Verborgene Theken (70): Dart-Stüble

Stephan Elsemann

Das Dart-Stüble ist eine Kneipe mit Charakter. Die Gäste wissen, was sie wollen: Bier trinken, Dart spielen, Fußball gucken – und rauchen. Klar, dass fast nur Männer hier verkehren. Eine Männerkneipe ganz anderer Art war hier früher, das Bobbele, eine Schwulenbar.



Publikum

"Ralf, nimmst du Dir mal Dein Bier ?" – Seyitali Binay, der Wirt, möchte sich Zeit für das Gespräch nehmen und Ralf geht mal kurz selbst hinter die Bar. Wie einige der anderen auch ist er fast jeden Tag da. Manche spielen Dart, andere kommen extra deswegen her, mittwochs um acht oder sonst auch schon mal. Eine Männergesellschaft ist das hier, der Frauenanteil geht gegen Null.



Im Dart-Stüble in der Günterstalstraße sind tatsächlich Dart-Spieler zu Hause, es ist nämlich Sitz eines Vereins mit Namen "Nirwana-Dart-Stüble". Prächtige Pokale zieren das ganze Lokal, man sieht wie stolz die Spieler auf ihre Erfolge sein müssen.

Der lustige Name des Vereins hängt sicher mit der Freiburger Kneipen-Biographie des Pächters zusammen, der schon allerlei Bars in Freiburg betrieben hat, bevor er das Dart-Stüble aufmachte. Eine davon hieß Nirwana und befand sich in der Herrenstraße.



Ambiente

Vor neun Jahren hat er das Stüble gepachtet. Auch das Stüble hat schon eine  lange Geschichte. "Dreißig Jahre", glaubt Binay und wird von den Stammgästen korrigiert: "Vierzig Jahre!"– auf diese Zahl einigen sie sich nach kurzer Diskussion.



Die Stammgäste wissen auch, dass das Dart-Stüble vorher die "Keller-Klause" war und davor war es eine Schwulenkneipe – das "Bobbele". Einige von den Stammgästen sind schon viel länger da als der Wirt.

Wenn sie nicht sowieso schon da sind, dann kommen sie extra noch einmal zum Fußball gucken. Der große nagelneue Fernseher für die Premiere-Übertragung wirkt wie ein Fremdkörper in der kleinen Bar. Er bleibt meistens aus, das Geflimmer stört.



Kaffeepreis

Beliebtester Artikel ist das frisch gezapfte Alpirsbacher Bier. Davon bekommt man einen halben Liter für 2,30 Euro, ein Null-Dreier für 1,80 Euro. Rothaus in Flaschen und Schneider-Weisse bekommt man ebenfalls für 2,30 Euro. Ein Weißwein – der Wirt kauft nach Marktlage – kostet 2,10 Euro. Wein wird nicht so oft verlangt. Kaffee und Espresso kosten 1,40 Euro, genau wie das Mineralwasser (0,3l).



Auf der Speisekarte

Einzige Speise sind Salzstangen. Gratis, denn Herr Binay verspricht sich einen höheren Umsatz an Getränken vom Konsum. Eine Motivationshilfe scheinen die Gäste nicht allerdings nicht zu brauchen, denn die Salzstangen bleiben weitgehend unangetastet.



Früher wurde auch mal gekocht, doch seit drei Jahren nicht mehr. Seyitali Binay kam damit der eingeschränkten Rauchwiedererlaubnis zuvor, die Rauchen erlaubt, wenn kein Essen serviert wird – ganz sicher im Interesse seiner Gäste, die ausnahmslos rauchen.



Das Besondere

Wem vor dem Rauch nicht bange ist, der kann hier eine entspannte Zeit verbringen beim Bier oder auch beim Dartspiel. Letzteres ist nämlich kostenlos, am Mittwoch jedenfalls. Das Dart-Stüble ist ein prima Hang-Out, und wäre der Begriff nicht besetzt und mit szenigeren Orten verbunden, man hätte ihn hier erfinden müssen. Die ruhige und freundliche Art des Wirtes trägt einiges zur Atmosphäre bei.



Wegbeschreibung

Mit der Straßenbahn Linie 2 Richtung Günterstal fahren. An der Haltestelle Lorettostraße aussteigen, auf die linken Straßenseite wechseln und ein paar Meter zurücklaufen. Mit dem Fahrrad stadtauswärts ist es die gleiche Strecke. Sechs Minuten.



Adresse

Dart-Stüble
Günterstalstraße 53
79102 Freiburg
0761-7078230

Öffnungszeiten

täglich von 17 Uhr bis 1 Uhr

Foto-Galerie: Stephan Elsemann

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