TVnoir-Konzerte, Runde vier: Kat Frankie und Francesco Wilking im Jazzhaus

Elisa Makowski & Janos Ruf

In der vierten Konzertreihe von TV Noir sind diesmal die Wahl-Berlinerin Kat Frankie und der Tele-Frontmann Francesco Wilking aufgetreten. Dem Publikum im Jazzhaus präsentierten sie einen Abend voller Singer-Songwriter-Perlen und als zweite Zugabe eine charmante Überraschung. fudder-Autorin Elisa hat es sich in einem Sessel gemütlich gemacht. [Mit Foto-Galerie!]



Die Bühne im Jazzhaus ist zu einem Wohnzimmer geworden: ein kleiner Tisch mit Decke und Blümchen drauf, Omas Leselampe in der Ecke und ein alter Schinken in Öl an der Wand. In die gemütliche Stube laden ein: Kat Frankie und Francesco Wilking. Die bestuhlten Reihen sind gut gefüllt: Etwa 250 Leute haben sich gestern Abend gegen 20 Uhr im Jazzhaus eingefunden, um der etwas bekannteren Australierin und dem weniger bekannten Sänger der Band Tele zu lauschen.

Es ist ein Konzert der Sorte, an die man sich noch lange erinnern kann. Da ist die Kraft und Eindringlichkeit von Kats Stimme, von der sich das Publikum bei einem ihrer Songs über Trennungen – eines ihrer musikalischen Lieblingsthemen – überzeugen kann. So sehr, dass der komplette Saal die Luft anhält und tosender Beifall ausbricht, als sie endet. Ihre Stimme kann wahrhaft Emotionen darstellen, während die Sängerin dabei unnahbar, verschlossen und einfach sehr professionell wirkt.



Doch Kat Frankie hat auch eine andere Seite, die sie uns heute Abend zeigt: eine verspielte. Wenn sie zum Beispiel nacheinander fünf bis acht Sounds – ob mit Stimme, Gitarre oder einem zerknüllten Blatt Papier – live erzeugt, diese dabei aufnimmt und sogleich als Loops einspielt. Das Resultat sind musikalisch abgefahrene Klangteppiche als Grundlage für ihren Gesang, dargeboten zum Beispiel in der 2011 veröffentlichten Single „Frauen verlassen“. In einem Interview erwähnte sie einmal, ihr Körper sei ein Instrument – mit ihm könne sie alle Arten von Klängen erzeugen. Wer sie diesen Abend gehört hat, weiß, was damit gemeint ist.

Songs von Frankie wechseln sich ab mit denen von Wilking. Das Ganze wirkt eher wie ein Duett – abwechselnd singt jeder seinen Part – als ein Dialog, ein Aufeinander-Bezogen-Sein.

Francesco, Sänger von Tele, einer Band, die ursprünglich aus Freiburg kommt, ist seit 2010 auch solo unterwegs. Seine südländischen Wurzeln lässt er durchblicken bei Anmoderationen auf Italienisch oder auch beim Cover eines italienischen Liedes. Neben Kats stimmlicher Ausdrucksstärke wirkt sein Gesang leicht verschlafen, manches Mal auch nölig – was sich heute Abend jedoch gut ergänzt.



Das ist das Konzept der Reihe TV Noir, die seit 2008 monatlich in Berlin stattfindet. Moderator Tex lädt zwei sich komplemen-tierende Musiker zu sich ins Wohnzimmer ein, die abwechselnd unplugged auftreten. Dazwischen wird locker geschwätzt, das Publikum kann bei Spieleaktionen von den Musikern mitgebrachte Geschenke gewinnen. Danach geht es auf bundesdeutsche Konzertreise – ohne Tex und Moderation, dafür mit ganz viel intimer Atmosphäre und Singer-Songwriter-Genre satt.

Nach gut zwei Stunden Konzert gibt es noch zwei Zugaben. Und bei der letzten geschieht etwas gänzlich Unerwartetes: Beide Musiker verlassen den von ihnen geliebte Stil des Folk und stimmen ein in eine jammige und soulige Fusion aus Wyclef Jeans „911“ und dem „Liebeslied“ von den Absoluten Beginnern. Noch so ein Song und die Stühle hätten der Tanzfläche weichen müssen!

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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