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Türchen 22: Wie kann ich effektiv spenden?

Florian Schmieder

Weihnachtscountdown mit fudder: Jeden Tag verbirgt sich hinter unseren Türchen eine gute Geschichte oder ein wertvoller Tipp. Heute Türchen 22: Tipps für effektives Spenden.

Für viele Menschen geht es zu Weihnachten neben der Ankunft unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus auch darum, sich und den Lieben etwas Gutes zu tun. Sei es durch Geschenke, gutes Essen oder Zeit für das Wesentliche. Doch vielen reicht dies nicht, sie möchten zum Weihnachtsfest auch anderen Gutes tun, meist in Form einer Geldspende für Menschen oder Einrichtungen, die einem wichtig sind oder einen berühren.

Seit Jahren ist Spenden am trenden: Die Geldmenge aus privaten Spenden nimmt in Deutschland durchschnittlich seit Jahren zu. 2020 waren es gemäß den Erhebungen des Marktforschungsinstituts Growth from Knowledge und des Deutschen Spendenrats trotz (oder gerade aufgrund) der Corona-Pandemie 5,4 Milliarden Euro. Dieser Wert wurde bislang lediglich 2015 überschritten, damals vor allem im Zuge der großen Anzahl von Geflüchteten und des Erdbebens in Nepal. Dabei gibt es von Jahr zu Jahr deutliche Schwankungen, eben vor allen Dingen abhängig von Katastrophen oder Krisen, die in den entsprechenden Zeiträumen geschehen. Etwa drei Viertel des Geldes werden für humanitäre Zwecke gespendet, der Rest teilt sich zum Beispiel auf Tier- und Umweltschutz oder Kulturelles auf.

Interessant ist, dass sich der Anteil an spendenden Menschen hierzulande in den letzten 15 Jahren fast halbiert hat, dafür sind sowohl Spendenhäufigkeit als auch die durchschnittliche Spendensumme in der Zeit deutlich gestiegen. Ein Großteil davon entfällt traditionell auf die Weihnachtszeit, der Dezember macht circa ein Fünftel des Gesamtvolumens an Spenden aus. Fast die Hälfte ebendieser Gesamtmenge wird von Menschen über 70 Jahren gespendet. Hieraus ergibt sich auch die größte Problematik für den Spendenmarkt: Wenn das Spendenverhalten an die jeweilige Generation und nicht an das Alter gebunden ist, fällt hier in den kommenden Jahren ein erheblicher Anteil an Spendierfreudigen weg.

Maximal Gutes mit verfügbaren Mitteln

Die Beweggründe für das Spenden sind vielfältig und reichen von Mitleid über Verantwortungsbewusstsein bis hin zu rationalen Motiven wie Steuervorteilen. Für die wenigsten Menschen gilt beim Spendenvorgang aber so etwas wie eine Kosten-Nutzen-Abwägung, stattdessen entscheiden oft persönliche Bezüge über die Spendenziele. Dabei gibt es mittlerweile eine soziale Bewegung und gar Philosophie, die auch diesen Lebensbereich effizienter gestalten will und mehr rationale Gedankengänge in den Entscheidungsprozess einfließen lässt. Natürlich gibt es hierfür bereits einen Begriff: den effektiven Altruismus.

Die Grundidee ist relativ simpel, letztlich geht es bei dieser Art des Spendens darum, mit den vorhandenen Ressourcen – also dem verfügbaren Geld – maximal viel Gutes zu erwirken, oder so viel Leid wie möglich zu verhindern. Kurzer Exkurs: Dieses Prinzip gilt grundsätzlich im Utilitarismus, einer ethischen Lehre, die quasi von einem gesellschaftlichen Gesamtnutzen ausgeht und besonders im angelsächsischen Raum verbreitet ist. Der Idee der Minimierung von Leid durch Spenden liegt das Problem zu Grunde, dass im Bereich karitativer Hilfe traditionell zu wenig finanzielle Mittel vorhanden sind, um allen Zwecken angemessen nachzukommen. Nun lässt sich natürlich sagen, dass etwa das Leid verschiedener Menschen nicht miteinander vergleichbar ist, ja bereits ethische Grundwerte dies verbieten. Aus Sicht des effektiven Altruismus ist dieser Gedanke nachvollziehbar, macht aber auch ohnmächtig ob dieses Interessenkonflikts.

Wie wird aus der eigenen Spende das Maximale herausgeholt?

Eine Abwägung von verschiedenen Hilfseinrichtungen erscheint einigen unmöglich, besonders wenn auch noch unterschiedliche Zwecke zugrunde liegen. Laut Peter Singer, einem der Vertreter des effektiven Altruismus und weltweit renommiertem Philosoph, ist jedoch nicht die Frage, welches Problem am dringlichsten zu lösen ist, sondern an der Bekämpfung welches Problems selbst am meisten mitgewirkt werden kann. Dies gilt natürlich nicht nur in Bezug auf die Spendenbereitschaft, auch politisches Engagement kann gemeint sein. Als Beispiel nennt er etwa, dass in der Massentierhaltung ein Vielfaches an mehr Leid im Vergleich zu Haustieren herrscht. Eine Spende an eine Organisation, die Massentierhaltung beenden will, wäre demnach deutlich effektiver als an das lokale Tierheim.

Vielen stellt sich da sicher nun die Frage: "Das ist ja schön und gut, aber was heißt das nun konkret für mein Spendenverhalten?" Wer sich dafür interessiert, dass aus der eigenen Spende das maximale herausgeholt wird, kann einmal bei den Websiten GiveWell, Giving What We Can oder The Life You Can Save vorbeischauen. Sie dienen quasi als Rating-Agenturen und untersuchen verschiedene globale Institutionen in Bezug auf ihre Effektivität. Bei vielen Organisationen geht zum Beispiel ein zu großer Anteil durch Verwaltungskosten verloren oder sie überprüfen und bewerten nicht die gewählten Hilfspraktiken. Dieses Problem versucht beispielsweise die Organisation GiveDirectly zu umgehen und so kann man wie der Name bereits verrät Menschen direkt Geld geben. Ein großes Plus bei dieser neuen Form des Spendens ist in jedem Fall, dass die Transparenz des Spendenvorgangs eine größere Rolle erhält.

Es ist logisch, dass diese rationale Herangehensweise an ein emotionales Thema wie der Hilfe von Menschen und Tieren in Not ungewöhnlich oder sogar befremdlich wirkt. Allerdings hilft ein logischer Umgang mit dieser Problematik eben auch, einen kühlen Kopf zu bewahren und so vielleicht wirklich das Leid zu minimieren und das Glück zu maximieren. Was das jedoch konkret bedeutet, ist dennoch eine Frage, die jede und jeder für sich selbst beantworten muss.

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