Verborgene Theken (54): Freiau

Stephan Elsemann

In der Freiau hat das Schnitzel des Grünhofs eine neue Heimat gefunden und Fritz Schreiber eine würdige Nachfolgerin. Mira Murtic ist die Sittenwächterin der Schnitzelkultur in der kleinen Kneipe. Uns erzählte Frau Murtic auch etwas über ihre Begegnung als Köchin mit Willy Brandt. [Update: Die gaststätte Freiau gibt es nicht mehr]



Ambiente

Gerhard Muffler hat den Raum entrümpelt und mit farbfrischen Lampen, Bildern und anderen Accessoires aufgepeppt. Er wirkt jetzt zumindest im linken Teil viel mehr wie ein Restaurant als eine Kneipe. Immer schon sah man von den versteckten Häusern auf die Brachialarchitektur der zusehends verfallenden Garage des Rotteck-Gymnasiums.



Die Holzhäuser sehen vor der Betonkulisse schutzbedürftig aus, was gut begründet ist. Sie sind nämlich einzigartig. Gebaut wurden sie, als Frankreich 1871 nach dem verlorenen Kriege an Deutschland Reparationszahlungen leisten musste. Frankreich lieferte das Baumaterial für die Häuser in vorgefertigten Teilen. Sie sind also ein frühes Beispiel für eine Bauweise mit Fertigteilen. In der kommenden Zeit wird es dort etwas lärmig werden. Mit der hässlichen Garage hat es ein Ende. Sie wird eingeebnet und stattdessen eine Turnhalle errichtet. Der Abrissbgagger ist schon da und schiebt sich am Abend durch die enge Freiaustraße.



Publikum

Es sind die Gäste des ehemaligen Grünhofs, die in die Freiau finden. Und sie finden wohl alle, denn die Gaststätte ist gut besucht.

Kaffeepreis

Der Kaffee nach dem Mittagessen kostet nur 1 Euro, abends 1,60 Euro. Riegeler Bier bekommt man für 2,40 euro (0,3 l), Riegeler Landbier für 3 Euro (0,5 l). Ein Viertel Landwein kostet 2,80 Euro, ein Weißburgunder von Franz Keller 4,30 Euro. Mineralwasser kostet 2 Euro (0,4 l).



Auf der Speisekarte

Berühmt war der Grünhof für seine Schnitzel, und der gute Geist des ehemaligen Grünhofwirts Fritz Schreiber schwebt auch über der Freiau. Wobei gut auch immer auch schon mit groß verbunden wurde. Die Größe beim Schnitzel entsteht durch Plattklopfen. Dabei werden Fleischfasern zerdeppert und das mühsame Kauen später ersetzt. Je größer, desto zarter also. Das klassische Schniposa kostet hier mit zwei Schnitzeln 9,50 Euro, mit einem Schnitzel 8 Euro. Letzteres bekommt man mittags schon für 5,90 Euro. Pommes separat kosten drei Euro.

Allerlei Schnitzelvarianten stehen auf der Karte und bodenständige Sachen wie Leberle und auch Sulz. Es gibt auch Pfannkuchen ab 4,50 €. Die Karte soll in Zukunft etwas kleiner werden.



Das Besondere

Schnitzel-Queen in der Freiau ist Mira Murtic. Seit 38 Jahren ist die gebürtige Serbin im Schnitzel-Geschäft tätig. Ob's geschmeckt hat, will sie wissen. Sie selbst ist überhaupt nicht zufrieden mit dem gelieferten Fleisch – zu viel Wasser, zu viel Abfall. Beim Fleisch kennt sie kein Pardon. Und man macht ihr nichts vor.

Im Freiburger Schlachthof hat sie gearbeitet, als Schlächterin und auch in der Gaststätte. Dann hat sie lange Jahre am Band bei Intermetall gestanden und nach der Schicht noch in Gaststätten gekocht. Zwanzig-Stunden-Tage. Sie kann nicht anders. Und sie strahlt, wenn sie erzählt, wie sie Willy Brandt persönlich kennengelernt hat – im Basler Hilton Hotel, wo sie auch mal war. Er wollte die Köchin kennenlernen, die das Ochsensteak gebraten hatte, das ihm so gut schmeckte – das Ochsensteak à la Mira eben.



Wegbeschreibung

Vom Hauptbahnhof in Richtung Dreisam fahren (Schnewlinstraße), nach Überquerung der Dreisam links abbiegen in die kleine Freiaustraße. Nach ungefähr 100 Metern erscheint linker Hand die Gaststätte.

Adresse

Freiaustraße 3
79100 Freiburg
0761-31108

Öffnungszeiten

Mo–Fr: 12–14.30 Uhr und 18–24 Uhr
Sa: 17–24 Uhr
So: Ruhetag

Nichtraucherlokal

Foto-Galerie: Stephan Elsemann

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