lohnt es sich nicht, mit diesen Regeln zu öffnen." Ricardo Rivera Cubas, Clubbetreiber
Die frühere Tanzfläche ist mit Tischen und Stühlen im Mindestabstand zugestellt, denn für Bars und Kneipen gelten gemäßigtere Corona-Regeln. Mit der neuen Landesverordnung entfällt die 3G-Regel für Innenräume. Im vergangenen Sommer hatte Raia das Neko nach dem gleichen Prinzip mit DJ-Musik geöffnet. Damals hatte das Club-Personal Probleme, den Besucherinnen und Besuchern zu vermitteln, dass die Tische und Stühle nicht beiseite geschafft werden – und die Tanzfläche nicht mehr als solche genutzt werden durfte.

Ergebnisse der Modellprojekte könnten weitere Lockerungen bringen

Andere Clubbetreiber wollen abwarten. "Für uns lohnt es sich nicht, mit diesen Regeln zu öffnen", sagt Ricardo Rivera Cubas, der das "Mamita" an der Nußmannstraße in Freiburg betreibt. Er könnte lediglich zwischen 20 und 30 Leute einlassen. Auch einen Barbetrieb hält er für schwierig. "Im Sommer war es schon vor Corona schwierig, wenn man keine Terrasse hat", sagt er. Im "Great Räng Teng Teng" an der Freiburger Grünwälderstraße stellt man sich die Frage der Öffnung nicht. "Wir könnten höchstens fünf Personen einlassen", sagt DJ Tom Grigat. Auch in Lahr sitzen die Diskothekenbetreiber auf heißen Kohlen. Der Club "Mensch Meier" am Lahrer Flugplatz will am Freitag öffnen – aber als Biergarten.

Weitere Lockerungen für Clubs könnten kommen, wenn die Modellprojekte in zwei Ravensburger Clubs erste Ergebnisse liefern. Diese Clubs haben ihren Betrieb allerdings noch nicht aufgenommen und Ergebnisse werden frühstens nach vier Wochen erwartet.

Ganz anders geht es in Schweizer Clubs zu. Diese sind seit Samstag wieder geöffnet – ohne Maskenpflicht und sonstige Beschränkungen für alle, die eine Impfung, Genesung oder ein negatives Testergebnis nachweisen können. Dort dürfen bis zu 250 Menschen drinnen tanzen.

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