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Türchen 9: Sieben Tipps für nachhaltige(re) Weihnachten

Janina Roeseler

Weihnachtscountdown mit fudder: Jeden Tag verbirgt sich hinter unseren Türchen eine gute Geschichte, ein wertvoller Tipp oder eine gehaltvolle News. Öffnet mit uns heute Türchen 9: Nachhaltiger feiern.

An Weihnachten wird viel gegessen, viel gekauft und viel weggeschmissen: Wusstest du, dass um die Festtage an Weihnachten herum circa 10 Prozent mehr Müll als im Rest des Jahres entsteht und die Feiertags-Emissionen bis zu 15 Prozent des durchschnittlichen jährlichen CO2-Ausstoßes ausmachen? Ich bis zum Schreiben dieses Artikels nämlich nicht! 

Da ich selbst ja auch nicht perfekt nachhaltig bin, werde ich jetzt nicht mit erhobenem Zeigefinger versuchen, dich auf irgendeine Art und Weise zu belehren. Und auch das Rad werde ich heute nicht neu erfinden. Mit diesem Artikel möchte ich vielmehr die Gunst der Stunde nutzen, dem Hochfest des Konsums mit sieben umweltfreundlichen und nachhaltigen Tipps zu begegnen und dir zeigen, wie du nachhaltige Weihnachten feiern kannst, ohne dabei gefühlt auf alles Schöne verzichten zu müssen. 
 
1. Wenn schon Konsum, dann nachhaltiger Konsum

Die nachhaltigste Form des Schenkens ist immer noch das Verschenken von nicht-materiellen Dingen: Verschenkst du Zeit und gute Taten verbraucht das keine endlichen Ressourcen und verursacht weder Müll noch Leid für andere. Hinter Türchen 4 dieses Adventskalenders findest du zum Beispiel Inspiration und 10 tolle Zeitgeschenke in Freiburg. Wenn du ein materielles, nachhaltiges Geschenk für deine Liebsten suchst, findest du hinter Türchen 6, Anregungen bewusster zu konsumieren und dir die Frage aller Fragen zu stellen: "Brauche ich das?". Du bist offen für Neues, weil der Bedarf da ist? Glücklicherweise gibt es inzwischen eine immer größere Auswahl an nachhaltigen Eco-Labels, die nachweisbar fair und ökologisch hergestellte Möbel, Kleidung und vieles mehr anbieten. 

2. Wichteln statt Geschenke-Overkill 

Seit vielen Jahren gilt in meiner Familie zu Weihnachten: "Keine Geschenke!" Diesen Entschluss haben wir gemeinsam gefasst, um uns zu entlasten – zeitlich, mental, wie auch finanziell. Das hat bisher tatsächlich immer sehr gut funktioniert und läuft jedes Jahr ungefähr so ab: Die Kerzen am Baum flackern, wir wünschen einander fröhliche Weihnachten und dann gibt es – keine Geschenke. Nur "Kleinigkeiten" von Mama! Danach sitzen wir gemütlich beisammen und wichteln. Das Nachhaltige an der Sache: Jeder weiß im Vorfeld, welche eine Person er oder sie beschenken wird, und es gibt eine Liste mit Wünschen. Sprich, ich kann mit meinem Geschenk eigentlich nur ins Schwarze treffen.

Wenn du keine Wunschliste zur Orientierung hast und in deiner Familie nicht gewichtelt wird, hilft es, sich beim Geschenkaussuchen bewusst Zeit zu nehmen und zu überlegen, ob und inwiefern das Geschenk wirklich zu der zu beschenkenden Person passt. Wenn du dir unsicher bist, schicke ihr ein Bild und frage, ob es gefällt. Das nimmt zwar die Überraschung und schmälert den Spannungsbogen beim Auspacken, kann aber nach hinten raus zu großer Freude führen! 

Wenn du weißt, mit was du eine Freude machen kannst, kaufe bevorzugt lokal ein, wenn es die Pandemie-Maßnahmen erlauben. Der lokale Einzelhandel kann jede Unterstützung gebrauchen! Wenn du online kaufst, versuche deine Online-Bestellungen wenn möglich zu bündeln, statt viele Geschenke einzeln zu bestellen und achte auf einen klimafreundlichen Versand. 

