Toni Hoffmann gewinnt Rampe-Bandwettbewerb

Alexander Ochs

"Das Publikum war das Zünglein an der Waage, was den Toni betrifft", verrät Jurymitglied Zeus B. Held am Ende des Abends. Gerade hat er die Toni Hoffmann Band zum Sieger gekürt. Wie schon in den Vorjahren lagen auch gestern Publikumsmeinung und Juryurteil beim Nachwuchswettbewerb Rampe 2010 nicht ganz auf einer Linie. Alex war für fudder dabei.



Auch die Meinung des Publikums ist gespalten. Bei den gefühlvollen Songs der Siegerband wiegen sich die Mädels in der ersten Reihe schwelgerisch im Takt. Ganz anders das Bild beim erdigen Rock der zweitplatzierten Formation Doktor Staupinsky: Hier fühlt geht auch der männliche Teil des Publikums mit. Einen souveränen Auftritt haben beide Bands hingelegt. Es ist wie so oft eine Geschmacksfrage.

Dass sich genau darüber trefflich streiten lässt, zeigen die Reaktionen bei der Verkündung der Siegerband: Die einen rufen „Wow!“ und jubilieren, die anderen „Buh!“ und rebellieren. Greifbares Erstaunen. Viele Zuschauer hatten auf die siebenköpfige Formation Geht’s oder Noch als Favorit getippt.

Der als Singer/Songwriter angekündigte Toni Hoffmann aus Klettgau hat die Jury mit seiner fassettenreichen Stimme und seinen melodisch-melancholischen Songs, Marke elegischer Soulpop, überzeugt. Verträumt steht Toni im gestreiften T-Shirt auf der Bühne, die braunen Wuschellocken nur notdürftig zum Zopf gezähmt, und singt: „She’s away“: die perfekte Musik fürs Candlelight-Dinner zu zweit – oder allein mit dem Weltschmerz.

Stimmlich top, trägt Toni die Songs mit Inbrunst vor, hier und da einen Tick zu süßlich. Die vier Musiker an Klavier, Bass, Gitarre und Schlagzeug machen ihre Sache gut. Perspektivisch betrachtet könnte es auf die Coldplay-Schiene hinauslaufen: ein stadiontauglicher Plan zur Weltrettung. Dem steht derzeit noch der sperrige Bandname im Weg.

Einen solchen trägt auch Doctor Staupinsky. Hinter diesem ominösen Forschernamen steckt eine Band in klassischer Besetzung, die zumindest live funkelt wie ein Rohdiamant. Geradlinig, schnörkellos und druckvoll servieren sie ihre Rockmusik. Allein Gesang und Gitarre sind eine Wucht: wuchtig, scharf akzentuiert, an prominenten Vorbildern geschult. Sänger Steffensky im kurzgeschorenen Irokesen-Look erinnert stimmlich an die Großen seines Fachs. Doch auch die beiden langmähnigen Saitenschwinger zu seiner Linken und Rechten stemmen ihre schwarzen Chucks immer wieder selbstbewusst auf die Monitorboxen und sorgen für ordentlich Dampf im Kessel.



Ganz anders klingen Geht’s oder Noch, die den dritten Platz belegen. Sehr lässig-jazzig ist ihr Sound, der sich zusammensetzt aus der groovenden Bläserfraktion mit Saxophon, Trompete und auch mal Horn, der geschmeidigen Orgel, dem Kontrabass, Percussion und Schlagzeug. Heraus sticht die ausdruckstarke Stimme von Sängerin Helen Reichardt. Dass ihr ameliehafter Charme sofort aufs Publikum überspringt, liegt nicht nur an der großen Fanbasis, die die Freiburger Formation mobilisiert hat. Als erste am Start, zaubern die jungen Musiker eine ausgelassene Stimmung in den Gewölbekeller des Jazzhaus.

Abgeschlagen auf einem gemeinsamen vierten Platz landen Audiodraft aus Furtwangen und 3samkeit, ein Trio aus Trossingen. Die Band mit der „3“ im Namen konnte an der Dreisam ihre kürzlich geernteten Vorschusslorbeeren nicht bestätigen. Die Songs klingen zu sehr nach dem immergleichen Powerpoprock-Gebräu und ernten lediglich verhaltenen Beifall. Das Quintett Audiodraft hingegen setzt auf melodischen Rock – und alles auf eine Karte. Denn ihr Gig bei der Rampe 2010 ist ihr erster überhaupt! Warum auch nicht? Schließlich gelang dieses Kunststück, gleich beim ersten Konzert den Sieg einzufahren, in den Vorjahren schon Ein Stück Heile Welt, Rahel Kraska und The Callahan Affair.

Uneinigkeit zwischen Publikumsohren und Juroren hat bei der Rampe fast schon Tradition. Im letzten Jahr lagen Philadelphia und The Enshins gleichauf, 2008 Cornerstone und Sonic Total. Doch noch reizvoller als der Sieg bei der Rampe ist die Kür zur ZMF-Tourband. Wer sich diese Auszeichnung ans Revers heften darf, wird erst in den kommenden Wochen bekannt gegeben.

Unser Tipp: Da geht noch was, oder?

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Janos Ruf

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.