Club der Freunde

Interview

Uni-Rektorin Krieglstein: "Man muss für das brennen, was man tut"

Kerstin Krieglstein hat ihr Amt als Rektorin der Uni Freiburg kurz vor dem zweiten Lockdown angetreten. Im Interview spricht sie über die Lage der Studierenden, Prüfungen und Frauen in Spitzenämtern.

BZ: Frau Krieglstein, im Moment sitzen Studierende nur am Bildschirm. Würden Sie persönlich, wenn Sie gerade Anfang 20 wären unter diesen Umständen – also alles digital, alles zuhause – anfangen zu studieren?
Krieglstein: Sie fordern meine Fantasie heraus, denn als ich Anfang 20 war, gab es noch keine Computer. Meinen ersten Kontakt mit einem Computer hatte ich, als ich meine Doktorarbeit geschrieben habe. Vorher lernte ich mit dem roten Stift und den Lehrbüchern. Es wäre kein digitaler Fernunterricht möglich gewesen. Aber davon abgesehen: Hätte ich etwas anderes gemacht? Auf gar keinen Fall. Mein Vater hat mir nahegelegt meinen beruflichen Werdegang früh zu verfolgen. Er hat immer gesagt: Zeit, dich zu entfalten, hast du hinterher.
BZ: Wo Sie von Ratschlägen sprechen. Wie würden Sie Studierende motivieren, die gerade von der aktuellen Situation frustriert und ermüdet sind?
Krieglstein: Ich würde versuchen, aus jeder Krise das Beste zu machen und mir eine positive Stimmung bewahren. Diese Krise muss irgendwann vorbei sein. Man kann sich vornehmen: Dann möchte ich weiter sein. Dann möchte ich in den Master wechseln, ins Arbeitsleben einsteigen oder eine Promotion beginnen. Da müssen wir nun alle durch. Ich bin der Überzeugung, im Spätsommer sind wir an dem Punkt, dass wieder viele Lockerungen möglich sein werden.
Hintergrund: Kerstin Krieglstein führt nun als Rektorin die Freiburger Universität
BZ: Studierende stecken in der Pandemie viel zurück. Trotzdem diskutiert die Öffentlichkeit mehr über Kitas, Schulen und die Wirtschaft. Wieso spricht man so wenig über die Studierenden?
Krieglstein: Das Problem hat die Universität insgesamt. Über die Schulen wird viel geredet, aber über die Uni wenig oder gar nicht. Für die Schulen wird der Geldhahn aufgedreht, für die Uni nicht. Meine Hypothese dazu ist: Das liegt daran, dass die Eltern eine sichtbare und größere Lobby darstellen und als Wahlvolk wichtiger sind, während die Studierenden und auch die Lehrenden eher übersehen werden. Ich habe aber zugleich das Gefühl, dass die Studierenden eher etwas erreichen, wenn sie sich selbst an die Öffentlichkeit wenden, als wenn die Uni ...

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