3. Den Flexitariern gehört die Zukunft – etwas weniger Fleisch, mehr Linsen

Seit meinem 14. Lebensjahr verzichte ich auf alles, was mal eine Kuh, ein Schwein oder ein Huhn war. Fisch habe ich ab und zu noch gerne gegessen, Anfang des Jahres habe ich für mich den Entschluss gefasst, dass ich auch keinen Fisch und keine Meeresfrüchte mehr essen möchte. Damit bin ich in guter Gesellschaft: Hochgerechnet für die deutsche Bevölkerung von 83,1 Millionen Menschen (Stand: Juni 2020), ernähren sich laut Studienergebnissen 2,6 Millionen Menschen – also etwas mehr als 3 Prozent der Bevölkerung – vegan und etwa 3,6 Millionen (4,4 Prozent) vegetarisch. Das klingt jetzt erst einmal nach nicht besonders vielen Menschen, die gezielt alles tierische Essen ablehnen und da ist definitiv noch Luft nach oben.

Daher glaube ich, dass Flexitarier unsere Zukunft sind – also jene Menschen, die ihren Fleisch- und Fischkonsum bewusst einschränken und möglichst wenig, selten und nur bestimmte Qualitäten davon essen. Unsere Essgewohnheiten – die zu einem Großteil von Emotionen und Konditionierung geprägt sind – lassen sich eben nur schwer über Nacht verändern. Kleine Schritte lassen sich im Allgemeinen auch leichter umsetzen und die Wahrscheinlichkeit, dass sie langfristig Früchte tragen, ist deutlich größer.

Falls es Fleisch zum Fest sein soll, kannst du darauf achten, dass du auf hochwertiges, regionales Bio-Fleisch aus tiergerechter Haltung zurückgreifst. Tiere aus Bio-Haltung leben im Schnitt mehr als doppelt so lang wie ihre Artgenossen aus konventionellen Mastbetrieben. Auch die ökologischen Auswirkungen sind geringer, die Öko-Bilanz besser. Wenn Fisch auf den Tisch kommt, achte auf Bio- und Umweltsiegel wie MSC oder ASC und greife eher zu einem regionalen Süßwasserfisch statt zu einem exotischen Meerestier.
Für Experimentierfreudige: Viele klassische Hauptspeisen lassen sich für ein veganes Weihnachtsessen einfach UND lecker anpassen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem saftigen Linsenbraten mit Preiselbeer-Chutney-Glasur? Dazu vegane Köttbullar, Rotkohl und eine leckere vegane Bratensoße – nomnom! 

4. Weihnachtsbesuche mit der Bahn statt mit dem Auto

Meine Familie ist am anderen Ende der Republik zuhause und ich muss jedes Mal knapp 900 Kilometer Reisestrecke auf mich nehmen, um mit meinem kleinen Neffen schmusen zu können. Um die Umwelt und meine Nerven zu schonen, lege ich diese Strecke immer mit dem Zug zurück. So sehr mich Verspätungen, das Verpassen von Anschlusszügen und schlechtes WLAN auch nerven: Am Ende des Tages steige ich mit einer besseren Klimabilanz in Lübeck aus dem Zug aus und konnte sogar hier und da aus dem Fenster schauen, bei 200 km/h gemütlich ein Buch lesen oder einfach mal die Seele baumeln lassen. Hallo Entschleunigung! 

5. Weihnachtsdekorationen aus dem Sternwald

Ist Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt, Geschenke und Dekoration überhaupt noch Weihnachten?  Eine gute Frage! Ich habe für mich festgestellt, dass ich gut ohne Weihnachtsmarkt und große Geschenke auskommen kann und auch keine typische Weihnachtsdekoration aus Plastik brauche, um in festliche Stimmung zu kommen. Geschmückt und dekoriert werden muss in meinen Augen trotzdem: Zapfen von Fichte, Lärche und Tanne, Moos in seinen vielfältigen Formen und Grünschattierungen, knorrige verwachsene Äste, Eicheln und Kastanien – all diese wundervollen Dinge kosten keinen Cent und sie sorgen für eine gemütliche, weihnachtliche Stimmung zuhause. 

