Verborgene Theken: Imbiss-Station in Waldkirch

Stephan Elsemann

Die Handwerker sind schuld. Sie haben die Gründung einer der nettesten Imbissbuden der Region zu verantworten. Pardon: Imbiss-Stationen. Denn Mike Bauers silberglänzende Versorgungeinrichtung in Waldkirch ist nun wirklich mehr als nur ein Büdchen.



Ambiente

Mike Bauer ist der Wirt des Storchen in Waldkirch, eines traditionellen Gasthofs mitten in der Stadt. Und als Storchenwirt beobachtete er, dass die Handwerker in ihrer Arbeitskluft nie Lust hatten sich zu Mittag bei ihm im Gasthof niederzulassen. Da war's zu fein für die Blaumänner.

Und so kam er auf die Idee mit dem Imbisswagen für seinem Mittagstisch. Gutes Essen sollte es geben, aber in einem Ambiente, in dem sich jeder wohlfühlen kann. So besorgte sich Bauer einen großen Imbisswagen, den er mit allem ausstattet, was eine Küche braucht, inklusive großer Kühlschränke. Nebendran parkte er einen großen ausrangiertern Autobus, der als Speisesaal dient, wenn man mal nicht draußen sitzen kann.



Und das funktioniert aufs beste. Als wir gegen halb zwei dort ankommen, ist die Rush-Hour schon vorbei und der große Topf mit dem Putenragout fast leer. 80 Portionen hat der Wirt schon verkauft. Zusätzlich noch Eintopf und Imbissgerichte wie Pommes, Grillwürste und Merguez. Man kann sagen, der Laden brummt. Und auch die Anzugträger fühlen sich wohl hier. Es muss etwas mit Mike Bauer selbst zu tun haben. Der ist nämlich ein Charmeur, der mit allen weiblichen Gästen flirtet, strahlt, und stets zu Scherzen bereit ist. Die gute Laune, die er verbreitet, trägt ganz erheblich zum Erholungswert der Mittagspause seiner Gäste bei. Da müsste das Essen nicht mal so gut sein, wie es ist.



Auf der Speisekarte

Die Imbiss-Station besteht seit einem Jahr und hat sich einen guten Ruf erworben – auch wegen der Küche. Wir lassen uns die letzte Portion Putenragout schmecken. Die ist reichlich bemessen, damit auch die Handwerker satt werden, und schmeckt wirklich gut. Man merkt, dass das Gemüse frisch ist. Jeden Tag gibt es etwas anderes. Meist sind es vertraute Kombinationen wie Schnitzel mit Pommes der Calamares mit Knobi-Dip oder auch ein paniertes Fischfilet mit Kräuterkartoffeln wie jetzt am kommenden Freitag. Der Preis ist immer 5,20 Euro. Alternative ist ein Tageseintopf für 4,50 Euro.

Mike Bauer macht hier einen wirklich guten Job und das möchten wir noch einmal festhalten. Denn bei den klassischen Büdchengerichten gibt es leichte Abstriche. Das fängt bei der Currywurst an. Er solle doch die "lange Rote" als Currywurst nehmen, rieten ihm seine Gäste, und Bauer hörte auf sie. Doch bei aller Liebe zur langen Roten, eine Currywurst wird nicht daraus, wenn man sie klein schnippelt. Ein Currywurst sollte dicker seien und insgesamt weicher, im Original wäre sie sogar ohne Haut. Erst dann kann sie Sauce binden und darum geht es ja auch bei der Currywurst. Bei der Münsterwurst dagegen kommt es mehr auf die knackige Kruste an.



Und es muss wohl ein Traum bleiben, dass jemand von den Imbisswirten sich irgendwann die Mühe machen wird, die Pommes selbst zu schneiden und zweimal zu fritieren. In Freiburg und Umgebung leider Fehlanzeige. Genau wie eine gute Mayonnaise. Meist bekommt man – wie hier – eine so genannte Salatmayonnaise mit 50 Prozent Fett, was bedeutet, dass die anderen 50 Prozent Wasser und Bindemittel sind. Fazit: der Klassiker Currywurst mit Pommes und Mayo bewegt sich durchaus auf dem Niveau der besseren anderen Imbissplätze, doch ist auch hier leider keine Offenbarung.

Doch dann gibt's doch noch ganz überraschend einen Lichtblick, als wir die "Spicy"-Sauce probieren. Geniale Sache! Würzig, süß, doch nicht allzu zu spicy, besitzt sie alle Qualitäten, die eine Currysauce haben soll. Und das allerbeste: Mike Bauer verrät uns, wie sie gemacht wird. Eigentlich war's ja gar nicht seine eigene Idee, denn er mag kein scharfes Essen. Seiner Freundin Andrea Gebhard verdanken wir die Spicy-Sauce: Zwölf (!) Habanero-Chilies klein schneiden. Vorsicht mit den Habaneros, sie sind extrem scharf. Etwas Salz und Pfeffer dazu. Ein großes Glas Honig darüber gießen, umrühren. Das war's schon. Sie wird im Verhältnis eins zu drei mit einer normalen Currysauce vermischt. Oder mit anderen Saucen kombiniert. Solo ist sie zu scharf zum essen.



In der Imbiss-Station bekommt man eine Currywurst mit Pommes für 4,10 Euro, mit Spicy-Sauce für 4,30 Euro. Das gleiche kostet eine Merguez mit Pommes. Merguez gibt es auch im Brötchen für 2,80 Euro. Einer Kundin gelüstete es nach einer "Merguez Americano" – eine Merguez im Brot, bei der noch ein paar Pommes ins Brötchen geklemmt werden. Das Rezept zur schrägen arabisch-amerikanischen Allianz im Brot gelangte wohl über einen Lebenskünstler aus Marbella nach Freiburg, in die Freiaukneipe, von wo es dann nach Waldkirch kam.

Kaffeepreis

Mike Bauer führt ausschließlich Softdrinks. Alle Getränke kosten einheitlich zwei Euro. Cola, Fanta, Sprite bekommt man in 0,33-Liter-Flaschen. Mineralwasser und Säfte werden im Halblitergebinde kredenzt.


Wegbeschreibung

Vom Hauptbahnof fahren Züge nach Waldkirch im Halbstundentakt. Praktischer ist es, eine Station weiter zu fahren und in Kollnau auszusteigen. Dort vom etwas erhöht liegenden Bahnhof herunter zur Hauptstraße laufen und links herum rund 700 Meter zurücklaufen, bis man an einen großen Parkplatz kommt.

Adresse

Imbiss-Station
Lange Straße 109
79183 Waldkirch
07681-4749590 Storchen
info@zum-storchen-waldkirch.de
Web: Imbiss-Station

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
11 bis 15 Uhr

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Foto-Galerie: Stephan Elsemann