Ersthelfer-App

Verein der Lebensretter will ein Defibrillatoren-Netzwerk in Freiburg schaffen

Simone Höhl

Am heutigen Tag des Notrufs starten weitere Landkreise die Lebensretter-App aus Freiburg. Der Verein hinter dem Programm will nun ein Netz frei zugänglicher Defibrillatoren in der Stadt aufbauen.

Sobald ein Herz stehen bleibt, läuft die Zeit: Lebensretter müssen schnell zum Notfall kommen. Eine Freiburger App hilft dabei, sie alarmiert Profi-Ersthelfer in der Nähe und lotst sie zum Patienten. Dieses Netzwerk wächst: 770 Ersthelfer sind in Freiburg und der Region nun registriert. Und am Tag des Notrufs starten Landkreise in Württemberg die App. Von dort übernimmt der Freiburger Verein Technik für eine Defibrillatoren-Datenbank. Er will ein Netz mit frei zugänglichen Geräten in der Stadt aufbauen.


Als Michael Müller jemanden am Hauptbahnhof abholen will, wird er alarmiert: Ein Tourist hat einen Herzstillstand am Novotel. Er erhält Hilfe vom Profi: Müller ist Chef der Notfallmedizin im St. Josefskrankenhaus und des Vereins "Region der Lebensretter". In einer Minute ist er beim Patienten. "Das erreichen Sie mit keinem Rettungsmittel, da können Sie noch so viele Millionen reinstecken", sagt er in seinem Büro in der Klinik für Anästhesiologie.

Wer kann schneller als der Notarzt sein?

Der Verein hat vor anderthalb Jahren das Pilotprojekt in Freiburg und im Breisgau-Hochschwarzwald gestartet, für das er die App "FirstAED" weiterentwickelte. Meldet ein Anrufer der Integrierten Leitstelle einen bewusstlosen Menschen, setzt sie außer Notarzt und Rettungswagen auch die App in Gang.

Der Server fragt den Smartphone-Standort der Helfer ab und fragt all jene, die schneller als Notarzt und Rettung sein können, ob sie den Einsatz annehmen. Die zwei Schnellsten schickt sie zum Patienten, "und den Dritten zum nächsten Defibrillator, den er zur Einsatzstelle bringt", erklärt Müller. An seinem Fenster lehnt ein Scheck über 7000 Euro: Der Verein gewann den Preis "Helfende Hand" des Bundesinnenministeriums.

Freiwillige Helfer mit Ausbildung

Ein bis drei Mal am Tag werden die Helfer alarmiert, die sich zufällig in der Nähe eines Notfalls befinden. Beginnt nicht fünf Minuten nach einem Herz-Kreislaufstillstand die Herzmassage, behält das Gehirn Schäden. So schnell ist die Rettung meist nicht mal in der Großstadt da. Als Freiwillige arbeiten zum Beispiel Klinikpersonal oder Feuerwehrleute. Mindestanforderung ist eine Sanitätshelfer-Ausbildung. Auch nach Medienberichten bieten Leute ihre Hilfe an, wie ein 78-jähriger Zahnarzt im Ruhestand. "Und so zieht das System langsam Kreise", sagt Müller.

Jetzt kommen weitere hinzu. Am 11. 2. – wegen der 112 der Tag des Notrufs – starten die Landkreise Ostalb und Heidenheim die App; kurz zuvor Ulm, die Rot-Kreuz-Kreisverbände Aalen und Biberach. "Jetzt ist die Lawine am Rollen." Bald sollen die Server anwesende Lebensretter aus den jeweils anderen Kreisen erkennen und das Helfer-System potenzieren. Auch in Emmendingen und der Ortenau besteht Interesse. "Das ist die billigste Form, Leben zu retten", meint der Chefarzt. Das Projekt habe bisher 50 000 Euro gekostet . Spenden kamen von Kommunen, Banken und Krankenkasse.

Bürger sollen für Defibrillatoren in ihrer Nachbarschaft spenden

Müller klickt an seinem Computer auf eine Karte, die öffentliche Defibrillatoren zeigt. Im Zentrum gibt es einige, aber in Herdern und der Wiehre keine. Mit einer "Defi-Map" wollen die Lebensretter künftig den Ersthelfern nicht nur die wenigen Geräte anzeigen, die rund um die Uhr zugänglich sind, sondern zu den jeweiligen Öffnungszeiten von Supermärkten und Einrichtungen auch die anderen.

"Und wir wollen Freiburg herzsicher machen", sagt der Vorsitzende: In den nächsten Wochen wollen sie in der Karte strategische Positionen von frei zugänglichen Defis einzeichnen und Geld sammeln. Einer kostet samt Betrieb für acht Jahre 4000 Euro, sagt Müller. "Jeder Bürger kann für den in seiner Nachbarschaft spenden." Die Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und Stefan Breiter wollen die Geräte gegen Diebstahl und Vandalismus versichern und welche an städtische Feuerwehrhäuser montieren.
Mehr Infos unter regionderlebensretter.de

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