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Uni-Start: "Studiert nach dem Lust-Prinzip!"

Am 3. November starten Tausende Erstis ins außergewöhnliche Corona-Semester an der Uni Freiburg. Um ihnen den Start zu erleichtern, hat die fudder-Redaktion die wertvollsten Tipps gesammelt. Hier kommt Teil II.

Fabian Thomas, 24, studiert ab November an der Deutschen Journalistenschule in München

"Kennt ihr die Geschichte von dem Mann, der am Ende seines Lebens sagt: ’Hätte ich doch nur ein, zwei Jahre länger in meinem Job gearbeitet, dann könnte ich jetzt zufriedener sterben!’

Nein? Das liegt wahrscheinlich daran, dass es diese Geschichte nicht gibt. Erster Tipp: Scheiß auf die Regelstudienzeit! Sie ist nur eine Empfehlung. Es ist respektabel, sie einzuhalten und keine Schande, es nicht zu tun. Das Studium ist nicht nur zum Studieren da, sondern auch, um sich selbst zu finden.

Fabian

Sitzt bloß nicht nur in der UB: Schließt Freundschaften, lernt kochen, geht wandern, lest Bücher, lernt Improtheater (siehe unten), seid verwirrt (ist normal), macht Fehler, macht Sachen, die eure Eltern nie machen würden, und - zweiter Tipp – macht Praktika! Denn die Uni ist übertrieben theoretisch und hat (leider) ziemlich wenig mit dem zu tun, was man Beruf nennt; außer ihr werdet Professor*in. Praktika helfen euch viel mehr als Uni-Kurse schon früh zu entdecken, womit ihr später Geld verdienen wollt.

Drittens: Lernt Improtheater. In der Uni lernt ihr Lesen, Schreiben und Denken; aber was, wenn mal der Beamer ausfällt? Spontanität und Selbstsicherheit sind Gold wert, nicht nur für Präsentationen. In Freiburg gibt es einige gute Anfänger-Kurse für Improtheater."

Maria-Xenia Hardt, 29, hat Anglistik und Amerikanistik studiert und ihre Doktorarbeit eingereicht

"Studiert nach dem Lust-Prinzip! Hört nicht auf irgendwelche Leute, die behaupten, mit Studiengang XY hätte man später gaaaanz schlechte Berufsaussichten. Die meisten Leute haben davon keine Ahnung. Hört auch nicht auf Leute, die davor warnen, ein Seminar bei Dozent*in XY zu belegen, weil es da ja soooo schwer ist eine gute Note zu bekommen.

maxi

Bock auf’s Seminar? Mach es! Denn es ist wie beim Domino: Aus Sachen, die man gerne macht, folgen weitere, die auch Bock machen. Wenn das Feld, in dem man sich bewegt, im Großen und Ganzen Freude bereitet (niemand redet davon, mit einem Dauergrinsen über den Campus zu laufen), sind auch die Praktika und Jobs nebenher keine Belastung, sondern eine Bereicherung. Viel Arbeit ist das alles trotzdem, und vielleicht sogar besonders: Studieren nach dem Lust-Prinzip heißt voller Einsatz. Das führt übrigens fast immer zu Erfolg – Studienfach egal.

Ah und noch was: Was mich immer richtig hart genervt hat an der Uni? Die ganzen Leute, die keinen Bock hatten. Keinen Bock auf’s Seminar, keinen Bock auf die Hausarbeit, keinen Bock auf’s Mensaessen. Also, tut mir einen Gefallen, und werdet keine von der Sorte."

Anna Lob, 24, hat in Freiburg Psychologie studiert

"Ich würde mir direkt einen Job in der Stadt suchen, der nichts mit meinem Studium zu tun hat – zumindest für eine Zeit. Ich habe leider erst in meinem letzten Semester angefangen, in der Freiburger Gastronomie zu arbeiten und hätte das im Nachhinein schon viel früher machen sollen. In den meisten Gastro-Betrieben arbeiten jüngere Menschen und es war toll, so viele Leute kennen zu lernen, die zum Teil komplett andere Sachen machen. Sich nur mit Kommilitonen zu umgeben, kann den Horizont ziemlich beschränken.

