Kirchererbsen und mehr

Verborgene Theken: Das Masala Haus in Haslach

Matej Snethlage

In Haslach gibt es zwischen Dönerbude und Bäcker ein kleines pakistanisches Restaurant: das Masala Haus. Dort serviert Inhaber Mirza Ali nur elf Gerichte – dafür alle selbstgemacht – und ideal für Vegetarier.

Das Ambiente

Kichererbsen in Ingwer Soße, an der Seite ein wenig frischer Reis. Dazu dampfend heißer Chai. Linsen, umringt von Knoblauch und Zwiebeln zusammen Blumenkohl, verfeinert mit Koriander. Kurkuma-Geruch, Zuckersirup, frittierte Kichererbsen. "Wenn ich mein Essen esse, fühle ich mich als wäre ich in Pakistan. Ich werde an meine Kindheit erinnert, die beste Zeit, die man hat", erzählt Mirza Ali, der Koch und Besitzer des pakistanisches Restaurants Masala Haus.

Das Masala Haus steht im Herzen Haslachs beim Dorfbrunnen, eingequetscht zwischen Dönerladen und Bäckerei. Draußen stehen zwei kleine Holztische, vier Menschen können dort Platz finden. Der Innenbereich ist ein wenig größer, farbenfroh und in pakistanischer Manier dekoriert. An der Wand sieht man Bilder von religiösen Tempeln und Frauen, die in traditioneller Kleidung Wasser tragen. Hinter der Theke steht Mirza und sein Cousin Ijaz, das Restaurant gehört ihnen beiden. Ersterer bot sich zum Gespräch an, während zweiterer die anderen Gäste bediente und bekochte.

Der Betreiber

Mirza ist ein freundlicher und immer lächelnder Mann, der eine gewisse Grundsympathie ausstrahlt. Er ist, nach eigener Aussage, ebenso Pakistani wie Deutscher, geboren ist er in Sialkot, einer pakistanischen Großstadt. Dort studierte er Informatik, doch als er vor 15 Jahren nach Freiburg zog, wurde ihm sein Abschluss nicht anerkannt. Deshalb entschied er sich lieber zu arbeiten – erst in der Gebäudereinigung, dann in einer Disco und dann bei einem Dönerladen. 2019 eröffnete er das Restaurant.

Das Angebot im Masala Haus ist nicht besonders groß, aber dafür vielfältig. Gerade vegetarische und vegane Gäste kommen auf ihre Kosten. Dazu gibt es verschiedene pakistanische Getränke, wobei der Chai, Tee nach traditioneller Machart, besonders lecker ist. Das Essen erinnert ans Indische, aber schmeckt doch ein bisschen anders. Mirza meint, dass sich die Küchen stark unterscheiden, etwa sei die Behandlung der Zutaten und das Würzen verschieden. Dann sagt er: "Wir sind das erste pakistanische Restaurant in Freiburg. Viele Leute schreiben indisch-pakistanisch, aber das ist echt pakistanisch. Wir machen das wie in Pakistan auf der Straße."

Die Speisen

Dazu kommt, dass das Essen frisch zubereitet wird. "Wir machen alles zu 100 Prozent selbst. Auch keine fertigen Gewürzmischungen", erklärt Mirza. Viele andere Restaurants würden das anders machen: "Ich will niemandem einen Vorwurf machen, aber wenn man 20 Gerichte im Angebot hat, dann kann man die doch nicht alle frisch zubereiten. Wir haben elf Gerichte und ich muss hier mindestens fünf Stunden in der Küche stehen." Nach dem Gespräch müsse er noch zwei weitere Gerichte vorbereiten, sagt er. Auf der Karte stehen beispielsweise die vegetarischen Gerichte Aloo Gobi und Sabzi Masala oder Chicken Biryani und Gosht Masala, beides Fleischgerichte.

Anfangs war das Kochen für Mirza nur ein Hobby: "Weißt du, wenn du nach Deutschland kommst, dann musst du erstmal etwas machen." Doch dann kam die Idee mit dem Restaurant. Seine Schwester habe ihn dabei unterstützt und am Anfang übers Telefon Tipps gegeben. Denn in einem Restaurant kochen sei etwas anderes als nur Essen für Freunde zuzubereiten. "Da musst du auf Zeit ticken, es muss alles schnell gehen."

Während Mirza redet, kommt ein Stammkunde, der gerade gegessen hat, an die Theke. Er möchte bezahlen, doch Mirza winkt ab: "Das kannst du später machen." Gerade sei er noch im Gespräch. Vertrauen wird großgeschrieben.

"Ich hatte schon immer eine Bindung zu Deutschland", erzählt er. Sein Bruder lebte schon länger im Land, das befeuerte Mirzas Faszination. Vor allem die Musik mochte er: "Sido und Xavier Naidoo habe ich früher schon immer gehört. Einmal brachte mir mein Bruder eine CD von ihm [Naidoo] mit und da dachte ich mir: Das behalte ich jetzt."

Trotzdem hat Mirza Sehnsucht nach seinem Heimatland. "Es ist sehr schön hier zu sein, wunderschön. Aber auf der anderen Seite verliere ich meine Familie in Pakistan", sagt er. Nach einem kurzen Schweigen fügt er hinzu: "Alle Auswanderer haben diese Probleme. Du vermisst den Ort, aus dem du kommst. Dort hast du deine Kindheit erlebt."

Inzwischen ist der Tee ausgetrunken. Es gibt noch ein wenig Nachtisch (deliziös), doch dann muss Mirza auch schon wieder hinter der Theke verschwinden. Zwischen Tür und Angel möchte Mirza noch etwas sagen, etwas das ihm auf dem Herzen liegt: "Weißt du, wir haben den Traum, ein pakistanisches Grillhaus in der Stadtmitte aufzumachen. Wo die Leute reinkommen und das Gefühl haben, sie sind nicht mehr in Freiburg, sondern in Pakistan." Ein bisschen Heimatgefühle, wer würde das nicht wollen?

Öffnungszeiten:
Di bis Sa 12 bis 22 Uhr
So 14 bis 22 Uhr

Adresse:

Masala Haus
Markgrafenstraße 4a
79115 Freiburg