The Puppini Sisters: A-Capella, Cover-Songs und Klatschen

Dennis Wiesch & Martin Jost

Es ist der Abschlussabend des diesjährigen Zelt-Musik-Fesitvals und das letzte Konzert ist im vollen Gange. Oben auf der Bühne des Spiegelzelts stehen drei Damen stilgerecht gekleidet mit Korsett und perfekt gestylt. Sie versuchen, auf eine charmante Art und Weise ernste Töne anzuschlagen. Man mag fast meinen, sie stimmen in die aufkommende Melancholie des Publikums ein, dass später mit der traurigen Aussicht auf knapp 365 Tage Wartezeit bis zum nächsten ZMF das Spiegelzelt verlassen wird.

Falsch gedacht! Was hier als bierernste Einleitung des Gloria Gaynor Songs „I Will Survive“ angedacht war, endet recht schnell in Kichern und Grinsen auf der Bühne. Die Puppini Sisters verströmen einfach zu viel positive Energie und haben selbst viel zu viel Spaß an diesem Konzert, als dass sie mit dem aufgezwungenen Ernstsein Erfolg haben könnten.

Es ist das Gesamtkonzept, dass den Reiz eines Konzerts der Puppini Sisters ausmacht. Tolle Kostüme, eine aufreizende und leicht erotische Show, eine perfekt aufeinander abgestimmte Choreografie inklusive lasziver Gestik und Mimik, ein gewisses Maß an humorvoller Spontaneität gemischt mit Comedy und drei voll ausgereifte, kräftige und variantenreiche Stimmen. Die drei Protagonistinnen um die Frontfrau und Bandgründerin Marcella Puppini wissen ganz genau, wie man das Publikum bezaubert und auf seine Seite zieht. Ganz einfaches und immer wieder extrem wirkungsvolles Element dabei ist, alle zum Mitklatschen zu animieren. Funktioniert immer, garantiert! An diesem Abend funktioniert es sogar so gut, dass die Band zu sage und schreibe drei Zugaben auf die Bühne gebeten wird.

Die Puppini Sisters liefern feinsten A-cappella-Gesang. Musikalisch begleitet werden sie von einer dreiköpfigen Band, ganz klassisch besetzt mit Bass, Schlagzeug und Gitarre. Die drei Frauen entführen das Publikum in die swingenden 1930er und 40er Jahre. Eine Zeit, zu der Swingjazz das Ding überhaupt war und wirklich jeder zu dieser Musik das Tanzbein geschwungen hat. So auch an diesem Abend; schon nach wenigen Songs finden sich im hinteren Bereich des Spiegelzelt sieben oder acht Paare ein, die bis zum Ende des Konzerts sehr ausgelassen Jazztanz in den verschiedensten Formationen und Tanzschritten zelebrieren.

Das Zelt ist richtig gut gefüllt; Freiburg und A cappella, das hat schon immer bestens funktioniert. Die Coversongs werden vom Publikum frenetisch gefeiert, am Ende sogar mit stehenden Ovationen. Die Puppini Sisters bedienen sich aus dem großen Topf der Musikgeschichte, singen Songs von Kate Bush, Beyoncé und The Bangles sowie die immer wieder gerne zitierten Klassiker wie „Sway“, „Mr. Sandman“ oder „It Don’t Mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing)“ in ihrer ganz eigenen Art. Bei einigen Songs greifen selbst die Puppini Sisters noch zu Geige, Akkordeon und Blasharmonika und geben dem Ganzen so noch eine ganz spezielle sowie unterhaltsame Note.

Und eines muss man ihnen wirklich lassen: Selbst der eigentlich unhörbar gewordene, da ständig auf jeder Ü30-Party abgespielte Song „I Will Survive“ von Gloria Gaynor wird durch die drei Schwestern im Geiste wieder zum Leben erweckt und wirkt gar nicht mehr so unerträglich.

Mehr dazu:


 

Foto-Galerie: Martin Jost

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.