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Türchen 24: Die weiße Weihnacht ist ein Mythos

Florian Schmieder

Weihnachtscountdown mit fudder: Jeden Tag verbirgt sich hinter unseren Türchen eine gute Geschichte, ein wertvoller Tipp oder eine schöne Idee. Heute Türchen 24: Der Mythos um die weiße Weihnachten

Nach am Glühweinstand durchzechten Adventswochenenden, den letzten verzweifelten Last-Minute-Geschenkkäufen und dem wochenlangen Hamstern von Lebkuchen hoffen die meisten Leute in den letzten Tagen vor Heiligabend vor allem auf eins: weiße Weihnachten. Der Traum ist, am Morgen des 24. Dezembers aufzuwachen und in eine schneebedeckte Landschaft schauen zu können und die überbordenden Weihnachtsmenüs körperlich mit einer Schneeballschlacht zumindest etwas kompensieren zu können. Doch trügt der Schein oder waren die letzten Jahre eher nass und matschig – graue Weihnachten?

Unter weißer Weihnacht als meteorologisches Phänomen versteht man eine geschlossene Schneedecke, die über die Weihnachtstage liegen bleibt oder zumindest den Schneefall an den entsprechenden Tagen. Der Deutsche Wetterdienst definiert weiße Weihnacht wie folgt: "Wenn an einer Wetterstation am 24., 25. und 26. Dezember jeweils ein Zentimeter Schnee oder mehr gemessen wurden." Von geschlossener Schneeschicht spricht man also ab ein bis zwei Zentimeter Höhe, auch wenn das für die meisten Menschen wohl eher zu wenig wäre. Damit dies im Bereich des Möglichen ist, braucht es Temperaturen um 0 Grad Celsius.

"Der Schnee, er apert"

Falls am Weihnachtstisch geschwind das Thema geändert werden muss, weil Onkel Heinrich mal wieder anfängt von seiner letzten Darmspiegelung zu reden, hier ein Meteorologie-Terminus zum Angeben: Das Schmelzen der Schneedecke wird Ausaperung genannt. "Der Schnee, er apert", dürfte bislang in wenigen winterlichen Wohnzimmern gesagt worden sein. Das Gegenteil von weißen Weihnachten sind im Übrigen – wer hätte es gedacht – grüne Weihnachten.

Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät, dass der Traum weißer Weihnachtstage aus dem 19. Jahrhundert kommt. In den Jahrhunderten zuvor war dies während der Kleinen Eiszeit noch Normalität, nun kam Petrus des Öfteren mal mit seiner Ausaperung um die Ecke und Schnee um Weihnachten wurde seltener. Da die Kunst damals immer noch mit der Romantik beschäftigt war, stellte dies natürlich ein gefundenes Fressen dar. Es entstanden erste Weihnachtskarten und Auswandererfamilien, die nach Neuengland in den USA kamen, waren fasziniert von der dortigen Schneemenge und schickten Karten in die alte Heimat. Evergreens wie "Leise rieselt der Schnee" entstanden in dieser Zeit und verkörperten die Sehnsucht der Menschen nach Schneemännern unter der Nordmannstanne. Anfang des 20. Jahrhunderts kam dann ein schneefreies Weihnachtsfest durchaus öfter vor. Und einige Jahrzehnte entstand daraufhin die wohl meistverkaufte Single aller Zeiten: "White Christmas".

Chance auf weiße Weihnachten sinkt ständig

In der Realität sieht das von Bing Crosby besungene Winterwunderland ein bisschen anders aus. Lediglich sechs der letzten knapp 120 Jahre hatten in Deutschland weiße Weihnachten zu bieten: 1906, 1917, 1962, 1969, 1981 und 2010. Die Faszination erinnert also eher an "Opa erzählt vom Krieg" oder ein klassisches Meme: "Weiße Weihnacht – like wer’s noch kennt". Kinder kommen bereits in die weiterführende Schule und haben noch nie das gesehen, was laut Werbung und Hollywood doch zu Weihnachten so dazugehört wie ein lausiges Paar Socken. Die Chance auf weiße Weihnachten ist in den letzten 30 Jahren verglichen mit der Zeit zwischen 1960 und 1990 um knapp 50 Prozent zurückgegangen. Sieht man das Ganze nicht so engstirnig und hofft lediglich auf ein bisschen Schneefall an einem der Tage, wird man schon mit deutlich mehr weißen Festen belohnt. In Freiburg zuletzt etwa 2001 und 2011. Na immerhin.

Schneebedeckte Wälder, Wiesen, Städte und Dörfer zu Weihnachten sind also in Deutschland und so auch in Freiburg bereits seit Jahrzehnten eher ein verklärter Mythos, waren es vielleicht von Anfang an. In Wirklichkeit sind Schneefall an einem der Tage oder gar eine Schneedecke über alle drei Weihnachtstage hinweg recht selten. Daran wird sich in Zukunft durch die Folgen des Klimawandels auch in Mitteleuropa wenig ins Positive ändern, vielmehr muss jenseits der Höhenlagen eher mit grünen Weihnachten gerechnet werden. Die Chancen auf ein schneebedecktes Freiburger Münster lagen – wie zu erwarten war – bereits Anfang Dezember bei null Prozent. Was bleibt, ist also wie jedes Jahr die Hoffnung.

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