XXL-Graffito

Tom Brane hat eine 320 Meter lange Wand vor dem neuen SC-Stadion besprüht

Gina Kutkat

Es ist vermutlich Freiburgs größtes Graffiti und sicher eines der buntesten: Der Freiburger Künstler Tom Brane hat eine Stützmauer zwischen neuem SC-Stadion und Messe mit Motiven der Stadt besprayt.

Am Ende war er um etwa 400 Spraydosen leichter und hatte einen Teint, als sei er im Urlaub gewesen: Der Freiburger Graffiti-Künstler Tom Brane hat den Sommer über eine 320 Meter lange Beton-Stützwand zwischen Messe und dem neuen SC-Stadion gestaltet. Darauf zu sehen: Typische und untypische Freiburg-Szenen sowie Menschen, die zur Stadt gehören: ob Vauban, Münsterplatz oder das Theater. Ob der Christopher-Street-Day, Martin Horn, die Tiere auf dem Mundenhof oder die Schattenparker im Vauban – sie alle machen Freiburg aus, findet der Künstler. "Mir war es wichtig, die Vielfalt der Stadt zu zeigen", sagt Brane.


Für die Freiburg-Motive, die im Auftrag der Freiburger Verkehrs AG entstanden sind, hat sich der Enddreißiger aus seinem Leben inspirieren lassen. "Mit fast allen Locations verbinde ich Erinnerungen", so Brane, während er an der Wand entlangschlendert. Der Motiv-Spaziergang beginnt im ländlichen Schwarzwald mit weitläufigen Weiden und sanft blickenden Kühen, doch schon zwei Meter weiter warten die ersten Frelo-Fahrräder in Freiburg, planschen Badegäste im Eugen-Keidel-Bad und lesen Menschen die Zeitung – welche, ist ja klar. Dann schaut man in die Augen von SC-Trainer Christian Streich, passiert Uniklinik und Bahnhof, grüßt Martin Horn im Rathaus und lässt sich zwischen jungen Menschen auf dem Augustinerplatz oder dem Platz der Alten Synagoge nieder. "Jeder kann etwas Neues entdecken", sagt Brane. Freiburg in Kurzform, aber im XXL-Format und mit viel Liebe zum Detail.



Die Idee, die Stützwand und auch ein Aufsichtsgebäude an der Stadionhaltestelle gestalten zu lassen, hatten Andreas Blaudszun von der Neubauabteilung der VAG und Susanne Herzog, VAG-Marketingleiterin. Das Kunstwerk soll Freiburgerinnen und Freiburger beim neuen Stadion willkommen heißen, aber auch Gästefans, die so einen Eindruck der Stadt bekommen. "Es sollte um Freiburg gehen; ansonsten hatte Tom Brane freie Hand bei der Motivwahl", sagt Susanne Herzog.

In den Farben der Stadtbahnlinie

In einer beschränkten Ausschreibung entschied man sich für den Freiburger Künstler, der mit Skizzen und seiner Erfahrung im Umgang mit großen Flächen punkten konnte. Und mit einer pfiffigen Idee: Jedes Motiv sprühte er in den Farben der Stadtbahnlinien, die an der jeweiligen Sehenswürdigkeit vorbeifahren. Bereiche, in denen nur eine Linie fährt, sind einfarbig und je mehr Linien in einem bestimmten Abschnitt parallel verkehren, desto bunter wird die Szenerie. So ist der Botanische Garten Pink wie die Linie 4 und die Kaiser-Joseph-Straße so bunt wie die Trams, die die Stadtmitte passieren.

Drei Monate lang hat Brane täglich sechs Stunden an dem Projekt gearbeitet – und das im Hochsommer bei 37 Grad. Seine Arbeitszeit begann nachmittags und ging bis spät in den Abend – aufgrund der Lichtverhältnisse und Temperaturen. Die 50 Zentimeter bis 1,8 Meter hohe Wand besprayte er großteils im Stehen, für den niedrigen Teil saß er auf einem Rollwagen. "Das Projekt war eine große Herausforderung, die mich Kraft gekostet hat", sagt der Künstler. Aber es hat auch Spaß gemacht: Teilweise habe er auf dem heißen Teerboden eine Wurst gegrillt, scherzt er.

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