Futterspenden

Tiertafel in Freiburg hilft Haltern in finanziellen Notlagen

Anja Bochtler

Verhindern, dass Menschen mit wenig Geld ihre Tiere abgeben müssen: Das will der Verein "Treue Begleiter". Die Initiatorinnen wissen aus eigener Erfahrung, dass Tiere Menschen gut tun.

Ein Leben ohne Queenie, Suki und Pippa könnten sich Susi Begelspacher und Edda Grieshaber kaum vorstellen. Weil sie so sehr an ihren Hunden hängen, engagieren sie sich zusammen mit Gleichgesinnten dafür, dass sich Menschen nicht von ihren Hunden oder Katzen trennen müssen, nur weil sie in finanzielle Probleme geraten sind. Im neuen Verein "Treue Begleiter" organisieren sie unter anderem eine Tiertafel mit Tierfutter.


Die Organisatorinnen haben eine enge Beziehung zu Tieren

Alle bei ihnen können Tiergeschichten erzählen: So wie Susi Begelspacher, die sich längst nicht nur wegen ihrer vier Jahre alten Schäferhündin Queenie bestens mit Tieren auskennt. Sie arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Tierheilpraktikerin, und da sie außerdem auch Heilpraktikerin für Psychotherapie ist, interessiert sie sich für Tiere und Menschen gleichermaßen. Und vor allem fasziniert sie die Beziehung zwischen Menschen und ihren Tieren. In vielen, oft speziell in belastenden Situationen könne diese Beziehung eine ganz besondere Bedeutung gewinnen, sagt sie: Zum Beispiel bei alten Menschen mit Demenz, die manchmal eine sehr intensive Verbindung zu Tieren aufbauen.

"Menschen sollten Tiere haben können, unabhängig von allen Unwägbarkeiten, die auftreten können." Susi Begelspacher, Treue Begleiter
Deshalb findet sie: "Menschen sollten Tiere haben können, unabhängig von allen Unwägbarkeiten, die auftreten können." Für die Vereinsmitglieder ist dabei aber eine Botschaft wichtig: Auf keinen Fall wollen sie dazu beitragen, dass jemand sich Tiere anschafft, die er nicht gut versorgen kann. Aber sie wollen verhindern, dass Menschen sich von ihren Hunden oder Katzen trennen müssen, nur weil sie arbeitslos werden, erkranken oder andere unvorhersehbare Probleme auftreten, so dass das Geld nicht mehr fürs Futter reicht.

Wohnungslose müssen keinen Nachweis erbringen

Edda Grieshaber hat, als sie im vergangenen Jahr einige Monate in Hamburg gelebt hat, dort die "Tiertafel" kennengelernt. Ähnliche Initiativen gibt es in etlichen Großstädten. Bei ihrer Rückkehr nach Freiburg dachte sie: "Sowas brauchen wir hier auch." Sie hat sich schon davor im Tierschutz engagiert, hat Tiere, die in anderen Ländern in schlechten Umständen lebten und von Engagierten nach Deutschland gebracht wurden, bei sich aufgenommen, bis sie weitervermittelt wurden.

Zwei der Hunde, die so zu Edda Grieshaber kamen, sind bei ihr geblieben: Suki stammt aus Griechenland, Pippa aus Spanien. Genau wie Susi Begelspacher hat auch sie beruflich sowohl mit Menschen als auch Tieren zu tun: Sie arbeitet als Sozialpädagogin in der Wohnungslosenhilfe und ist in tiergestützter Therapie weitergebildet. Durch sie gibt’s gute Kontakte zu Einrichtungen für wohnungslose Menschen. Auch an Wohnungslose mit Hunden richtet sich die Tiertafel.

Im Unterschied zu den anderen, die dort Futter abholen wollen, müssen Wohnungslose keine Nachweise vorlegen, die beweisen, dass sie wenig Geld haben und das Tier bereits hatten, bevor sich ihre Situation zugespitzt hat. Außerdem sollen Hunde möglichst mitkommen, bei anderen Tieren sollten Fotos und andere Unterlagen wie Tierarztrechnungen gezeigt werden.

Über Facebook fanden sich viele Unterstützer

Edda Grieshabers Vereinsidee stieß über Facebook schnell auf Unterstützung: Alle, die dabei sind, kamen so dazu. Viele hätten Futter und Geld gespendet. Doch kurz nach der Gründung Ende Januar kam eine längere Corona-Pause. Inzwischen fanden drei Futterausgaben statt, jedes Mal kamen zwischen acht und 15 Menschen. Außerdem gibt’s 15 Ehrenamtliche, die bereit sind, für ältere oder kranke Menschen zum Beispiel Katzen zum Tierarzt zu bringen oder Hunde spazieren zu führen.

Auch Miriam Elliger wäre bereit für Hundespaziergänge. Sie ist mit Tieren aufgewachsen und will sich nun, nachdem sie ihr Studium in Forstwissenschaften abgeschlossen hat, bald selbst wieder einen Hund anschaffen. Gulla Reck, die als Bürokauffrau arbeitet, hat zwei Katzen. Auch für sie ist klar: "Die Beziehung zu Tieren ist so wichtig."
Treue Begleiter

Gegründet: Januar 2020.
Mitglieder: neun.
Angebot: Futterspenden für die Tiere von Menschen mit wenig Geld bei der "Tiertafel"; Alltagsunterstützung bei der Versorgung von Tieren von älteren oder kranken Menschen (Hundespaziergänge, Begleitung zum Tierarzt und Ähnliches); Kooperation mit sozialen Einrichtungen wie der Wohnungslosenhilfe und Tierschutzvereinen.
Mitgliedsbeitrag: 10 Euro/Jahr.
Kontakt: treue-begleiter.org, Tel. 0761/15530101
Tiertafel: An jedem dritten Freitag im Monat von 16 bis 18 Uhr vor der Garage an der Elsässer Straße 9.