Aus Feng Shui-Sicht sorgen Naturmaterialien in den eigenen vier Wänden auch über die Feiertage hinaus für Harmonie im Alltag, beruhigen und vermitteln ein erdendes Gefühl des Ankommens. Wie praktisch. 

Auch die Dekoration für deinen Weihnachtsbaum lässt sich leicht selber machen. Wie wäre es dieses Jahr mit getrockneten Orangen- und Apfelscheiben, selbstgemachten Strohsternen und Plätzchen aus Salzteig? Nelken, Zimtstangen oder Orangen verleihen auf ganz natürliche Weise einen weihnachtlichen Duft in der Wohnung. Ansonsten wäre jetzt auch ein guter Zeitpunkt, auf den Zug der ätherischen Öle aufzuspringen! Just saying.

6. Die Heizung – ein, zwei Grad weniger ist nachhaltiger

Wenn an Weihnachten die Familie gemütlich am und um den Küchentisch herum zusammenkommt, und im Wohnzimmer die Bienenwachskerzen am Weihnachtsbaum leuchten, können die Thermostate an den Heizkörpern getrost heruntergedreht werden. Niemand wird frieren – und alle können gemeinsam rund 6 Prozent Energie einsparen. So viel kostet nämlich jedes Grad Raumtemperatur im Durchschnitt. Aus diesem Grund lohnt es sich auch immer, die Türen zum Schlaf- und Badezimmer geschlossen zu halten, damit die Wärme aus den Räumen, die am meisten genutzt werden, nicht so leicht abfließen kann. Coronakonformes Querlüften sorgt dafür, dass die verbrauchte Luft den Tag über effizient ausgetauscht wird. Die Heizkörper für diese Zeit natürlich kurz herunterdrehen! 

7. Oh du Fröhliche: Tief ein- und ausatmen 

Wo wir wieder bei meinem Steckenpferd angekommen wären: Yoga und Meditation! Kein Artikel ist für mich vollständig ohne eine kleine yogische Ausschweifung. Die Weihnachtszeit ist in der Theorie eine besinnliche und schöne Zeit im Kreise unserer Liebsten. Wir alle wissen aber nur zu gut, dass Weihnachten häufig vor allem eins ist: Stress! Geschenke organisieren, dekorieren, einkaufen und Essen vorbereiten, die bucklige Verwandtschaft bespaßen und dabei auch noch gut aussehen. Das alles dieses Jahr im Schatten von Omicron, der nächsten Pandemie-Welle und einer allgemeinen Wut, die sich mitunter angestaut hat. 

Gerade an jenen Tagen, an denen wir gefühlt keine Zeit haben, lohnt es sich bewusst zu pausieren und kurz innezuhalten. Zehn tiefe Atemzüge über den Tag verteilt können bereits kleine Wunder bewirken. Wir erinnern uns an Türchen 6 und den Raum zwischen dem Gefühl und der Handlung! 
Mein nicht-materielles Geschenk für dich: Eine kleine Meditation für dein Nervensystem

Wer wütend und gestresst ist, kann mit drei Minuten dieser Meditation ein ganz anderes Mindset kreieren und das vegetative Nervensystem entlasten. Setze dich in einen bequemen Schneidersitz und schaue, dass sich deine Wirbelsäule dabei in einer aufrechten Haltung befindet. Strecke beide Zeigefinger aus und drücke mit den Daumen die anderen Finger sanft nach unten. Im Wechsel berührst du ausatmend mit den Zeigefingern den Boden auf beiden Seiten zu dir und singst dabei still in dich hinein SAT, dann berühren sich die Zeigefinger einatmend über deinem Kopf, während du NAM singst. Starte mit drei Minuten und erhöhe nach Bedarf auf 7, 11 oder 22 Minuten. Ich singe das Mantra gerne mit, aber das ist kein Muss, wenn es sich für dich (noch) befremdlich anfühlt am Anfang. Im Anschluss an diese Mediation legst du die Hände auf deine Beine zurück und verweilst 1-2 Minuten sitzend, um den Effekt nachzuspüren.

In diesem Sinne hoffe ich, dass du gut durch die Vorweihnachtszeit kommst, und dich hier und da an den einen oder anderen Tipp aus diesem Artikel erinnerst. 

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