Anna

Im Kontakt mit Gästen erfährt man außerdem viel über die Stadt und ihre Bewohner. In der Gastro arbeiten bedeutet, zu lernen, auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und selbstbewusst auf Menschen zuzugehen. Mit dem Trinkgeld lässt sich der Alltag meistens locker finanzieren, der Stundenlohn kann dann zur Seite gelegt werden. Am Ende einer Schicht sieht man, was man geleistet hat. Diese Zufriedenheit hat mir im Studium oft gefehlt, weil man immer das Gefühl hat, noch mehr machen zu können. Derzeit ist das alles natürlich aufgrund der Pandemie eher schwierig, aber der nächste Sommer kommt und der wird garantiert lustig, wenn man nach der Schicht noch mit seinen Kollegen aus dem Biergarten durch die Stadt ziehen kann."

Eyüp Ertan, 24, studiert den Masterstudiengang Deutsche Literatur im dritten Semester

"ECTS-Punkte, Fristen einhalten, Studienverlaufsplan, Prüfungsordnung: der Start ins Unileben kann erschlagend wirken. Aber Studieren kann auch bedeuten, die Dinge zu belegen und zu lernen, auf die man am meisten Lust hat. Ja, den Stundenplan so zu organisieren, dass der Freitag frei ist, ist nice. Aber noch nicer ist es, ein Seminar zu belegen, das inhaltlich genau die eigenen Präferenzen abdeckt, auf das man unfassbar viel Lust hat und das sich, oft genug, auch am Ende in der Note bemerkbar macht – auch wenn es eben Freitagmorgens um acht Uhr stattfindet.

Eyüp

Natürlich schreibt die Prüfungsordnung viele Pflichtmodule vor, die nervtötend sein können. Aber die Prüfungsordnung gewährt auch Freiheiten, die zu nutzen ein erfüllenderes Studium bedeuten können. Deshalb: Liebe Erstis, setzt euch mit euren POs und StVPs intensiv auseinander, fragt Fachschaften und Studiengangskoordinationen, ob Dinge möglich sind. Belegt Sachen, auf die ihr Lust habt und nicht Sachen, die zeitlich perfekt in den Stundenplan passen. Es wird sich auszahlen.

Das Freiburger Studileben bietet ein unfassbar umfangreiches kulturelles Angebot – sei es musikalisch in diversen Chören und Orchestern, im Theater, oder anderweitig. Ja, momentan ist nicht viel möglich wegen Corona, doch viele Gruppierungen versuchen dennoch, mittels ausgefeilter Hygienekonzepte, wenigstens ein bisschen was auf die Beine zu stellen. Dieses Angebot will genutzt werden, weil es – sofern es das Unipensum zulässt – Ablenkung vom Alltag bedeuten kann. Es kann bedeuten, Freundschaften zu schließen, Menschen kennenzulernen und in der neuen Stadt besser anzukommen. Denn: Je mehr soziale Kontakte, je mehr Verwurzelung mit der Stadt, desto größer die Möglichkeit, dass auch schwierige Phasen (die in jedem Studium vorkommen) überwunden werden können. Und da bei vielen die Präsenzzeit in der bisherigen Form wegfällt, können Angebote in der Freizeit eine Stütze darstellen, den Start ins Unileben zu erleichtern."

Anika Maldacker, 32, Digital-Redakteurin, studierte Deutsch, Französisch und Journalismus in Freiburg:

"Verlasst Deutschland. Im Ernst: Die spannendste Zeit meines Studiums hat im Ausland stattgefunden. Die Momente, an die ich am liebsten zurückdenke, haben in Paris, sogar in Straßburg und auch in Kasachstan, wo ich eine Studienreise gemacht habe, stattgefunden. Wenn ich nochmal entscheiden könnte, würde ich neben der Bachelor-Studienwahl auch noch meine Ortswahlen überdenken. Denn Europa ist schön und gut, aber wieso nicht in einem Land studieren, über das kaum einer spricht? Oder das einen total interessiert.

