fudders Adventskalender

Türchen 5: Ein Weihnachts-Gedicht

Annika Kessel

Weihnachtscountdown mit fudder: Jeden Tag verbirgt sich hinter unseren Türchen eine gute Geschichte, ein wertvoller Tipp oder eine gehaltvolle News. Öffnet mit uns heute Türchen 5: Poesie zum Runterkommen.

Wie heißt es doch im allgemeinen Munde?
Weihnachten sei eine besinnliche Stunde.
Aber sein wir doch einmal ganz ehrlich
Im Advent scheint uns die Ruhe eher entbehrlich

Es steht an:
Geschenkekauf und vierte Welle
Glühweinabende, Plätzchenbacken,
alles an der Schwelle
vielleicht doch zum nächsten Lockdown
Nur die Nerven nicht verlieren bei zwei G plus und
Dem Gedanken
"vielleicht ist bald wieder mit Gastro Schluss"

Der Wahn, die besten Geschenke zu kaufen,
die Angst, in der vollen Stadt ineinander zu laufen,
Müdigkeit und Resignation,
Sehr weihnachtlich ist sie nicht
Die Gesamtsituation

Auf dem Wunschzettel steht
"Moderna" oder doch "Biontec", hauptsache
kein Omikron
und dabei kann fast vergessen werden:
An Weihnachten
geht es um Gottes Sohn

Denn vielleicht sitzt dort ganz weit oben
Jesus Christ persönlich und denkt sich,
schön, dass sich alle so um Weihnachten sorgen,
aber schade, dass dabei
keiner an das Geburtstagskind denkt.

Denn ist es nicht außergewöhnlich, dass
an einem Tag im Jahr,
nur weil ein Hirte einst ein Stern sah,
für einige Stunden, die verschiedensten runden
in jedem Haus beisammensitzen?

Denn ob man nun glaubt oder nicht,
vielleicht ist genau das das Gesicht
das Weihnachten uns zeigt:

Dass man, Pandemie hin oder her,
einmal alle sieht oder
wenigstens
aneinander denkt
bevor man sich dann mit
mehr oder weniger schönen Dingen beschenkt

Dass man trotz all der Unsicherheit diesen Advent
In der Woche, in der die vierte Kerze brennt
Sich kurz darauf besinnt, wie gut man die Seinen eigentlich kennt

Dass wir einmal daran denken,
in was für einer Zeit wir leben
in der jeder von uns ein wenig das Gefühl hat
zu schweben

Dass wir uns einmal in die Augen sehen und
dann vielleicht verstehen,
dass jeder von uns hierhergehört
und uns die Sicht des anderen
nicht mehr ganz so verstört

Und auch wenn einige weniger es nicht können lassen
und Weihnachten trotzdem hassen
So liegt über der Nacht des 24. doch ein Zauber
den manch einer nicht erkennen
aber keiner leugnen kann

Ob es nun das Kerzenlicht, die Kekse oder die Lieder sind:
Vielleicht zeigt sich ein Gott gerade so

Und diese paar Stunden im Jahr,
die wir aneinander denken
oder gemeinsam verbringen,
sind sein kleines, alljährliches Geschenk an uns:
Er zeigt sich nicht in Dingen.