Wirtschaft

Umfrage-Ergebnis: Corona trifft auch die Unternehmen in Freiburg hart

Holger Schindler

Laut einer Commerzbank-Umfrage, die auch Freiburg einbezog, sieht jeder fünfte Betrieb seine Existenz bedroht – und das war noch vor den November-Einschränkungen.

Die negativen wirtschaftlichen Folgen der bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen sind auch für viele Freiburger Unternehmen so massiv, dass sie mit dem Aus rechnen. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Umfrage der Commerzbank. Bundesweit wurden rund 3500 Betriebe befragt, davon 50 in Freiburg. Dass die lokalen Trends den bundesweiten entsprechen, gilt als Indiz für die Aussagekraft. Demnach betrachtet knapp jeder fünfte befragte Betrieb seinen Fortbestand als ungewiss. Der neuerliche "Lockdown light", der seit Anfang November gilt, ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.


Einbezogen in die Befragung waren Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer aller Branchen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro, die zahlenmäßig das Gros der Wirtschaft ausmachen, auch in der Stadt Freiburg – und zwar nicht speziell Commerzbank-Kunden, sondern jegliche Betriebe.

Fast ein Drittel der Firmen sieht keine negativen Folgen

Knapp die Hälfte der befragten Freiburger Unternehmen (46 Prozent) sind von der Corona-Krise nach eigenen Angaben stark oder sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden – zum Stand Mitte August. Für rund jeden fünften Betrieb (18 Prozent) ist die Krise nach eigenen Angaben sogar existenzbedrohend. Auf der anderen Seite geben 30 Prozent der Unternehmen an, dass sie bislang keinerlei negative Effekte verzeichnen. 22 Prozent berichten von zwar wahrnehmbaren, aber weniger starken nachteiligen Folgen.

In entsprechend großem Umfang haben die hiesigen Unternehmen der Umfrage zufolge Hilfen des Staates aus Steuergeld in Anspruch genommen. Insgesamt hat bislang etwa die Hälfte der Befragten öffentlich finanzierte Unterstützungsmaßnahmen genutzt. Am häufigsten wurden die nicht rückzahlbaren Zuschüsse der Landesförderbank Baden-Württemberg, der L-Bank, beantragt. In vier von fünf Fällen lag dabei die Höhe der Unterstützung unter 10.000 Euro.

"Das heißt, dass insbesondere viele kleine Unternehmen betroffen sind", erläutert Anton Gereitzik, Niederlassungsleiter der Commerzbank in Freiburg. Jeder fünfte der Betriebe habe zudem Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen. Hilfskredite der Bundesförderbank KfW und Steuerstundungen seien hingegen nur vereinzelt zum Einsatz gekommen.

Kostensenkung ist für viele das Gebot der Stunde

Die Krise wirkt sich auch auf den regionalen Arbeitsmarkt aus: Etwa jedes zwölfte befragte Unternehmen hat mit Entlassungen auf die Krise reagiert, jedes siebte hat einen Einstellungsstopp verhängt und verzichtet bis auf Weiteres auf neue Mitarbeiter. Doch nicht überall wird beim Personal auf die Bremse gedrückt: Zwei Drittel der Befragten hatten zum Zeitpunkt der Untersuchung die eigene Personalpolitik vor dem Hintergrund der Corona-Krise nicht verändert.

"Unsere Umfrage zeigt auch, dass die Unternehmen sich stark bemühen, gegen die Krise anzugehen", so Gereitzik. Maßnahmen zur Kostensenkung, mehr Onlinemarketing, Optimierung des Angebots – teils Ausweitung, teils Kürzung – und Vertrieb über das Internet, dies sind die häufigsten Reaktionen auf den Rückgang der Umsätze.

Auch Kreditstundungen habe seine Bank mit etlichen Unternehmen vereinbart, sagt Gereitzik. Zu Freiburg speziell macht er dabei keine näheren Angaben, bundesweit seien derzeit aber noch bei rund 20.000 Darlehen die Ratenzahlungen ausgesetzt – die Verbindlichkeiten der Unternehmen verschwinden damit aber natürlich nicht.