Ani

Klar, irgendwann kann man zwei Wochen dorthin reisen und urlauben, aber es ist etwas anderes, das Land als Studierender kennenzulernen. Was ich damit außerdem sagen will: Seid im Studium mutig, traut euch, eure Komfortzone zu verlassen, macht auch mal was Verrücktes. Ihr werdet gerne daran zurückdenken."
Studierende, die in Zeiten der Corona-Pandemie verunsichert sind oder Fragen zu ihrem Studium, möglichen Quarantäne- oder Einreisebestimmungen haben, können sich ab sofort über die Corona-Hotline an das Studierendenwerk wenden. Dort erhalten sie Antworten auf Fragen wie zum Beispiel "Wo finde ich die aktuellen Corona-Regeln?", "Wo finde ich eine Ärztin oder einen Arzt?" oder "Wo finde ich Informationen über Quarantänebestimmungen?". Die Hotline ist unter Tel. 0761/2101 300 von Montag bis Freitag zwischen 11 und 12 Uhr erreichbar.

Maya Schulz, 25, studiert Sinologie und Skandinavistik

"Versuchen wir, optimistisch zu sein. Ein Online-Semester kann gerade im Winter ein paar Vorteile haben. Es ist 8 Uhr morgens und draußen regnet es in Strömen? Überhaupt kein Problem, denn du sitzt zufrieden mit Kaffee im Bett, hast es warm und gleich geht das Seminar über Zoom los. Druck nicht alle Texte für die Seminare aus, wenn nicht unbedingt nötig und denk dran, dass du Bücher zum Beispiel in der Bibliothek ausleihen oder gebraucht auf Medimops.de kaufen (und auf momox.de wieder verkaufen) kannst. Einige Fachschaften veranstalten zu Beginn des Semesters Bücherflohmärkte, auf denen du Uni-Literatur günstig erwerben kannst.

Maya

Ein Tipp an mein Ersti-Ich: Wenn du eine Cola mit in die Vorlesung nimmst, dann öffne sie schon draußen vor dem Hörsaal! Für den Fall, dass du dies vergessen solltest, hab immer Taschentücher oder am besten direkt ein Handtuch dabei. Wenn du Snacks in die Vorlesungen mitnimmst, dann sollten sie leise sein. Also Chipstüte am besten schon vorher öffnen oder direkt in eine Box füllen, die lässt sich auch besser herumreichen. Unterdrücke nie das Niesen, aus Angst, es könnte sich komisch anhören, denn glaub mir, es wird nur schlimmer. Dasselbe gilt für Zoom-Seminare.

Für den Fall, dass du neu nach Freiburg gezogen bist, so empfehle ich dir, das Willkommens-Paket im Rathaus abzuholen, denn es beinhaltet unter anderem eine kostenlose Gondelfahrt auf den Schauinsland (die ja im Fall eines Lockdowns auch erst später eingelöst werden kann). Ein weiterer Vorteil am Online-Semester kann sein, dass man zum Beispiel den wunderschönen Schwarzwald auch während des Semesters erkunden kann und auch mehrtägige Ausflüge nicht von der Seminarteilnahme abhalten. Nutze solche Gelegenheiten, so gut es geht, denn je besser du deine Umgebung kennst, umso schneller wächst das Zuhause-Gefühl. Suche dir außerdem Plätze, an denen du dich wohlfühlst und gut lernen kannst, wenn dir mal wieder die UB-Decke auf den Kopf fällt (alles schon passiert). Cafés mit Steckdosen, W-Lan und günstigem Kaffee bieten sich an. Ich empfehle außerdem, Mitglied in der Stadtbibliothek zu werden, denn es kostet Studenten nur 10 Euro im Jahr, es gibt ein paar Lernplätze mit Blick auf den Münstermarkt, jede Menge Bücher und außerdem Zugang zur Onleihe mit jeder Menge E-Books und Hörbüchern.

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