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Türchen 3: Wie nachhaltig sind Tannenbäume?

Florian Schmieder

Weihnachtscountdown mit fudder: Jeden Tag verbirgt sich hinter unseren Türchen eine gute Geschichte, ein wertvoller Tipp oder eine gehaltvolle News. Öffnet mit uns heute Türchen 3: Sind Tannenbäume nachhaltig?

Behangen mit Strohsternen, glänzenden Kugeln oder – für alle die, es eher im 80er-Stil mögen – glitzerndem Lametta. Für viele gehört zu Weihnachten ein stattlicher Tannenbaum in die Wohnung. Im Laufe des Dezembers machen sich so die Menschen auf zum Stand vor dem Supermarkt, einem Bauernhof oder bestellen online vom heimischen Sofa aus und wuchten das grüne Nadelgewächs in die eigenen vier Wände. Doch bei der Menge an Bäumen, die jährlich für ebendiese Prozedur gefällt werden, stellt sich schon die Frage, wie umweltfreundlich das überhaupt sein kann.

Über 60 Prozent der Deutschen legen Wert auf einen Christbaum, in Anbetracht von Mehr-Personen-Haushalten ergibt das immerhin 30 Millionen Bäume, die allein auf dem deutschen Markt am Jahresende gefällt und verkauft werden. Vier von fünf Weihnachtsbäumen sind dabei Nordmanntannen, zu etwa 85 Prozent kommen diese auch aus Deutschland, der Rest wird aus Skandinavien oder Osteuropa importiert. Die Tannen brauchen gute acht Jahre, um die gewünschte Größe von zwei Metern zu erreichen. Auch ein Blick in die Seitentäler Freiburgs verrät, dass dies meist auf monokulturellen Flächen geschieht.
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Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Problematisch sind diese Monokulturen nicht heimischer Arten besonders deshalb, weil sich so kein biodiverses Ökosystem entwickelt. Zur Bekämpfung von sogenannten Schädlingen müssen laut NABU reichlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Wenn auch der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger (den gibt es wirklich) betont, dass nur auf geringe Mengen und stattdessen dem Einsatz von Schafen zur Unkrautbekämpfung gesetzt wird. Aber es braucht zudem auch viel Dünger, um eine schöne Färbung der Nadeln und einen gleichmäßigen Wuchs zu erreichen. Und da dort ja dann in dem Moment nichts anderes wachsen kann, stehen die geschaffenen Plantagen natürlich in Konkurrenz zu anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Verbrennen besser als Verrotten

Die eingesetzten chemischen Mittel bei der Aufzucht der Tannen sind natürlich dann ein weiteres Problem, wenn sie mehrere Wochen im geschlossenen Raum stehen – für die Gesundheit der dort Wohnenden. Demgegenüber ist der zusätzliche Wasserbedarf der Christbäume, welchen sie über die Wochen im Baumständer benötigen, laut mehreren Berechnungen vernachlässigbar. Das letzte große ökologische Dilemma stellt sich dann eher, wenn die Lichterkette und die Kugeln abgehängt wurden und der Baum seiner letzten Ruhestätte zugeführt wird. Denn hier ist das Verbrennen deutlich klimafreundlicher als das Verrotten. Bei Ersterem wird eben der Kohlenstoff freigesetzt, der beim Wachsen aus der Luft gebunden wurde. Beim Verrotten auf einer Deponie wird jedoch Methan gebildet, welches etwa 25-mal klimaschädlicher ist als CO2.

Plastik ist auch nicht die Lösung

Wer sich jetzt denkt, dass ein Weihnachtsbaum aus Kunststoff die Lösung all dieser Probleme ist, irrt leider. Denn eine kanadische Studie kam bereits 2009 zur Schlussfolgerung, dass die Treibhausgasemissionen durch den Rohölverbrauch und den Transport – meist aus China – deutlich höher sind als bei einem natürlichen Baum. Erst nach etwa 20 Jahren gleicht sich dies aus und nach dieser Zeit dürfte der ein oder andere Zweig etwas zerzaust sein. Die Studie einer Schweizer Umweltagentur kam zudem noch zu dem Ergebnis, dass ein fleischhaltiges Drei-Gänge-Menü, das sicher auf einigen Tischen rund um Weihnachten stattfinden wird, doppelt so viele Treibhausgasemissionen ausstößt wie der nebenan stehende Christbaum.

Wie alle ökologischen Abwägungen ist also auch die Entscheidung beim Weihnachtsbaumkauf nicht eindeutig, sondern besitzt mehrere Dimensionen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein natürlich in einem Wald gewachsener Baum umweltfreundlicher ist als ein gezüchteter, besonders hinsichtlich der Biodiversität. Muss man hierfür allerdings auch mal 20 Kilometer fahren, übersteigen die Treibhausgasemissionen dieser Fahrt bereits die Aufzucht.

Einen Weihnachtsbaum leihen

Dennoch lohnt sich aus Freiburger Sicht direkt am Schwarzwald gelegen der Blick auf kleine, lokale Zuchtbetriebe. Und warum nicht mal den Christbaum mit einem Lastenvelo in sein neues Zuhause befördern? Vermehrt bieten Händlerinnen und Händler auch die Möglichkeit, den Baum nur zu leihen und ihn so mehrmals verwenden zu können, etwa der Freiburger Jürgen Rühlemann. Und letztlich darf man sich natürlich auch die Frage stellen, ob man Weihnachten auch besinnlich feiern kann, ohne einen Baum acht Jahre aufzuziehen, um ihn dann nach knapp vier Wochen wieder entsorgen zu müssen.

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